Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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fln  die  arbeitende  Bevölkerung
Berlins  und  der  Vororte!
Der.Zwrck  dieser  ArdeitSkoseuzöhIung  ist.  eine  mox
lichst  gcliauc  Fcststcllunq  der  Zahl  der  Arbeitslosen  herbe  -
zuführen,  und  zu  beweisen,  in  welchem  Mähe  die  Erwerbs
tätigkcit  zurückgegangen  ist.  Daß  ein.Notstand  besteh:
wird  van  keinem  einsichtsvollen  Menschen  bestritten  Werder
können,  jedoch  sind  nach  den  Meinungen  der  stödtisehen
und  örtlichen  Verwaltungen  nicht  genügend  Beweise  für
einen  größeren  Umfang  der  Arbeitslosigkeit  erbracht
worden.  Es  ist  notwendig,  daß  alle  vom  Arbeitsmangel
Betroffenen  wal>rl)eitsgetreue  Angaben  über  ihre  ArbcitS-'
losigkcit  oder  Erwerbsbeschränkung  machen,  um  gegebenen-'alle
  bei  dein  Staat  oder  den  Gemeinden  begründen  zu
können,  daß  Notstandsarbeiten  in  Angriff  genommen
werben  müssen,  und  daß  eine  Beschleunigung  der  prosek.
tierten  und  notwendigen  Arbeiten  erfolgt.  Durch  die  Arbeitslosenzählung ­
  nn  November  vor,gen  Jahres  ist  dir
Zahl  der  Arbeitslosen  auch  nicht  annähernd  festgestellt.
Das  lag  an  dem  verkehrten  System,  Das  einzig  richtige
System  der  Zählung,  nämlich  jeden  Einwohner  persönlich
zu  befragen,  lehnen  die  Behörden  auS  nichtigen  Gründen
ab.  Deshalb  hat  e8  die  organisierte  Arbeiterschaft  selbst
übernommen.  die  Arbeit  zu  verrichten.,  um  die  arbeitende
Bevölkerung  zu  ihrem  Recht  zu  verhelfen.
Wir  wenden  unL  sinn  an  alle  Volksschichte'.
Berlins  und  der  Vororte  mit  der  Bitte,  uns  bei  dieser  Arbeit, ­
  welche  keinem  zum  Schaden  ist.  zu  helfen,  damit,  gestützt ­
  auf  das  eingegangene  Material,  an  geeigneter  Stelle
darauf  hingewirkt  wird,  den  Notstand  zu  mildern.
Die  beste  Unterstützung  besteht  darin,  daß,  jeder  In-:
Haber  girier  Karte,  gleichviel,  ob  er  arbeitslos  ist  oder
nicht,  dieselbe  für  sich,  und  lvcnn  inchrere  erwerbsfähige
Personen,  in  seinem  Haushalt  sind,  für  diese  die  Zähl»
karten  gewissenhaft  ausfüllt,  und  seine  Nachbarn  veranlaßt. ­
  dasselbe  zu  tun.
Wir  machen  besonder»  darauf  aufmerksam,  daß  die
-Kamen  und  Wohnungen  der  Gezählte»  zu  keinerlei  öffentliche» ­
  Zwecken  oder  zu  sonstigen  Unlauteren  Mitteln  verwendet ­
  werden;  diese  sind  nnr  ans  den  Karten,  um  zu  verhindern, ­
  daß  mehrere  Zählkarten  auf  ein  und  dieselbe
Person  ausgefüllt  werden  kann.
Es  wird  deshalb  höflichst  gebeten,  diese  Zählkarte
auszufüllen.  Auck  bitten  wir.  dafür  zu  sorgen,  önß  ary
<10  Februar  Jemand  zu  Hause  ist,  der  dem  Zählenden
Auskunft  geben  kann  resp.  die  Karte  zurückgibt.
Wenn  ln  einem  Haushalt  mehrere  erwerbsfähige
Personen  wohnen,  so  ist'für  -jede  weitere  Person  -eine
-folgende  Rubrik  auszufüllen,  reichen  die-  Rubriken  nicht
aus.  so  wird  gebeten.  «>„.00  Februar  vom  Zähler  eine
zweite  Zählkarte  zu  fördern.
Unter  erwerbsjähign.Pcrionen  sind  alle  .in,  Haus-(}sllt
  Wohnende  zu  verstehen,  welche  für  Geld  arbeiten
gleichviel  ob  sie  zur.  Fymilie  gehören  oder  nicht.
Unfall-  und  Jnvalidenrentncr.  welche  noch  arbeitsfähig
  sind,  haben  sich,  wenn  sie  arbeitslos  sind  oder  verkürzt ­
  arbeiten,  ebenfalls  einzuzeichnen.
Arbeiter,  welche  durch  die  Naturverhältuissc  zurzeit
arbeitslos  siud.  als  wie  Bauarbeiter.  Schisser,  Hafen-  und
PollwerkSarb^itcr  usw.,  haben  ebenfalls  ihre  Arbeitslosigkeit' ­
  anzugeben.
Die  Zähler  .  sind  angewiesen,  alle  zur  Aufklärung
»dienende  Fragen  zu  beantworten,  auch-wird  während  der
Zeit  voii,  Februar'in  uusercmTBurcau.
von  nwrgcnS  9—  1  und  nachmittags  von  6—8  Uhr.  jeb*
webe  Auskunft  gegeben.
Die  Alliier  CrrotrMfljnffsbfrwiatsfam
Engel-Ufer  15.

128  und  129.  Anweisung  zur  Ausfüllung
  einer  Zählkarte

nicht  gemacht  werden,  da  einige  Listen
nicht  rechtzeitig  eingingen,  ihre  Zahl  belief ­
  sich  auf  zusammen  zwischen  3500
bis  4000  Personen.
Das  Zählungswerk  selbst,  das
mehrere  hundert  Personen  beschäftigte
und  bei  dem  durchwiederholteKontrolle
die  größte  Zuverlässigkeit  zu  erzielen  gesucht ­
  wurde,  ergab  für  Berlin  und  die
Vororte  nicht  weniger  als  77051  Arbeitslose, ­
  wovon  4256  am  Zählungstage ­
  in  Asylen  und  verbergen  Untcrkunst
  hatten.  Außerdem  ward  festgestellt,
daß  53098  Personen  nur  zu  verkürzter ­
  Arbeitszeit  gegen  entsprechend
geringere  Bezahlung  Arbeit  hatten.
Der  ihnen  dadurch  erwachsene  Ausfall ­
  berechnete  sich  auf  zusammen
694  576  Arbeitsstunden  pro  Woche,
während  für  72795  gänzlich  Arbeitslose ­
  ein  Ausfall  an  Beschäftigung  von
789  019  Wochen  festgestellt  wurde.
8603  Personen  waren  im  vierten,  3763
im  fünften,  2360  im  sechsten  Monat
und  2416  Personen  zwischen  sechs
bis  neun  Monate  beschäftigungslos.
Von  den  57222  männlichen  Arbeitern,
die  in  Berlin  und,  mit  Ausnahme
Charlottenburgs,  dessen  Aufstellung
hierüber  keine  Summierung  gibt,  in
den  Vororten  gezählt  wurden,  waren
8032,  das  heißt  noch  nicht  der  siebente
Teil  unter  2l  Jahren,  während  diese
Altersgruppen  in  der  Industrie  den
vierten  Teil  der  Arbeiterschaft  ausmachen. ­
  Noch  geringer  war  ihr  Anteil
an  der  Zahl  der  auf  verkürzte  Arbeitszeit ­
  Gesetzten,  nämlich  2613  von
42245  oder  gerade  ein  Sechzehntel.
Dagegen  hatten  mehr  als  die  Lälftc
der  Arbeitslosen  das  31.  Lebensjahr
überschritten  und  34458  von  ihnen
waren  Laushaltungsvorstände  mit  zusammen ­
  über  44000  Kindern.  Es  sind
also  gerade  die  vorgerückteren  Altersklassen, ­
  die  im  Verhältnis  am  stärksten
von  der  Krise  erfaßt  werden.  Ein
Llmstand,  dessen  schwerwiegende  Bedeutung ­
  ohne  weiteres  in  die  Augen
            
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