Full text: Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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schrittweise bis auf 50 000 und blieb bis Ende des Jahrhunderts im wesent 
lichen auf diesem Stand. Dann seht ein etwas lebhafteres Steigen ein, 
das zwar durch den Geschästsdruck der Jahre 1900/01 etwas verlangsamt, 
aber nicht zum Stillstand gebracht wird. Schon im Laufe des Jahres 1902 
geht es wieder schneller aufwärts, bis Mitte 1903 ist der Abonnentenstand 
auf 78 500 gestiegen und Ende 1905 ist das erste hunderttausend nahezu 
erreicht. Mit wenigen und obendrein ganz unbedeutenden Abweichungen hat 
die Ziffer der Abonnenten des „Vorwärts" stets die Richtung nach auf 
wärts eingehalten. 
Einen etwas anderen Lauf als die Linie der Auflage des „Vorwärts" 
zeigt die Linie seiner Geschäftserträge. Allerdings ist auch ihre Tendenz 
ein Aufsteigen zu immer größerer Höhe. Aber es kommt fünfmal vor, 
daß die Überschüsse eines Jahres geringer sind als die des Vorjahres, und 
der Ausstieg als Ganzes ist erheblich geringer. Während die Auflage sich 
von 1890/91 bis 1905 vervierfacht hat, ist der Überschuß für dieses letztere 
Jahr nur wenig höher als das Doppelte des Überschusses von 1890/91, 
nämlich 84 528 Mark gegen 38 909 Mark. Der Ertrag des Blattes hängt 
eben nicht lediglich von der Auflage ab, sondern wird durch Amstände mit 
bestimmt, die von der Verbreitung des Blattes unabhängig sind, wie 
Wechselfälle in der Verwendung des Inseratenteils, Änderungen im Ver 
hältnis von Herstellungskosten und Abonnementspreis und ähnliches mehr. 
So sehen wir den Abschluß für 1905/06 um nahezu 36 000 Mark oder 
um 70 Prozent besser sich stellen, als der für 1904/05, obwohl der Zu 
wachs an Abonnenten auf nur etwas über 11 Prozent sich belief. Berück 
sichtigt man ferner, daß der Betrieb des „Vorwärts" nicht unter dem Ge 
sichtspunkte der Plusmacherei geleitet, sondern als Eigentum der Arbeiter 
schaft nach dem Grundsatz „keine Privilegien, aber anständige Löhne" ver 
waltet wird, so wird man es um so mehr zu würdigen wissen, daß das 
Blatt im Laufe der 15 Jahre nahezu neunmalhunderttausend Mark für die 
allgemeinen Zwecke der Arbeiterbewegung abgeworfen hat, in ge 
nauer Zahl 887 532 Mark. 
Dazu kommen dann noch die Erträge der Buchhandlung Vorwärts. 
Auch sie entwickelte sich unregelmäßig, denn auf Amsatz und Überschuß eines 
buchhändlerischen Anternehmens und ihr Verhältnis zueinander wirken fast 
noch mehr äußere Amstände ein, wie auf den einer Parteizeitung. Von 
rund 66000 Mk. im Wert hebt sich der Jahresumsatz der Buchhandlung 
in erst langsamer, zuletzt aber rascher Steigung auf 487000 Mk. im Ge 
schäftsjahr 1904/05, die Gesamtsumme des Amsatzes der fünfzehn Jahre 
ist 2855000 Mk. Der Reingewinn der ersten beiden Jahre wird zur 
Fundierung des Geschäfts zurückbehalten, vom Jahre 1893 ab aber kann 
die Buchhandlung Vorwärts Überschüsse an die Parteikasse abführen, die 
sich bis Ende unserer Epoche auf 191000 Mk. belaufen. Blatt und Buch 
handlung zusammen haben somit der Bewegung in den fünfzehn Jahren 
eine Million und 78000 Mk. für Agitation und Kampf zugeführt. Was 
sie inhaltlich für die Aufklärung und Anfcuerung geleistet haben, läßt sich 
in Zahlen nicht abschätzen. Das Löchste an agitatorischer Arbeit des 
„Vorwärts" wurde im Reichstagswahlkampf des Jahres 1903 geleistet. 
Die Nummern, die der Wahl vom 16. Juni 1903 vorausgingen, konnten 
an agitatorischer Kraft kaum überboten werden.
	        
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