Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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„Hausbesitzer".  Doch  fehlt  es  auch  nicht  an  Fällen,  wo  die  Aussonderung
bestimmter  Bezirke  für  die  Vertretung  durch  einen  Hausbesitzer  die  Aufstellung ­
  sozialdemokratischer  Kandidaten  unmöglich  oder  die  Wahl  von
Sozialdemokraten  ungültig  machte.  Ähnlich,  wie  es  in  dieser  Hinsicht  in
Charlottenburg  und  Schöneberg  zuging,  ging  es  auch  in  Mariendorf,
Wilmersdorf  und  noch  anderwärts  zu.
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Niederbarnim,  der  Reichstagswahlkreis  der  Vororte  im  Norden  und
Nordosten  Berlins,  umfaßt  keine  Großstädte  im  Stil  von  Charlottcnburg,
Rixdorf  und  Schöneberg.  1905  zählten  nur  7  Ortschaften  dieses  Kreises
über  10  000  Einwohner.  An  ihrer  Spitze  steht  Lichtenberg-Friedrichsberg,
das  Ende  1905  über  55  000  Einwohner  zählte.  3hm  folgen:  Weißensee,
Boxhagen-Rnmmelsbnrg,  Pankow,  Reinickendorf,  Friedrichsfelde-Karlshorst,
und  Oranienburg.  Wir  unterlassen  es,  die  Entwicklung  der  Vertreterschaft
dieser  Orte  in  ähnlicher  Weise  zu  verfolgen,  wie  bei  den  Hauptorten  des
Wahlkreises  Teltow  -  Beeskow  -  Storkow  -  Charlottenburg.  Nicht,  daß  sie
weniger  interessant  wäre,  als  jene,  aber  sie  bietet  prinzipiell  nur  das  gleiche
Bild.  So  hat  Lichtenberg-Friedrichsberg,  wenn  auch  nicht  in
gleichem  Grade,  mit  ähnlichen  Schwierigkeiten  zu  kämpfen,  wie  Schöneberg,
und  konnte  daher  bis  1905  nur  8  von  15  Mandaten  der  dritten  Klasse
erobern.  In  Weißensee  dagegen  waren  am  Abschluß  unserer  Epochen
7  von  8  Mandaten  der  dritten  Klasse,  in  Boxhagen-Rummelsburg
nnd  Pankow  je  die  dort  zu  vergebenden  8  und  in  Reinickendorf  die
6  Mandate  der  dritten  Wählerklasse  im  Besitz  der  Sozialdemokratie.  In
Friedrichsfelde-Karlshorst,  welche  Orte  einen  starken  Prozentsatz  bemittelter
Einwohner  und  auch  viele  am  dortigen  Rennplatz  interessierte  Geschäftsleute ­
  beherbergen,  waren  nur  erst  2  Mandate  erkämpft,  und  ganz  unvertreten
ist  die  Sozialdemokratie  noch  im  spießbürgerlichen  Oranienburg.  Von
kleineren  Orten  sind  Erkner,  Friedrichshagen,  Borsigwalde-Wittenau  und
Waidmannslust-Lübars  mit  je  3  Mandaten  zu  nennen.  Je  2  Gemeindevertreter ­
  hatten  neben  Friedrichsfelde-Karlshorst  noch  Herzfelde,  Mahlsdorf, ­
  Oberschöneweide  und  Schönbeck-Fichtenau  und  je  1  Schönfließ,
Stralau  und  Tegel.
c)  Das  kommunale  Wirken  der  Sozialdemokratie.
Was  nun  die  Tätigkeit  der  Sozialdemokratie  in  den  Gemeinden  anbetrifft, ­
  so  haben  es  die  sozialdemokratischen  Vertreter  selbstverständlich
nirgends  am  guten  Willen  fehlen  lassen,  im  Sinne  der  sozialdemokratischen
Grundsätze  auf  die  Gemeindeverwaltungen  einzuwirken.  Aber  durchgängig
einer  Mehrheit  gegenübergestellt,  die  durch  den  Wall  der  preußischen
Klassengesehgebung  davor  geschützt  war,  einer  sozialdemokratischen  Mehrheit ­
  weichen  zu  müssen,  und  sich  zum  Äberdruß  in  Notfällen  noch  durch
die  Äberwachungsvollmachten  der  Regierung  gedeckt  wußte,  stießen  sie  dabei
auf  einen  Widerstand,  der  oft  absolut  unüberwindlich  schien,  und  in  vielen
Fällen  hat  sich,  namentlich  in  der  ersten  Zeit,  das  Klassenwahlsystem  in  der
Tat  als  ein  Eisenpanzer  für  Klassenvorurteil  und  Klassenegoismus  erwiesen. ­
  Aber  die  Tätigkeit  der  Sozialdemokratie  in  den  Kommunen  ist
trotz  dieses  großen  Hemmnisses  nicht  wirkungslos  geblieben.  Schon  die
            
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