Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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sammlungen  ein  Teil  der
anwesenden  Frauen  in  heftiges ­
  Schluchzen  aus.  Nach
den  Referaten  fand  überall
Debatte  statt,  an  der  sich
anwesendeMeister  beteiligten. ­
  Die  meisten  davon
suchten  die  Berechtigung
und  Zweckmäßigkeit  der  gestellten ­
  Forderungen  zu  bestreiten, ­
  worauf  ihnen  meist
schon  in  Zwischenrufen  aller
Art  geantwortet  wurde;
indes  ließen  es  die  Referenten ­
  und  sonstige  sachkundige ­
  Vertreter  der  Arbeiterschaft ­
  an  eingehender ­
  sachlicher  Widerlegung
nicht  fehlen.  Die  allen
Versammlungen  gleichmäßig ­
  vorgelegte  Resolution ­
  ward,  bei  Enthaltung
der  Meister,  durchgängig
mit  großer  Begeisterung
einstimmig  angenommen.
Gemäß  ihrer  verpflichteten
sich  die  Versammelten,  an
den  in  Erfurt  und  den
Berliner  Versammlungen
aufgestellten  Forderungen
festzuhalten  und  mit  allen
zu  Gebote  stehenden  zulässigen ­
  Mitteln  für  ihre
Verwirklichung  einzutreten,
die  Agitationskommission  zu  beauftragen,  den  Llnternehmern,  Ländlern  und
Meistern  jene  Forderungen  zu  unterbreiten,  und  deren  Entscheidung  bis
zum  1.  Februar  entgegenzunehmen.
Schon  tags  darauf,  den  21.  Januar,  ward  dem  Beschluß  der  Versammlungen ­
  gemäß  die  Resolution  und  der  Wortlaut  der  Forderungen,
samt  dem  ausgearbeiteten  Tarif  den  Llnternehmcrn,  Meistern  und  Ländlern,
zusammen  3000  Personen,  mit  dem  Ersuchen  um  Antwort  innerhalb  der
angegebenen  Zeit  zugestellt.  Angesichts  der  starken  Sympathie,  welche  die
Presse  der  Bewegung  der  Arbeiter  gegenüber  an  den  Tag  legte,  ging  es
nicht  an,  die  Zuschriften,  wie  ein  Teil  Meister  und  Fabrikanten  einige
Monate  vorher  es  mit  dem  Begleitschreiben  zu  Timms  Broschüre  über
die  Schwitzarbeit  getan  hatten,  glattweg  unter  den  Tisch  zu  werfen.
Mindestens  der  Form  nach  war  ein  Verhandeln  mit  den  Arbeitern  nicht
zu  umgehen.  Am  27.  Januar  fand  im  Saal  der  Berliner  Ressource  eine
Versammlung  statt,  zu  der  die  Unternehmer  und  Meister  direkt  eingeladen

Stenographischer  Bericht.
38.  Lihuirg  am  Mittwoch,  den  12.  Februar  1696.
Präsident:  Die  Sitzung  ist  eröffnet.  Wir'  treten  in  Sic  Tagesordnung
ein.  Den  ersten  Gegenstand  derselben  bildet  die
Interpellation  der  Abgeordneten  Freiherr  Hehl  zu  Herrnsheim,
Prinz  zuSchönaich-lLarolath.  Bassermann,  Dr.  Hasse,  Dr.  Osann,
Graf  von  Orioln,  betreffend  die  Verhältnisse  der  Arbeiterinnen
der  Wäschefabrikat  ioir  und  der  ZtvnfektionSbrnnchc.
Die  Interpellation  lautet:
Im  Verfolg  des  Beschlusse?  drZ  Reichstags  vom  II.  Mai  1883  sind
dem  Reichstag  am  LS.  April  1887  die  Ergebnisse  der  von  den  Bundes,
rcgieriingen  angcstelllrn  Ermittelungen  über  die  Lohnverhältnisse  der
Arbeiterinnen  der  MÜschesadrikalion  und  der  KonseklionSbranche.  sowie
über  den  Verkauf  oder  die  Lieferung  von  Arbeltsmaterial  (Nähfaden
  ,c.)  seitens  der  Arbeitgeber  an  die  Arbeiterinnen  und  über  die
Höhe  der  dabei  berechneten  Preise  zugegangen.
Nachdem  sich  die  Lage  dieser  Arbeiterinnen  seit  jener  Zeit  noch
ungünstiger  gestaltet  hat,  richten  die  Unterzeichneten  die  Anfrage  an
die  verbündeten  Negierungen:
welche  gesetzgeberischen  Maßnahmen  dieselben  zum  Schuh  für
Gesundbeil  und  Sittlichkeit  und  gegen  Ausbeulung  dieser  Arbeiterinnen ­
  durch  da?  Trucksystem  zu  ergreifen  beabsichtigen?
Ich  habe  zunächst  an  den  Herrn  Vertreter  der  verbündeten  Regierungen
die  Frage  zu  richten,  ob  und  wann  diese  Interpellation  beantwortet  werden  soll.
Bevollmächtigter  zum  Vundesrath.  Staatssekretär  dcS  Innern,  Staatsminister
  und  Vizepräsident  des  Königlich  preußischen  Slaatsministcriums
vo»  Kortticher:  Ich  bin  bereit,  die  Interpellation  sogleich  zu  beantworten.
Priisidrnl:  Nachdem  der  Herr  Staatsminister  sich  zur  sofortigen  Beantwortung ­
  bereit  crtlürt  hat,  ertheile  ich  das  Wort  zur  Begründung  der
Interpellation  namens  der  Herren  Interpellanten  dem  Herrn  Abgeordneten
Freiherrn  Heyl  zu  Herrnsheim.
Interpellant  Abgeordneter  Freiherr  Acht  tn  fieimoljrim:  Meine  verehrten ­
  Herren,  wenn  meine  politischen  Freunde,  die  Interpellanten  und  ich  Ihre
Aufmerksamkeit  auf'die  Verhältnisse  einer  besonderen  Kategorie  von  hnusindustriellen
  Arbeilern  hinlenken,  so  sind  wir  uns  wohl  bewußt,  daß  das  ganzhohe ­
  Hans  in  allen  seinen  Parteien  zu  verschiedene»  Malen  und  noch  vor  ganz
kurzer  Zelt,  und  zwar  einstimmig  beschlossen  hat.  daß  bic  Arbeilerschutzgesetzr
In  einem  gewissen  Maße  weuigslens  auch  auf  die  Hausindustrie  ausgedehnt
werden  sollen.  Wen»  wir  uns  gestatten,  heute  auf  den  wundesten  Punkt  in
der  hauSindustriellen  Arbeit  hinzuweisen.  '  ''eebsichligen  wir  damit  nicht,  eine
Einschränkung  in  der  Fürsorge  für  die  Fabrikarbeiter,  insofern  eine  solche
noch  nöthig  werden  kann,  dadurch  in  irgend  einem  Maße  herbeizuführen.  Wir
haben  vielmehr  bei  verschiedenen  Anlässen  erklärt,  daß  wir  bereit  sind,  nicht
nur  die  Vereinfachungen,  die  Verbesserungen  der  bestehenden  Versicherungsgcsch«
zu  unterstützen,  sondern  daß  wir  auch  bereit  sind,  die  Versicherung  gegen  Arbeitslosigkeit ­
  in  absehbarer  Zeit  in  Aussicht  zu  nehmen.  Wir  haben  ferner  beton»,
daß,  nachdem  die  5rnappschaflsverbände  der  Ausgangspunkt  geworden  sind  für
die  Organisationen  der  großen  Versicherungsgesehe.  auf  welche  wir  mit  Rech:
stolz  zu  sein  alle  Ursache  haben,  wir  auch  veranlaßt  werden  müssen,  aus  diesen

140.  Erste  Seite  des  stenographischen  Reichstagsbericht ­
  über  die  von  den  Nationalliberalen
eingebrachte  Interpellation  zum  Konfektionsarbeiterstreik ­

            
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