Full text: Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Erklärung 
Saale zum Eiskeller eine 
große Versammlung statt, 
die Eugen Ernst zum Vor 
sitzenden und Karl Wild 
berger zum Referenten 
hatte, beide damals Mit 
glieder der Opposition, und 
der Geist der Opposition be 
herrschte dieganzeVersamm- 
lung. Wildberger griff in 
seiner Rede die Reichstags 
fraktion auf das schärfste an, 
und in der Debatte ward er 
darin von A. Kroll, Will). 
Börner, Wilh. Werner 
und Albert Auer dach kräf 
tig unterstützt. Nach Schluß 
derVersammlung marschierte 
die Mehrheit der Versam 
melten — gegen 2000 Per 
sonen — im Zuge durch die 
Straßen, was immerhin 
einen gewissen Eindruck 
machte. 
Im allgemeinen war 
1891 die Beteiligung an den 
Maidemonstrationen erheb 
lich stärker als im Vorjahr, 
doch fehlte dem Ganzen der 
einheitliche Zug, der sonst 
die Veranstaltungen der 
Berliner Arbeiterschaft aus 
zeichnet. 
Im Jahre 1892 fiel der 
1. Mai auf einen Sonntag. 
Dadurch konnte die Feier in höherem Grade diesen einheitlichen Charakter 
tragen, und stärker als in den Vorjahren war auch die Beteiligung an 
den Versammlungen und Festlichkeiten. Alle größeren Lokalitäten, deren 
man überhaupt habhaft werden konnte, waren gemietet worden, und aus 
nahmslos war der Besuch ein glänzender. Der Maitag war Volksfest 
geworden. 
Damit war aber die Maifeierfrage noch nicht gelöst. Wohl hatte der 
Brüsseler internationale Sozialistenkongreß von 1891 bestimmt, daß die 
Maidemonstrationen durchgängig ain I. Mai stattfinden sollten, und sich 
grundsätzlich für Arbeitsruhe ausgesprochen. Zu letzterem aber war der Zu 
sah angenommen worden: „Soweit dies durch den Zustand in den einzelnen 
Ländern nicht unmöglich gemacht wird", und damit war es der Auslegung 
der Parteien in den einzelnen Ländern überlassen, nach Wunsch und Be 
dürfnis selbst zu bestimmen, ob bei ihnen die Arbeiksruhe „möglich" oder 
parteivorstandcs zur Differenz der /Metallarbeiter 
bei der H. 6.-6. die Maifeier betreffend. 
1 Der Parkeivorstand erklärt, daß er ans Grund der Verhandlungen, 
die er seiner Zeit mit der Generalkommission der Gewerkschaften, die 
Maifeier betreffend, geführt hat. bereit ist. falls der Metallarbeiterverband 
ihn darum ersucht, die finanziellen Opfer, welche die diesjährige Mai 
feier dem Verband auferlegte, nach Möglichkeit tragen zn helfet». 
Die Form, in welcher der Parteivorstand diese Mittel aufbringt, 
ist ausschließlich dessen Angelegenheit. 
2. Der Parteivorstand kann kein Urteil abgeben über die HandlungS- 
weise der als Mitglieder des Metallarbeiterverbandes in der A. E.-G. 
beschäftigten Parteigenossen, soweit diese ihren früher gefaßten Beschluß, 
bei der Maifeier nicht zu arbeiten, selbst mißachteten. 
Dieser Beschluß ist auf Grund der Vorschriften, welche der Metall- 
ardeiterverband für seine Mitglieder bezüglich einer Entscheidung über 
die Maifeier erließ, gefaßt worden. ES handelt sich also hierbei in 
erster Linie um eine gewerkschaftliche Angelegenheit, zu der zunächst die 
Gewerkschaft Stellung zu nehmen hat? 
Der Parteivorstand ist aus Grund der Parteiorganisation oec- 
pflichtet, abzuwarten, ob eine lokale Organisation den Antrag stellt, 
ein Parteimitglied, das sich an der Nichteinhaltung deS in der A. E.-G. 
gefaßten Beschlusses betreffend die Maifeier beteiligte, wegen ehrloser 
Handlung mi3 der Partei auszuschließen. Wird ein solcher Antrag 
gestellt, so ist der Parteivorstand verpflichtet, ein Schiedsgericht zusammen 
zu berufen, zu dem er den Vorsitzenden ernennt. 
Der Parteivorstand würde also, wenn er von sich auS.in einem 
Falle wie den» vorliegenden ein Urteil fällte, von vornherein als Partei 
erscheinen und die Unparteilichkeit des Schiedsgerichtsspruchs in Frage 
stellen. 
3. Soweit der Parkeivorstand in der Lage ist, die Vorgänge, die 
anläßlich der Maiseier mit dem Verhalten eines großen Teils der Mit 
glieder des MetdllarbeitervecbandeS, die in der A. E.-G. beschäftigt sind, 
in Verbindung stehen, beurteilen zu können, glaubt er. daß auf beiden 
Seilen, d. h. sowohl aus Seite der bei der Ä. E.-G- beschäftigten Mit 
glieder dcL MetallarbeitcrvcrbandcS. wie bei der Leitung desselben Ver 
sehen hegangen wurden. die eine unklare Situation herbeiführten. 
Von diesen» GesichtSpilNkt auS und in Anbetracht deS Umstandes, 
daß ei» größerer Konflikt zivischen dem Metallarbeiterverband und seinen 
renitent geivordcne»» Mitgliedern, die bei der A. E.-G. beschäftigt sind, 
für die Schar,'machcr eine ersehnte Gelegenheit wäre. eS zu einer Spaltung 
in» Metallarbeitervcrbande zu treiben »»nd eine Kraftprobe mit den» 
Unternehniertum hervorzurufen, empfiehlt der Parteivorftand aller auf 
zubieten, um einen solchen Konflikt zu vermeiden. 
199. Erklärung des sozialdemokratischen Partei- 
vorstandes
	        
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