Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

315

Es  gibt  unzweifelhaft ­
  Fälle,  wo  Nachgiebigkeit ­
  unangebracht
oder  erst  beim  Abschluß
des  Kampfes  am  Platze
ist.  Pier  lagen  aber
die  Dinge  so,  daß
die  Fünferkommission
durch  kluge  Nachgiebigkeit ­
  die  Fabrikantenmehrheit ­
  so  lange
amFebruarvertrag  festgehalten ­
  hatte,  als  dies
überhaupt  nur  möglich
gewesen  war.  Die  Arbeiter ­
  hatten  für  ihren
Kampf  die  öffentliche
Meinung  auf  ihre  Seite
zu  bringen  gewußt.  Es
hatte  sich  aber  sehr
bald  gezeigt,  daß  diese
öffentliche  Meinung
als  Stütze  im  Kampfe
zwar  nicht  absolut  ohne
jeden  Wert  war,  aber
doch  nur  eine  eng  begrenzte ­
  praktische  Bedeutung ­
  hatte.  Die
von  der  Gewerkschaftskommission ­
  im  August
1896  veröffentlichte  Abrechnung ­
  über  den
Streik  verzeichnet  im
ganzen  folgende  drei
Verschiedene
Durch

Antrag
auf  Zustimmung  der  Lerwalkung  -ur  ArSeiksmedrrltgung

m  der  Werkstatt..

Strafe  Nr.

Branche.

Branche
DI,  vranchni  sind  «In),!»
onjolahrm,.

Sagt  Oer
0fsöjüstlglcn


Davon
öeröanbe

£3

banbsi

Mister
lieb

f  E

;f

f!
1*

Nerbüodr

Insgesamt:

Wie  Kock  war  der  bisherige
Wochenverdienst

xurchschniNuv-rdirn»

UluIikstuerdieaK

LSchfto-rdtriill

Pf.

m  -...Pf.  m.-Oie
  bisherige  Arbeitszeit  beträgt  Stunden  pro  Woche.
Ire  Kollegen  stelle»  folgende  Fordernngen:
Verkürzung  der  Arbeitszeit  um  Stunden  pro  Woche.
Einen  Aufschlag  auf  den  Carif  in  der  Röhe  von  "/»
einen  Lohnaufschlag  von  °/o-  Ferner  wird  gefordert:

Keim  AdweHrstreik  soll  rnrückgewkesen  werde«:
ein  Abzug  von  -  "/<».  Verlängerung  der  Arbeitszeit  um  _.  Stunden  pro  Woche

Berlin,  den..—  190...

Unterschritt:

«trftr  Ho  Ulli  (oll  (ui  Mribnt

148.  Antragsformular  auf  Zustimmung  zum  Streik
in  einer  bestimmten  Werkstatt

Posten  als  Eingänge  „aus  bürgerlichen  Kreisen":
Sammlungen  Mk.  12  022,25
die  bürgerliche  Presse  „  1211,10
Von  der  evangelisch-sozialen  Frauengruppe  .  .  .  5  480,—

Zusammen  Mk.  18  713,35
Somit  reichte,  da  für  18  405  Personen  Streikkarten  ausgestellt  wurden,
die  aus  bürgerlichen  Kreisen  gefloffene  finanzielle  Unterstützung  nur  gerade
aus,  jedem  Streikenden  eine  Mark  zukommen  zu  lassen.  And  das,  wo  die
Presse  fast  einstimmig  sich  auf  die  Seite  der  Arbeiter  gestellt  und  das  Mitgefühl ­
  für  sie  wachgerufen  hatte.  Für  den  reinen  Gewerkschaftskampf  war
die  bürgerliche  Pilfe  —  wie  anerkennenswertes  auch  einzelne,  darunter  namentlich ­
  die  von  Elisabeth  Gnauck-Kühne  geleiteten  evangelisch-sozialen  Frauen
geleistet  hatten,  von  deren  Beiträgen  ein  Teil  unter  dem  ersten  Posten
„Verschiedene  Sammlungen"  gebucht  war  —  ein  Tropfen  auf  einen  heißen
Stein  gewesen.  Auch  war  die  Sympathie  der  bürgerlichen  Presse  dadurch  von
zweifelhaftem  Nutzen,  daß  sie  übertriebene  Hoffnungen  wachrief,  die  nachher
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.