Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Schlielunngskommission  der  Berliner  Holzindustrie.

Die  Arbeiter  der  Werkstatt

melden  hiermit,  dass  Lohn'slreiligkeitcn  ausgebrochen  sind:  Da
die  in  Frage  kommenden  ^Arbeiter  mit  dem  Meister  nickt  einig
werden  konnten,  fand  am  —  Es
Verhandlung  zwischen  dem m  Meister  und  dem  Werkstallausschuss
statt,  die  'aber  restdlallos  verlief.
Wir  haben  daraufhin  dem  Meister  ■erklärt,  dass  wir  nun
die  Sache  der  Schlichtungskommission  übergeben  werden.  Wir
beantragen  deshalb,  dass  die  Schlichlungskommission  unsere
Angelegenheit  untersucht  und  entscheidet.
Die  Ursachen  unserer  Differenzen  sind:

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UM  so  größerer  Enttäuschung
Platz  machten.  And  da
die  aus  der  Arbeiterschaft
einlaufenden  Anterstützungen
ebenfalls  gegenüber  der  Zahl
der  zu  Anterstützenden  nicht
weit  reichten  —  einschließlich
eines  aufgenommenen  Darlehns
  von  15000  Mark  und
jenen  18000  Mark  aus  bürgerlichen ­
  Kreisen  belief  sich
die  Gesamteinnahme  der  Gewerkschastskommission
  für  die
streikenden  Konfektionsschneider ­
  auf  rund  73000  Mark  —,
war  es  bald  klar,  daß  der
Streik  als  bloßer  Gewerkschastskampf
  in  Berlin  nicht
durchzuführen  war.  Der  vom
Arbeitgeberbeisitzer  Weigert
so  entrüstet  zitierte  Fabrikant
hatte  vielmehr  in  seiner  Weise
den  Nagel  auf  den  Kopf  getroffen, ­
  wenn  er  für  sich  und
seine  Kollegen  das  Einigungsamt ­
  und  nicht  den  Streik  als
„der  Abel  größtes"  bezeichnete.  Für  eine  Arbeiterschaft,  die  über  nicht
eines  der  drei  fundamentalen  Erfordernisse  eines  siegreichen  Streiks  verfügte: ­
  gewerkschaftliches  Fühlen,  feste  Organisation  und  eine  gefüllte  Kriegskasse, ­
  war  in  diesem  Gewerbe  ein  Tarif  nur  durch  Vermittelung  des
Einigungsamts  zu  erzielen.
Das  geschichtliche  Arteil  kann  daher  nur  zugunsten  der  von  der  Fünferkommission ­
  in  Äbereinstimmung  mit  den  Leitern  des  Verbandes  der  Schneider
und  der  großen  Mehrheit  der  Gewerkschastskommission  beobachteten  Taktik
lauten,  die  darin  bestand,  die  Position  des  Einigungsamts  auf  jede  mögliche
Weise  zu  kräftigen,  alles  zu  unterlassen,  was  diesem  das  Vermittlungsamt
erschweren  konnte.  DieKommission  hat  dieseTaktik,  die  übrigens  auch  dieBilligung
  der  Vertreter  der  politischen  Arbeiterbewegung  hatte,  mit  geradezu  bewunderungswürdigem ­
  Geschick  bis  zuletzt  durchgeführt.  Wie  musterhaft  in
Ton  und  Stellungnahme  ist  nicht  die  letztzitierte  Resolution,  mit  der  sie  den
Kampf  abschließt.  Sie  stößt  niemand  zurück,  der  den  Arbeitern  in  ihrem
Anternehmen  aufrichtig  beigestanden  hatte,  und  zieht  doch  scharf  die  Linie
für  die  Vorbedingungen  ihrer  Zugeständnisse.  Sie  gibt  den  wortbrüchigen
Anternehmern  ihr  Teil,  ergeht  sich  aber  nicht  in  kraftlosen  Schimpfereien,
sondern  konstatiert  mit  ruhiger  Entschlossenheit  die  Schlußfolgerung:  wir
haben,  was  wir  erstreben,  selbst  zu  erkämpfen  und  müssen  daher  rastlos
weiter  organisieren!
Im  Befreiungskampf  der  Arbeiterklasse  bedarf  es  vieler  Anläufe,  um
die  Mauern  zu  Boden  zu  legen,  die  der  Verwirklichung  der  gewerblichen

149  und  150.  Antragsformular  an  die
Schlichlungskommission  zur  Schlichtung
von  Lohnstreitigkeiten
            
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