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für Berlin erwählt und ihr Mandat von Jahr zu Jahr erneuert. Im
Jahre 1900 schufen sich bei Gelegenheit des Mainzer Parteitags auf
einer von 20 Delegierten besuchten sozialdemokratischen Frauenkonferenz
die sozialdemokratischen Frauen Deutschlands ein Regulativ, kraft dessen
neben den örtlichen Vertrauenspersonen auch eine Zentral-Vertrauens-
Person für ganz Deutschland sowie Kreis-Vertraucnspcrsonen zu ernennen
waren. Das Amt der Zentral-Vertrauensperson ward Ottilie Baader
übertragen, und auch ihr Mandat ist in den späteren Jahren regelmäßig
erneuert worden. Mit Bezug auf das vom Mainzer Parteitag be
schlossene neue Statut der sozialdemokratischen Partei Deutschlands nahm
im Jahre 1902 der Münchener Parteitag eine Resolution an, daß dieses
Statut das Recht der sozialdemokratischen Frauen auf eigene Vertrauens-
Personen nicht berühre. And dabei ist es den Rest unserer Geschichts
periode über verblieben.
Die Mainzer sozialdemokratische Frauenkonferenz beschloß ferner die
Einführung einer aus fünf Genossinnen bestehenden Kommission zur veraus
gabe volkstümlich gefaßter Flugschriften über Fragen von besonderem
Interesse für Arbeiterinnen. Die Wahl der Kommission ward den Berliner
Genossinnen übertragen, die dem Auftrag auch nachkamen. Doch löste sich
die gewählte Kommission nach verhältnismäßig kurzer Zeit wieder auf, da
sich über verschiedene Punkte Meinungsverschiedenheiten einstellten.
Ein anderer Beschluß der Mainzer Konferenz betraf die Frage der
Frauen-Bildungsvereine, wie solche wieder verschiedentlich gegründet
worden waren. Entgegen einer Minderheit, die sich diesen Gründungen
skeptisch gegenüberstellte, sprach die Konferenz sich für sie aus, voraus
gesetzt, daß die nötigen Kräfte dafür am Orte vorhanden seien.
Zu den Ortschaften, an denen solch ein Verein geschaffen worden war,
gehörte auch Berlin. Pier hatte in den Jahren nach der Unterdrückung
des Fraucn-Bildungsvereins von 1892 das Bedürfnis nach einer festeren
Verbindung der sozialistischen Frauen, als sie das System der Vertrauens-
Personen ermöglichte, sich doch tviedcr eingestellt, und im Winter 1898/99
schien die Zeit gekommen, es von neuem mit einer entsprechenden Schöpfung
zu versuchen. Es waren insbesondere Frau Or. Marie Lofmann und
Emma Ihrer, die sich der Sache annahmen. In einer großen öffentlichen
Versammlung, in der die Genossin Frau Lily Braun einen einleitenden
Vortrag über: „Die Frau des 19. Jahrhunderts" hielt, ward am
24. Januar 1899 der „Verein für Frauen und Mädchen der
Arbeiterklasse" ins Leben gerufen. Nach seinem Statut setzte der
Verein sich den Zweck,
„seine Mitglieder durch Vorträge in alle Gebiete des Wissens ein
zuweihen und ihr Wissen zu bereichern, ihnen Gelegenheit zu geben, sich
durch Lektüre fortzubilden und anregende Geselligkeit unter sich zu
Pflegen".
Dagegen wurde, wie Emma Ihrer ausführte, die nach Frau Braun
das Wort nahm, gemäß der noch geltenden Gesetzespraxis jede politische
Betätigung für außerhalb der Aufgaben des Vereins erklärt. Zutritt zum
Verein sollten alle über 16 Jahre alten weiblichen Personen haben, der
Beitrag 20 Pf. im Monat betragen. In den ersten Vorstand wurden
Frau Emmy Stock als erste und Frau Elise Panzeram als zweite