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Schlielunngskommission der Berliner Holzindustrie.
Die Arbeiter der Werkstatt
melden hiermit, dass Lohn'slreiligkeitcn ausgebrochen sind: Da
die in Frage kommenden ^Arbeiter mit dem Meister nickt einig
werden konnten, fand am — Es
Verhandlung zwischen dem m Meister und dem Werkstallausschuss
statt, die 'aber restdlallos verlief.
Wir haben daraufhin dem Meister ■erklärt, dass wir nun
die Sache der Schlichtungskommission übergeben werden. Wir
beantragen deshalb, dass die Schlichlungskommission unsere
Angelegenheit untersucht und entscheidet.
Die Ursachen unserer Differenzen sind:
QfntezscktSft:_
UM so größerer Enttäuschung
Platz machten. And da
die aus der Arbeiterschaft
einlaufenden Anterstützungen
ebenfalls gegenüber der Zahl
der zu Anterstützenden nicht
weit reichten — einschließlich
eines aufgenommenen Dar-
lehns von 15000 Mark und
jenen 18000 Mark aus bür
gerlichen Kreisen belief sich
die Gesamteinnahme der Ge-
werkschastskommission für die
streikenden Konfektionsschnei
der auf rund 73000 Mark —,
war es bald klar, daß der
Streik als bloßer Gewerk-
schastskampf in Berlin nicht
durchzuführen war. Der vom
Arbeitgeberbeisitzer Weigert
so entrüstet zitierte Fabrikant
hatte vielmehr in seiner Weise
den Nagel auf den Kopf ge
troffen, wenn er für sich und
seine Kollegen das Einigungs
amt und nicht den Streik als
„der Abel größtes" bezeichnete. Für eine Arbeiterschaft, die über nicht
eines der drei fundamentalen Erfordernisse eines siegreichen Streiks ver
fügte: gewerkschaftliches Fühlen, feste Organisation und eine gefüllte Kriegs
kasse, war in diesem Gewerbe ein Tarif nur durch Vermittelung des
Einigungsamts zu erzielen.
Das geschichtliche Arteil kann daher nur zugunsten der von der Fünfer
kommission in Äbereinstimmung mit den Leitern des Verbandes der Schneider
und der großen Mehrheit der Gewerkschastskommission beobachteten Taktik
lauten, die darin bestand, die Position des Einigungsamts auf jede mögliche
Weise zu kräftigen, alles zu unterlassen, was diesem das Vermittlungsamt
erschweren konnte. DieKommission hat dieseTaktik, die übrigens auch dieBilli-
gung der Vertreter der politischen Arbeiterbewegung hatte, mit geradezu be
wunderungswürdigem Geschick bis zuletzt durchgeführt. Wie musterhaft in
Ton und Stellungnahme ist nicht die letztzitierte Resolution, mit der sie den
Kampf abschließt. Sie stößt niemand zurück, der den Arbeitern in ihrem
Anternehmen aufrichtig beigestanden hatte, und zieht doch scharf die Linie
für die Vorbedingungen ihrer Zugeständnisse. Sie gibt den wortbrüchigen
Anternehmern ihr Teil, ergeht sich aber nicht in kraftlosen Schimpfereien,
sondern konstatiert mit ruhiger Entschlossenheit die Schlußfolgerung: wir
haben, was wir erstreben, selbst zu erkämpfen und müssen daher rastlos
weiter organisieren!
Im Befreiungskampf der Arbeiterklasse bedarf es vieler Anläufe, um
die Mauern zu Boden zu legen, die der Verwirklichung der gewerblichen
149 und 150. Antragsformular an die
Schlichlungskommission zur Schlichtung
von Lohnstreitigkeiten