Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

WscheMM  der  ZoMlümsklatischeil  Partei  DkiiWaOs.

Erscheint  feHtit  Domiodrnd  uitb  koJtl  fHr  SU  Mono!«  Frbrnor  »US  Wirr  dirritt  durch  dir  Erprditlou  nnlri  Arrnsdand  d-iogrn  für  So«  JnlonB  I  Work,  fl'c  Bus  JuoloitS  1,20  Work,
Ziir  §irlin  nrhmrn  fäimnIUche  Zrttnngo-Spediiiore  UUO  Oie  Grprdilion  Akonnrmrnts  fum  preise  voll  40  pfg.  pro  Mono!  frei  ins  Dono  eolgezen.  Dom  I.  April  od  drirögl  das  Aiionornirnt
durch  die  Poll  oder  in  Zrriin  durch  dir  Zrilnngs  Kprditrnrr  pro  RnoNoi  1,2«,  uuier  Krrnjdood  1.80  Work.

JWh

1.  Jahrg.

Redsktilln  und  Expedition:  Berlin  SW.  19,  Vrulh-Stratze  2.

3.  Februar  1894.

Zur  Einführung.  —  Der  18.  Januar.  —  BuS  Sachsen.
—  Der  bayerische  Landtag.  —  Der  Bericht  deö  rheinischen
KomitöS.  —  Die  Petition  der  Bergleute  in  Sachsen.
Zriminaldircktor  Dambach.  —  Ein  christlich-sozialer
Dichter.  —  8luö  der  englischen  Landagitatiou.  —  Die
Ritter  der  Arbeit.
Partcinachrichten.  Politisches.  —  Gewerkschaftliches.
Kastenwesen.  —  Vom  Lande.  —  Vermischtes.

Jur  Beachtung.
Wir  bitten,  die  Zeit  bis  zum  Erscheinen  der  nächsten
Nummer  zur  eifrige«  Werbung  von  Abonnenten  zu
benutzen.
Die  nächste  Nummer  wird  Sonnabend,  den
10.  Februar,  früh  in  den  Händen  aller  Abouneittcn
und  Kolporteure  i»  Deutschland  fein.
Die  Expedition  des  „Tozialdemokrat".

Zur  Einführung.
Zweimal  bereits  hat  die  deutsche  Arbeiterbewegung  über
Zcutralorgaue  nüt  dem  Namen  „Der  Sozialdemokrat"  verfügt. ­
  und  mit  der  Gründung  und  Entwicklung  beider  sind
inhaltreiche  Abschnitte  unserer  Partcigeschichte  ans  das  Engste
verknüpft.
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(ratie  Jj)ie  XassalleaiKr  d.  0of  statten  nah  v.  Schweitzer
zeichneten  im  Xejembcr  1864  die  erste  Nummer,  und  in
ihrem  Prograrnmartikel  nchnren  mit  die  erste  Stelle  politische
Forderungen  ein,  die  heute  längst  zur  Wirklichkeit  gswordcn
find.  „Wir  wollen  —  heisst  cs  da  —  nicht  ein  ohnmächtiges
und  zerrissenes  Vaterland,  machtlos  nach  außen  und  voll
Willkür  im  Innern  —  das  ganze,  gewaltige  Deutschland
wollen  wir  .  .  .  eine  wirkliche  Volksvertretung,  d.  h.  eine
solche,  welche  der  Stimme  des  Arbeiters  das  gleiche  Gewicht
giebt,  wie  der  des  Kapitalisten.  So  erstreben  wir  als
nächstes  Hauptziel  der  Arbeiterbewegung  das  allgemeine,
gleiche  und  direkte  Wahlrecht."  —  Nach  dem  Eingehen  des
„Sozialdemokrat"  im  April  1871  leitete  dann  Hasenclever
mnr.  Juli  ab  den  „Neuen  Sozialdemokrat"  im  Sinne  der
Lassallcaner,  bis  dann  der  Gothaer  Kongreß  im  Jahre  1876
als  cinriaes  Zentralorgan  den  „Vorwärts"  in  Leipzig  proklamirte,
  in  dessen  Redaktion  Hasenclever  eintrat.
Frei  von.  inneren  Gegensätzen,  unter  dem  Ansporn
des  allgemeinen  Wahlrechtes  und  der  errungenen  politischen
und  wirthschaftlichcn  Freiheiten  nimmt  die  Partei  einen
ungeahnten  Aufschwung,  bis  die  Schreckensherrschaft  der
Periode  des  Ausnahniezustandes  alles  zerschlägt  und  zertrümmert, ­
  was  irgend  an  Organisationen  und  Organen  der
deutschen  Arbeiter  vorhanden  war.  Erst  im  September  1879
bringt  es  die  Partei  wieder  zu  einem  Zentralorgan  —  selbst
diese  Bezeichnung  vereitelten  später  die  Gerichte!  —  und
wieder  war  eS  ein  „Sozialdemokrat".  Die  größte,  heldenhafteste ­
  Zeit  des  großen  heroischen  Emanzipationskampfcs
des  deutschen  Proletariats  spiegelt  sich  in  diesem  Blatte
getreulich  wieder,  das  —  nothgedrungen  auf  frembem  Boden,
erst  in  der  Schweiz,  dann  in  England  erscheinend  —  bis
zum  letzten  Augenblicke  in  unvergeßlicher  Weise  [eine  Ausgabe ­
  erfüllt  hat:  „rnckhalts-  und  rücksichtslos  für  die
Prinzipien  der  Sozialdemokratie  und  deren  Verbreitung  im
Volke"  und  „gegen  die  thörichte  und  verderbliche  Revolntions-
  und  Putfchmacherei"  einzutreten.  Mit  dem  Falle
des  Ausnahmezustandes  hat  dann  das  Blatt  die  Waffen
wieder  zurückgegeben  in  die  Hände  der  heimischen  Genossen.
Heute  haben  wir  in  Deutschland  ein  täglich  erscheinendes
Zentralorgay,  den  „Vorwärts"  —  eine  wissenschaftliche
Revue,  die  „Neue  Zeit"  —  und  daneben  eine  so  ausgebreitete ­
  und  entwickelte  Lokalpresse,  daß  von  dein  Bedürfnisse ­
  eines  neuen  Zcntralorgans  in  dem  alten,  alles  umfassenden ­
  Sinne  des  Wortes  nicht  die  Rede  sein  kann.
Wenn  trotzdcnl  ans  den  Parteitagen  immer  wieder  ein
Zentral-Wochenblatt  verlangt  und  schließlich  auch  mit  übergroßer ­
  Mehrheit  beschlössen  worden  ist.  so  waren  dabei
unseres  Erachtens  verschiedene  Wünsche  maßgebend.
Einmal  der,  eine  Uebersicht  über  die  vielvcrzweigie
Parteibewegung  und  die  wichtigsten  Parteiknudgcbunacu
  und  -Meinungsäußerungen  in,  In-  und
Auslande  zu  gewinnen  —  gedrängter  wie  in  einer  großen
Tageszeitung,  und  umfassender  wie  in  einem  Theil  der
letalen  Presse.  Je  vielseitiger  und  reicher  unser  Parteilcben
  wird,  desto  größer  wird  die  Nothwendigkeit  werden,

alle  wichtigen  Thatsachen,.  Urtheile  und  Anregungen  an
einer  Stelle  zu  sammeln,  an  der  sie  nicht  unter  dem  MltagSstoffe
  verschwinden,  wie  bei  einem  Tageblatte,  das  so  viele
andere  Aufgaben  noch  zu  erfüllen  hat.
Weiter  ist  immer  stärker  das  Bedürfniß  hervorgetreten,
für  alle  deutschen  Genossen  ein  gemeinsames  Organ  der
Diskussion  zu  besitzen.  Mit  ihrer  stetigen  Machterweiterung ­
  wächst  für  die  Sozialdemokratie  auch  das  Maß
der  politischen  Verantwortlichkeit.  Sie  wird  immer  mehr
mitbestimmend  in  Fragen,  die  sie  sonst  als  gleichgültignebensächlich ­
  behandeln  konnte,  weil  deren  Entscheidung
einzig  und  allein  bei  den  bürgerlichen  Parteien  lag.  Sie
wird  immer  enger  und  unlösbarer  verwebt  mit  allen
Strömungen  des  öffentlichen  Lebens.  Ihre  im  Programme
niedergelegten  einheitlichen  Grundanschammgen  hat  sie  auf
immer  mannichfaltigere  Verhältnisse  anzuwenden,  ihre
Taktik  stetig  sich  ändernden  Umständen  von  Neuem  anzupassen. ­
  So  wird  eine  freie,  allseitige  Diskussion  für
unsere  Partei  immer  mehr  zu  einem  Lebenselement,  um  ihr
die  geistige  Beweglichkeit  zu  erhalten,  um  in  allen  neuauftauchenden ­
  Fragen  die  richtigen  Entscheidungen  vorzubereiten ­
  und  bis  zu  allgemeiner  Zustimmung  zu  verbreiten.
Wenn  wir  uns  vorzugsweise  dieser  Seite  des  publizistischen
Wirkens  zuzuwenden  gedenken,  so  ist  damit  zugleich  gesagt,
daß  mir  in  erster  Linie  ein  Organ  der  praktische«
Agitation  sein  wollen.  Was  unsere  Parteiorganisationen
und  Gewerkschaften,  unsere  Vertretungen  im  Reiche,  den
Einzelstaaten  und  Gemeinden  beschäftigt,  was  als  Waffe
zum  Angriff  und  zur  Abwehr  in  den  täglichen  politischen  und
wirthschaftlichen  Kämpfen  dienen  kann,  was  unsere  eigene
Sräxbr  u\vb  Schwäche  rmd  die  untere*  ©t^ner  ausmacht.
i  \wvCi  Yoc&  \x\A%x;  r ><?,*\.oAn\vc.  V>x\X\\\\\wt  —
das  soff  mS  vorzugsweise  beschäftigen.  Dazu  gehört,  daß
mir  den  Qnteiefscnfon  stiften  rnn  erhol  b  der  bürger.
lichcn  Kreise  —  der  Agrarbewegung,  dein  Anti
semitismtts,  der  .Handwerkeragitation  —  ein  besonderes ­
  Augenmerk  zu  widmen  haben.
Das  sonst  übliche  Feuilleton  novellistischer  Art  denken
wir  regelmäßig  zu  ersetzen  durch  Darstellungen  aus  der  Geschichte ­
  früherer  Emanzipationskäulpfe.  durch  biographische
Skizzen,  durch  Schilderungen  aus  dem  Arbeiterleben,  durch
eine  Geißelung  der  von  unseren  Gegnern  im  „geistigen  Kampfe
gegen  die  Sozialdemokratie"  verübten  Lächerlichkeiten.  Wir
hoffen,  daß  so  neben  dem  Verlangen  nach  Orientirung  und
'Aufklärung  auch  das  nach  Unterhaltung  seine  Befriedigung
finden  werde  —  besonders  auch  bei  den  weiblichen  Arbeitern, ­
  deren  Besreiungsslreben  wir  ebenfalls  nach  Möglichkeit ­
  zu  fördern  suchen  werden.
Wie  weit  eS  uns  gelingen  wird,  diese  Ziele  zu  erreichen, ­
  hängt  wesentlich  von  der  Unterstützung  unserer
Parteigenossen  im  Inland  und  Ausland  ab.  Ein
Blatt  wie  das  unsrige  beruht  in  seinem  Leben  und  Einfluß
ganz  und  gar  auf  der  regen  Verbindung  mit  den  Parteifreunden ­
  an  allen  Orten.  Wir  hegen  keinen  Zweifel,  daß
sie  alles  thun  werden,  was  in  ihren  Kräften  steht,  um  das
Blatt  zu  dem  zu  machen,  was  es  nach  den  Hoffnungen  des
Kölner  Kongresses  sein  sollte.
Wir  selber  versprechen,  all'  unser  Können  in  den  Dienst
der  Partei  zu  stellen.
Und  damit  Glück  auf!
Auf  eine  treue  Waffenbrüderschaft!
Es  lebe  die  Sozialdemokratie!
Redaktion  niiti  ßp&tfiöii  des  „SoMtinskrat".

Der  19.  Januar.
Ster  ist  wahrhaftig  Jemand.  der  Piügel
WtbUJit  har  .  .  .  man  weih  blos  nlchr.  wer.
Pickwick'-  Dtencr.
Der  18.  Januar  war  diesmal  ein  merkwürdiger  Tag.
Nicht,  weil  er  für  Herrscherhäuser  seine  besondere
dynastische  Bedeutung-  hat  —  obwohl  cs  unter  Umständen
auch  für  das  Volk  wichtig  werden  mag.  daß  „unliebsame
Zwischenfälle"  auf]  leicht  erregbare  Monarchen  sicherlich
einen  doppelt  tiefen  Eindruck  machen,  wenn  sic  gerade  ans
den  Tag  stolzester  Erinnerungen  fallen.
Auch  das  ist  am  Ende  nicht  weiter  bemcrkenswerth,
daß  just  um  diesen  Tag  herum  alle  ehemals  „reichstreuen"
Blätter  der  Provinz  ihre  Leser  mit  anarchistischen  Grnselnachrichten
  einseiften  —  sodaß  man  unwillkürlich  zu  der
Frage  gedrängt  wurde:  Sollten  hier  ct>va  die  armen  Angstphilister
  allerorts  nach  einem  gemeinsamen  Plane  über  den
Löffel  barbiert  werden?  Wozu  und  woher  dieses  eifrige
Zusammentragen  von  Zündstoff  zu  einem  großen  Scheiterhaufen ­
  der  Freiheit  der  Arbeiter?

Und  woher  daS  seltsame  Zusammentreffen,  daß  gerade
am  16.  Januar  in  dem  Kernlande  der  Sozialdemokratie  und
der  Sozialistenfurcht  die  Erste  Kammer  sich  mit  dem  berüchtigten ­
  „Nothruf"  der  sächsischen  Gemeindevorstände  gegen
die  Arbeiterpartei  beschäftigte?  Was  man  ein  paar  Jahre
lang  nur  im  Stillen  zu  wünschen  wagte,  das  rief  man
an  diesem  Tage  zum  ersten  Male  wieder  in  alle  Himmelsrichtungen ­
  hinaus:  Ausnahmegesetze  gegen  die  Sozialdemokratie! ­
  Ausnahmegesetze  durch  das  Reich!  Die  Kammerherren ­
  sind  dem  Bismarck'schen  Rathe  gefolgt:  Schreien  Sie!
Schreien  Sie!
Und  fast  wird  man  an  ein  anderes  Bismarck'sches  Stichwort ­
  erinnert,  wenn  man  die  Berliner  Vorgänge  vom  18.  d.M.
ins  Auge  saßt.  Richt  vom  Schreien  handelt  dieser  Rath,
sondern  vom  Aderlässen.  Man  rufe  einen  Aufruhr  hervor
und  werfe  dann  den  Pöbel  nieder  —  .nach  diesem  Rezept
sollte  JuleS  Favre  vor  zwanzig  Jahren  mit  dem  Pariser
Proletariat  fertig  werden.  .  .  .
Wiederholen  wir  kurz  die  Ereignisse!
Es  ist  eine  Thatsache,  daß  die  ArbeiMosenversammlüng
unter  hervorragender  Mitwirkung  eines  Polizeiagcnten  genau
auf  den  preußischen  Krönungstag  einberufen  wurde.
Es  ist  eine  Thatsache,  daß  außer  der  gesummten  Polizei
in  Berlin  auch  Militärs  davon  unterrichtet  waren,  daß  an
dem  Tage  „etwas  passiren"  würde.
Es  ist  eine  Thatsache,  daß  der  Einbcrnfer  wie  der  in
Aussicht  genommene  Redner  in  der  großen  Arbcitslosenvcrsammluug
  nicht  erschienen  (ein  in  Arbciterkreiscn  nie  dagewesener ­
  Fall!);  fraglich  ist  nur,  ob  beide  direkt  oder  indirekt, ­
  durch  einfache  Zurückweisung  an  der  Thür  oder  durch
drohende  Verhaftung,  seitens  der  Polizei  daran  verhindert
‘„vooxbew
1  Es  ist  weitn  von  keiner  Seite  bestritten,  daß  die  Versammlung, ­
  auch  nachdem  sie  in  so  unerhörter  Weise  „nach
Hause  geschickt"  worden  war,  eine  musterhafte  Ruhe  bewahrte.
Es  ist  endlich  unumstößlich  bewiesen,  daß  an  diesem
Tage  in  den  Säbeln  und  den  Gummischläuchcn  der  UuU
sormirten  und  Geheimen  ein  unheimliches  Leben  erwachte  —
obwohl  thatsächlich  von  der  Polizei  bisher  auch  noch  nicht
ein  Fall  bekannt  gegeben  werden  konnte,  wo  irgend  ein
Arbeiter  durch  seinen  Widerstand  einen  Angriff  herausgefordert ­
  hätte.  Die  Behörden  „nntcrsnchen"  noch,  aber  sie
werden  nichts  finden.
Und  wenn  wir  endlich  dem  Metalldreher  Brandt  glauben
dürfen,  so  warnte  der  Polizcikommissar  Römer  schon  lange
vor  der  Versammlung:  „Brandt!  Brandt!  Gehen  Sie  nicht
in  die  Versammlung!  Es  giebt  Leichen!  ..."
Am  Krönungstage  die  Straßenschlacht!  In  der  Stunde,
wo  die  Kassandrarufe  aus  der  sächsischen  Ständekammer  das
Ohr  des  Spießbürgers  erreichten,  auch  die  prompte  Bestätigung
der  prophetischen  Worte  durch  den  Berliner  Draht,  an  dem
Herr  Neuß  sitzt,  der  gewöhnt  ist,  andere  an  das  Messer  zu
liefern,  und  der  dafür  in  Kissingen  dem  Grafen  Herbert
Bismarck  die  Ehre  seiner  Nachbarschaft  erweisen  durfte  .  .  .
Wahrlich,  entweder  hat  der  Zufall  an  diesem  Tage  in  seltsam
ingrimmiger  Laune  mit  dem  Leben  und  Glücke  von  Tausenden ­
  und  Millionen  gespielt  —  oder  das  Spiel  war  folgerichtig ­
  angelegt.  Und  wenn  es  nicht  so,  wie  cs  berechnet
war,  zu  Ende  ging,  dann  scheiterte  es  nwf  an  dem  für  alle
Gescllschaftsrettcr  unzugänglichen  und  darum  unberechenbaren
Faktor:  an  der  organisirten  Arbeiterschaft  Berlins.
Man  mag  sie  mit  Spitzeln  durchsetzen,  so  viel  man
will  —  die  Masse  ist  an  diesen  Drähten  doch  nicht  mehr
zu  bewegen.  Massenaktionen  entwachsen,  bei  freier  Diskussion ­
  in  Presse  und  Versammlungen  und  bei  freier  politischer ­
  Bewegung  überhaupt,  dieser  Beeinflussung  von  außen
ganz  von  selbst.  Nur  die  Klubs  und  Konventikel  werden
diesem  Einfluß  immer  und  immer  wieder  verfallen.
So  herrscht  denn  nicht  blos  Rathlosigkeit,  sondern
Heulen  und  Zähneklappern  in  den  Kreisen  derer,  die  nach
ihrer  Meinung  über  „die  besseren  Revolver"  verfügen.  Daß
nach  der  Annäherung  des  Fürsten  Bisnmrck  an  den  Kaiser,
die  zufällig  gerade  um  diese  Zeit  von  Friedrichsruhe  aus
erfolgt  sein  muß.  ein  Adjutant  und  eine  Flasche  alten
Meines  mit  einer  Bcsuchseinladung  nach  dem  Sachsenwälde
gingen  .  .  .  wir  glauben,  man  hatte  eine  andere  Mission
für  den  Vater  des  Sozialistengesetzes  in  Aussicht  --  in
Sachsen  sowohl,  wo  die  Bismarckschwärmerci  wie  die  Sozialdemokratie ­
  zu  Hanse  ist.  wie  auch  in  Berlin,  wo  die  vcr-'stimmten
  Anhänger  des  allen  Kurses  geradezu  auf  eine  Desorganisation ­
  in  der  Regierung  hinarbeiten.  Es  sind  wahrhaftig ­
  nicht  blos  die  Landräthe  in  den  Provinzen,  die
frondircn.
Ob  die  Berliner  Polizei  allen  fremden  Einflüssen  unzugänglich ­
  ist?  Sie  untersucht  im  Augenblicke  noch:  sie
weiß  nicht,  wie  c8  kam;  sic  weiß  nur,  daß  sie  noch  nie  in
eine  so  peinliche  Lage  gegenüber  der  gesammten  Bürger-18.

  Titelseite  der  ersten  Nummer  des  Berliner  „Sozialdemokrat"
            
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