Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Arbeiter  selbst  nunmehr  in
noch  einzuberufendenVolks-Versammlungen
  dieses  gutzuheißen ­
  hätten,  bevor  der
Friede  proklamiert  werde.
Bei  weitem  nicht  alle
Arbeiter  nahmen  diese  Mitteilung ­
  als  eine  Weihnachtsgabe ­
  entgegen.  Eine
starke  Minderheit  fand  die
Zugeständnisse  durchaus  ungenügend, ­
  und  sie  ward  in
dieserEmpfindung  nochdurch
die  Hetzereien  von  Leuten  bestärkt, ­
  die  an  der  Fortsetzung
des  Krieges  ein  geschäftliches
Interesse  hatten.  Schon  in
der  Versammlung  der  ausgesperrten ­
  Brauer  und  Brauereihilfsarbeiter,  in  der  am  27.  Dezember  Paul
Singer  die  Friedensabmachungen  verlas  und  ihre  Bedeutung  darlegte,  machte
sich  lebhafte  Opposition  geltend,  deren  Lauptwortführer  wieder  der  Brauereiarbeiter ­
  Schneider  war;  indes  ward  es  Singer  nicht  schwer,  die  gegen
den  Friedensabschluß  vorgebrachten  Einwände  zu  entkräften,  und  so  wurden
zwei  gegen  den  Abschluß  gerichtete  Resolutionen,  die  von  Brauern  beantragt ­
  waren,  schließlich  abgelehnt.  Nicht  minder  heiß  ging  es  in  der
Mehrzahl  der  16  Volksversammlungen  zu,  die  auf  den  folgenden  Abend,
den  28.  Dezember,  einberufen  waren,  um  über  die  Friedensabmachungen  zu
beschließen.  In  verschiedenen  davon  sah  es  zeitweilig  so  aus,  als  ob
sich  eine  Mehrheit  gegen  den  Vorschlag  der  Boykottkommission  erklären
werde,  und  in  einer  —  Charlottenburg  —  ward  dieser  in  der  Tat  mit
kleiner  Mehrheit  abgelehnt,  während  im  ersten  Wahlkreis  und  in  Nixdorf
nach  heftigen  Debatten  die  Beschlußfassung  auf  einen  folgenden  Abend  vertagt ­
  wurde.  Kein  Vorwurf,  fast  keine  Verdächtigung  blieb  den  Mitgliedern
der  Kommission  erspart.  „Icberrumpelt"  und  „heimliche  Abkartung"  war
noch  das  geringste,  was  ihnen  vorgeworfen  wurde.  Die  Friedensbedingungen
wurden  als  „wertlos",  als  Protokollierung  der  „Niederlage"  der  Arbeiter,
das  Friedensprotokoll  als  ein  „Wisch"  bezeichnet.  Die  Bedingungen  seien
das  Papier  nicht  wert,  worauf  sie  ständen,  das  Statut  des  Arbeitsnachweises ­
  ward  als  „Lockspeise  für  die  Ausgesperrten"  als  „hinterhältig"  und  dergleichen ­
  hingestellt.  Selbst  Rufe  wie  „Verrat"  und  „Judasse"  fehlten  nicht,
und  bitter  ward  den  ausgesperrten  Brauern  verargt,  daß  sie  sich  von  ihrem
Widerspruch  gegen  den  Friedensschluß  hätten  abbringen  lassen.  Indes  die
Referenten  —  Augustin,  Auer,  Faber,  R.  Fischer,  Pansen,  Kiesel,  Ledebour,
Mattutat,  Millarg,  Näther,  Pfannkuch,  Rob.  Schmidt,  Singer,  Täterow,
Vogtherr,  G.  Wagner  und  Zubeil  —  blieben  denen,  die  so  sprachen,  die  Antwort ­
  nicht  schuldig.  Sie  gaben  ihnen  ein  ungeschminktes  Bild  vom  Stand
der  Dinge,  wiesen  nach,  daß  bei  den  gegebenen  Machtverhältnissen  an  eine
Besiegung  der  Ringbrauereien,  die  diese  zur  bedingungslosen  Unterwerfung
notigen  würde,  nicht  zu  denken  und  infolgedessen  auch  eine  Verlängerung

)n  der  letzten  Zusammenkunft  der  ringfreien  Brauereien
wurde  folgender  Beschluß  gefaßl:
Oie  Commission  der  Brauereiarbeiler  wird  beauftragt,
feftjustrllen.  ob  sämmtliche  ringfreien  Brauereien  die  im
September  festgestellten  Betrieb-,  und  Wohnbedingungen  in
ihren  Betrieben  eingeführt  Hadem  Sollten  sich  Brauereien
finden,  in  denen  die-  nicht  geschehen  ist,  so  hat  die  Braurrclardelter-Lomiuisswn
  der  6otikoll  -  Commission  Bericht
■ji,  erstatten.
Nie  GmjNott-ttoinmifsion  ist  ermächtigt,  nach  Fest,
stellung  der  thatsächlichen  Verhältnisse,  wenn  nöthig,  den
betreffenden  Brauereien  eine  christ  von  acht  Tage»  zur
Einführung  dieser  Bedingungen  zu  stellen  und,  fall-  diese
Bedingungen  dann  noch  nicht  erfüllt  werden,  die  Brauereien
aus  der-  Liste  der  ringfreien  Brauereien  auszuscheiden  und
diese  dann  zu  boijlioUirm.

167.  Kontrollebeschluß
            
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