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der die Sozialdemokratie zustimmte. Indes hat sich gezeigt, daß unter Amständen
gerade die Amschläge als Landhabe benutzt werden können, die
Abstimmung der Wähler zu kontrollieren, nämlich wenn die Wahlurne so
konstruiert ist, daß sich die hineingesteckten Amschläge der Reihe nach aufeinanderschichten.
Am 30. April 1903 ward der Reichstag geschlossen und die Neuwahl
auf den 16. Juni anberaumt. In dem Wahlkampf, der von seiten der
Partei mit größerer Kraft als je geführt wurde, spielten selbstverständlich
der neue Zolltarif und die mit seiner Beratung uud Annahme verknüpften
Vorgänge eine hervorragende Nolle, zumal das endgültige Schicksal des
Tarifs von der Stellung des Reichstags zu den auf Grund seiner abzuschließenden
neuen Handelsverträgen bedingt war. Große Protest-Versammlungen
der Sozialdemokratie gegen die Gewaltakte der Reichstagsmehrhcit
hatten der Wahlagitation wirkungsvoll vorgearbeitet. Das Wahlergebnis
selbst stellte sich für die Sozialdemokratie überaus günstig, es übertraf
die nicht geringen Erwartungen, die man in der Partei bezüglich seiner
gehegt hatte, noch um ein Bedeutendes. Bei allgemein starker Wahlbeteiligung
— es stimmten 75,8 Prozent der eingeschriebenen Wähler
gegen 67,8 im Jahre 1898 — erhielt sie 31,7 Prozent aller abgegebenen
Stimmen (1898: 27,2 Prozent), in absoluter Zahl 3 010 771, fast um
die Lälfte mehr als 1898. Nahezu im gleichen Verhältnis stieg die Zahl
der erlangten Mandate, es wurden in der Lauptwahl 56 und bei den
Stichwahlen 25, zusammen 81 Sitze gewonnen. Die drei linksliberalen
Gruppen waren dagegen von 50 auf 36 Vertreter zusammengeschmolzen.
Überhaupt hatten namentlich die kleineren Parteigruppen — neben den
Linksliberalen die Bauernbündler, Antisemiten und Welfen — die Kosten
des Wahlkampfes zu tragen gehabt, während das Zentrum, die beiden
konservativen Fraktionen und die Nationalliberalen in fast unveränderter
Vertreterzahl zurückkehrten.
Das Stärkeverhältnis zwischen der Rechten und Linken des Reichstages
hatte sich nur wenig verschoben, aber bei der Linken überwog nun
vollständig die schärfere Tonart.
Glänzend hatte Berlin gewählt. Die Mandate der fünf Wahlkreise
Berlin II bis Berlin VI, sowie die der beiden Vorortswahlkreise wurden
im Sturm genommen, und es fehlten nur wenige hundert Stimmen, so
wurde auch Berlin I in der Stichwahl erobert. Die sozialdemokratischen
Stimmen Berlins stiegen im ersten Wahlgang aus 218000, die der beiden
Vorortskreise auf zusammen 112000.
Dieser gewaltige Wahlsieg der Sozialdemokratie machte begreiflicherweise
das größte Aufsehen. Konnten sich selbst die Gegner der Wucht seines Eindrucks
nicht entziehen, so war die Freude im sozialdemokratischen Lager um
so allgemeiner. In der ersten Begeisterung wurden von einigen gar zu kühne
Erwartungen an ihn geknüpft, andere urteilten kühler, aber durchgängig
überwog das Gefühl, daß die Partei eine Kraftprobe abgelegt habe, auf die
sie stolz sein dürfe und die der Arbeiterschaft allerorts erhöhte Zuversicht
einflößen müsse. Im großen und ganzen war das auch der Fall,
es traten aber kurze Zeit nach der Wahl Vorkommnisse ein, welche
die Gemüter erheblich herabstimmten. Ein Aufsatz von Ed. Bernstein
entwickelte unter Linweis auf die Vergewaltigung der Geschäftsordnung.