Full text: Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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3000 Mk. steuerpflichtigen Einkommens eingeschätzten Personen („physische 
Zensiten") in Berlin von 43 846 auf 57 006, d. h. um 30 vom Lundert. 
In bestimmte größere Einkommensgruppen eingeteilt, zeigten sie folgendes Bild: 
Einkommen 1892/93 1905/06 v^LunVert 
über 3 000 bis 5 000 Mk. 20 826 26 669 ' 28,1 
„ 5 000 „ 9 000 „ 10 051 15 534 54,5 
„ 9 000 „ 20 500 „ 8 198 9 167 11,8 
„ 20 500 „ 40 000 „ 2 866 3 245 13,2 
„ 40 000 „ 100 000 „ 1 416 1 707 20,5 
„ 100000 Mk. 489 684 39<j 
Insgesamt: 43 846 57 006 30 
Es sind danach drei von den sechs Gruppen, die wir hier betrachten, 
stärker gewachsen wie die Gesamtbevölkerung, und drei hinter ihr in der 
Zunahme zurückgeblieben. Ersteres gilt von den zwei Gruppen des noch 
ziemlich bescheiden lebenden Mittelstandes und der Gruppe der ganz Reichen, 
letzteres von den drei Gruppen des oberen Mittelstandes in seinen ver 
schiedenen Abstufungen, jener Gesellschaftsschicht, an die man zuerst denkt, 
wenn das Wort Bourgeoisie gebraucht wird. Anscheinend ständen wir 
somit vor einem relativen Rückgang dieser Klasse. Indes bezieht er sich 
eben nur auf das eigentliche Berlin und erklärt sich hier daraus, daß 
Berlin in immer höherem Grade Mitglieder der Klasse der Wohlhabenden 
an die dem Luxuswohnen bestimmten Vororte abgibt. In den Monats 
berichten des Statistischen Amts der Stadt Berlin findet man oft sehr 
interessante Feststellungen über diesen Auszug von Zensiten der oberen 
Steuerstufen in die Luxusvororte. Er ist das Ergänzungsstück der eben 
gekennzeichneten fortschreitenden Citybildung im inneren Berlin. Von einigen 
besonders günstig gelegenen Stadtvierteln im Westen, Süden und Nord 
westen abgesehen, wird das alte Berlin von Jahr zu Jahr mehr Stadt 
des Erwerbs. Die Rentiers ziehen nach Schöneberg, Charlottenburg, Grune- 
wald und weiter hinaus, desgleichen in wachsender Zahl die Großkaufleute 
und Großfabrikanten, deren Vermögen in Berlin gemacht wird. Der „Zug 
nach dem Westen", wo die eleganten Quartiere sich ständig mehren, nimmt 
immer größeren Amfang an. An das, was vor fünfzehn Jahren noch 
„Berlin-West" war, hat sich ein „weiteresBerlin-West" angeschlossen, an dieses 
ein „noch weiteres" und so fort. Dies ist auch der Grund, weshalb die 
Zensiten mit großen Vermögen in Berlin Stadt nur in bestimmten 
Vermögensklassen zunehmen, in anderen aber abnehmen. Es wurden 
nämlich seit 1895, wo die Vermögenssteuer zuerst zur Erhebung kam, in 
Berlin veranlagt Zensiten mit: 
Vermögen 
1895 
1905 
Zu- oder Abi 
in Prozen 
bis 
zu 32 000 Mk. 
22 593 
29 648 
+13,23 
von 
32 000 bis 52 000 Mk. 
7 089 
7 786 
-f 9,83 
52 000 „ 100 000 
8 913 
8 704 
— 2,34 
100 000 „ 200 000 
6 406 
6 041 
— 5,70 
200 000 „ 500 000 
4 880 
4 386 
— 10,12 
500 000 „ 1 000 000 
ff 
1692 
1 551 
— 8,33 
1 000 000 „ 2 000 000 
760 
773 
-j- 1/71 
über 2 000 000 Mk. 
445 
535 
-1- 20,22 
Zusammen: 
52 778 
59 424 
+12,59 
5 
Bernstein, Berliner Geschichte. III.
	        
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