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sammlungen ein Teil der
anwesenden Frauen in heftiges
Schluchzen aus. Nach
den Referaten fand überall
Debatte statt, an der sich
anwesendeMeister beteiligten.
Die meisten davon
suchten die Berechtigung
und Zweckmäßigkeit der gestellten
Forderungen zu bestreiten,
worauf ihnen meist
schon in Zwischenrufen aller
Art geantwortet wurde;
indes ließen es die Referenten
und sonstige sachkundige
Vertreter der Arbeiterschaft
an eingehender
sachlicher Widerlegung
nicht fehlen. Die allen
Versammlungen gleichmäßig
vorgelegte Resolution
ward, bei Enthaltung
der Meister, durchgängig
mit großer Begeisterung
einstimmig angenommen.
Gemäß ihrer verpflichteten
sich die Versammelten, an
den in Erfurt und den
Berliner Versammlungen
aufgestellten Forderungen
festzuhalten und mit allen
zu Gebote stehenden zulässigen
Mitteln für ihre
Verwirklichung einzutreten,
die Agitationskommission zu beauftragen, den Llnternehmern, Ländlern und
Meistern jene Forderungen zu unterbreiten, und deren Entscheidung bis
zum 1. Februar entgegenzunehmen.
Schon tags darauf, den 21. Januar, ward dem Beschluß der Versammlungen
gemäß die Resolution und der Wortlaut der Forderungen,
samt dem ausgearbeiteten Tarif den Llnternehmcrn, Meistern und Ländlern,
zusammen 3000 Personen, mit dem Ersuchen um Antwort innerhalb der
angegebenen Zeit zugestellt. Angesichts der starken Sympathie, welche die
Presse der Bewegung der Arbeiter gegenüber an den Tag legte, ging es
nicht an, die Zuschriften, wie ein Teil Meister und Fabrikanten einige
Monate vorher es mit dem Begleitschreiben zu Timms Broschüre über
die Schwitzarbeit getan hatten, glattweg unter den Tisch zu werfen.
Mindestens der Form nach war ein Verhandeln mit den Arbeitern nicht
zu umgehen. Am 27. Januar fand im Saal der Berliner Ressource eine
Versammlung statt, zu der die Unternehmer und Meister direkt eingeladen
Stenographischer Bericht.
38. Lihuirg am Mittwoch, den 12. Februar 1696.
Präsident: Die Sitzung ist eröffnet. Wir' treten in Sic Tagesordnung
ein. Den ersten Gegenstand derselben bildet die
Interpellation der Abgeordneten Freiherr Hehl zu Herrnsheim,
Prinz zuSchönaich-lLarolath. Bassermann, Dr. Hasse, Dr. Osann,
Graf von Orioln, betreffend die Verhältnisse der Arbeiterinnen
der Wäschefabrikat ioir und der ZtvnfektionSbrnnchc.
Die Interpellation lautet:
Im Verfolg des Beschlusse? drZ Reichstags vom II. Mai 1883 sind
dem Reichstag am LS. April 1887 die Ergebnisse der von den Bundes,
rcgieriingen angcstelllrn Ermittelungen über die Lohnverhältnisse der
Arbeiterinnen der MÜschesadrikalion und der KonseklionSbranche. sowie
über den Verkauf oder die Lieferung von Arbeltsmaterial (Nähfaden
,c.) seitens der Arbeitgeber an die Arbeiterinnen und über die
Höhe der dabei berechneten Preise zugegangen.
Nachdem sich die Lage dieser Arbeiterinnen seit jener Zeit noch
ungünstiger gestaltet hat, richten die Unterzeichneten die Anfrage an
die verbündeten Negierungen:
welche gesetzgeberischen Maßnahmen dieselben zum Schuh für
Gesundbeil und Sittlichkeit und gegen Ausbeulung dieser Arbeiterinnen
durch da? Trucksystem zu ergreifen beabsichtigen?
Ich habe zunächst an den Herrn Vertreter der verbündeten Regierungen
die Frage zu richten, ob und wann diese Interpellation beantwortet werden soll.
Bevollmächtigter zum Vundesrath. Staatssekretär dcS Innern, Staatsminister
und Vizepräsident des Königlich preußischen Slaatsministcriums
vo» Kortticher: Ich bin bereit, die Interpellation sogleich zu beantworten.
Priisidrnl: Nachdem der Herr Staatsminister sich zur sofortigen Beantwortung
bereit crtlürt hat, ertheile ich das Wort zur Begründung der
Interpellation namens der Herren Interpellanten dem Herrn Abgeordneten
Freiherrn Heyl zu Herrnsheim.
Interpellant Abgeordneter Freiherr Acht tn fieimoljrim: Meine verehrten
Herren, wenn meine politischen Freunde, die Interpellanten und ich Ihre
Aufmerksamkeit auf'die Verhältnisse einer besonderen Kategorie von hnusindustriellen
Arbeilern hinlenken, so sind wir uns wohl bewußt, daß das ganzhohe
Hans in allen seinen Parteien zu verschiedene» Malen und noch vor ganz
kurzer Zelt, und zwar einstimmig beschlossen hat. daß bic Arbeilerschutzgesetzr
In einem gewissen Maße weuigslens auch auf die Hausindustrie ausgedehnt
werden sollen. Wen» wir uns gestatten, heute auf den wundesten Punkt in
der hauSindustriellen Arbeit hinzuweisen. ' ''eebsichligen wir damit nicht, eine
Einschränkung in der Fürsorge für die Fabrikarbeiter, insofern eine solche
noch nöthig werden kann, dadurch in irgend einem Maße herbeizuführen. Wir
haben vielmehr bei verschiedenen Anlässen erklärt, daß wir bereit sind, nicht
nur die Vereinfachungen, die Verbesserungen der bestehenden Versicherungsgcsch«
zu unterstützen, sondern daß wir auch bereit sind, die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit
in absehbarer Zeit in Aussicht zu nehmen. Wir haben ferner beton»,
daß, nachdem die 5rnappschaflsverbände der Ausgangspunkt geworden sind für
die Organisationen der großen Versicherungsgesehe. auf welche wir mit Rech:
stolz zu sein alle Ursache haben, wir auch veranlaßt werden müssen, aus diesen
140. Erste Seite des stenographischen Reichstagsbericht
über die von den Nationalliberalen
eingebrachte Interpellation zum Konfektionsarbeiterstreik