Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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ihren  Höhepunkt  schon  überschritten,  war  aber  doch  noch  nicht  überwunden.
And  so  verband  die  Gewerkschaftskommission  mit  anderen  Erhebungen,  die
sie  damals  veranstaltete,  eine  solche  über  den  für  gewöhnlich  im  Jahres--verlauf
  sich  vollziehenden  Wechsel  von  Arbeitsgelegenheit  und  Arbeitsmangel ­
  und  das  Iahresmaximum  von  Beschäftigungslosigkeit  in  den  einzelnen ­
  Gewerben.  Mit  geringen  Mitteln  unternommen  und  angesichts  der
damaligen  verhältnismäßig  bescheidenen  Mitgliederzahl  der  Gewerkschaften
nur  auf  eine  Minderheit  der  Arbeiter  beschränkt,  konnte  die  Statistik  in
letzterer  Hinsicht  nur  erst  zu  Annäherungswerten  gelangen.  Indes  war  den
Schriftführern  der  Gewerkschaften  ans  Herz  gelegt  worden,  sich  bei  Beantwortung ­
  der  von  der  Kommission  aufgesetzten  Fragebogen  in  ihren  Abschätzungen ­
  der  größten  Gewissenhaftigkeit  zu  befleißigen,  und  hinsichtlich
des  ersten  Punktes  waren  die  Gewerkschaften  sicher  die  sachverständigste
Auskunstsstelle.  So  haben  denn  die  auf  Seite  30  bis  37  des  Berichts
für  das  zweite  Halbjahr  1894  abgedruckten  Tabellen  in  ihrer  Eigenart
immerhin  einen  Vergleichswert.  Die  Prozentzahlen  für  die  Monate  der
stärksten  Arbeitslosigkeit  des  Jahres  steigen  nach  ihnen  von  ganz  niedrigen
Sätzen  bei  den  Angehörigen  der  graphischen  Berufe  und  einiger  Verkehrsgewerbe, ­
  für  die  sich  die  Arbeitsgelegenheit  das  ganze  Jahr  über  ziemlich
gleichmäßig  verteilt,  auf  Sätze  bis  über  40  Prozent  in  der  Bekleidungsindustrie
(wobei  von  der  Schneiderei  wegen  der  unkontrollierbaren  Hausindustrie  keine
Zahl  angegeben  wurde)  und  bis  zu  90  und  100  Prozent  im  Baugewerbe.
Auch  im  Jahre  1895  wurde  —  neben  andern  sehr  interessanten  statistischen
Erhebungen,  von  denen  insbesondere  eine  Statistik  über  Löhnungsart,  Lohnhöhe ­
  und  Arbeitszeit  betont  zu  werden  verdient,  die  im  Bericht  für  die
zweite  Hälfte  jenes  Jahres  auf  Seite  53  bis  65  abgedruckt  ist  —  der  Grad
der  Arbeitslosigkeit  festzustellen  gesucht.  Anter  Mitheranziehung  der  Berichte ­
  der  Krankenkassen  wurde  ermittelt,  daß  in  den  Gewerben,  die  sich  an
der  Erhebung  beteiligten  —  acht  hatten  die  Feststellung  ihrer  Arbeitslosen
für  unmöglich  erklärt  —  im  Sommer  18  175  und  im  Winter  27  533  Arbeitslose ­
  waren,  was  einen  Durchschnitt  von  19  Prozent  der  Beschäftigten  ergab.
Zu  einem  ähnlichen  Ergebnis  kam  die  Erhebung  des  Jahres  1897,  die  deshalb ­
  erwähnenswert  ist,  weil  sie  in  Ausführlichkeit  und  Methodik  einen
bemerkenswerten  Fortschritt  zu  erkennen  gibt.  Schon  der  erste  Blick  auf
das  Kapitel  „Statistik"  im  Jahresbericht  1897  zeigt,  daß  nun  mit  ganz
anderer  Erfahrung,  mit  ganz  andern  Informationsquellen  und  auch  mit
ganz  andern  finanziellen  Mitteln  gearbeitet  wird,  als  in  den  früheren  Jahren.
Der  zusammenfassende  Abschnitt  des  Kapitels  gibt  kein  bestimmtes  Zahlenverhältnis ­
  der  Arbeitslosen  zu  den  Arbeitsfähigen  an.  Er  rechnet  nur  aus,
daß,  obwohl  man  sich  unzweifelhaft  in  einer  aufsteigenden  Konjunktur
befinde,  die  Zahl  der  Arbeitslosen  doch  nicht  erheblich  geringer  sein  könne
als  1895,  wobei  er  allerdings  auch  den  Zuzug  von  außerhalb  mit  in
Rechnung  stellt.  Im  nächstfolgenden  Jahr  1898,  das  eine  weitere  Hebung
des  Geschäftsganges  brachte,  verlor  sich  das  Interesse  an  dieser  Frage.
Für  1898,  1899,  1900,  die  Jahre  großer  Geschäftstätigkeit  waren,  fehlt  in
den  Berichten  jede  Bezugnahme  auf  die  Arbeitslosenfrage.
Daftir  wurde  sie  im  Jahre  1901  von  neuem  brennend.  Mit  großer
Heftigkeit  stellte  sich  erst  eine  Geldkrise  und  im  Anschluß  an  sie  alsdann
auch  starker  Geschäftsdruck  mit  Arbeitcrentlassungen  ein.  Er  traf  die
            
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