Zweiter systematisch-theoretischer Teil.
Volkszahl, Volkswachstum und Nahrungsspielraum.
Erstes Kapitel.
Das gegenseitige Größenverhältnis von Bevölkerung
und Nahrungsspielraum.
1. Vorbemerkung. Die bisherigen Darlegungen haben die
Aufgabe gehabt,. ein Bild von der geschichtlichen Entwicklung der
Beziehungen von Wirtschaft und Bevölkerung und von den Anschauungen
zu geben, denen wir in der Literatur über diese Frage
begegnen. Diese Darlegungen hatten dabei keineswegs die Aufgabe,
den Gegenstand irgendwie erschöpfend zu behandeln. Dazu wäre
es vielmehr erforderlich gewesen, nicht nur, wie es geschehen ist,
für Mittelalter und Neuzeit die Entwicklung im Rahmen der deutschen
Geschichte darzustellen, dazu hätte man vielmehr auch stärker die
Verhältnisse in anderen Ländern mit einbeziehen müssen. Wenn
dies nicht geschah, so hing es — abgesehen von Raumgründen —
auch damit zusammen, daß es sich hierbei in erster Linie darum
gehandelt hat, die Probleme aufzuzeigen, um die es sich bei den
Beziehungen zwischen Bevölkerung und Wirtschaft handelt, um damit
die Grundlage für die kommende systematisch-theoretische Betrachtung
zu gewinnen. Denn wir haben auf Grund der geschichtlichen
Betrachtung erfahren, wie eng diese Beziehungen sind und in
wie sehr verschiedenen Formen sie auftreten. Ähnlich steht es mit
den Darlegungen über die Geschichte der Bevölkerungsanschauungen.
Auch hier war es nicht die Absicht, eine erschöpfende Geschichte
der Bevölkerungslehre zu geben. Dann hätten noch zahlreiche andere
Schriftsteller der verschiedensten Länder es durchaus verdient, ebenfalls
mit ihren Lehren zu Worte zu kommen. Es kam vielmehr
auch hierbei nur darauf an, die verschiedenen Typen in den Anschauungen
über die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Be-