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Die ganz Neichen, die in den eleganten Villen und Wohnhäusern der
Linden und des Tiergartens ihr Quartier haben, nehmen in Berlin noch
zu, und ebenso die Zensiten mit bis zu 52 000 Mark Vermögen, in deren
Reihen wir eine große Anzahl jener Geschäftsinhaber zu suchen haben,
die noch im gleichen Lause wohnen, wo sie ihr Geschäft betreiben, was
für die Inhaber größerer Geschäfte und Betriebe immer weniger zutrifft.
Die wohlhabende Mittelschicht der Kaufleute und Fabrikanten vielmehr
wohnt nur noch ausnahmsweise in Berlin selbst. Ihr Vermögen erscheint
nicht in den Steuerrollen der Lauptstadt, sondern in der Mehrheit der Fälle
in denen der Vororte mit besseren Etagenhäusern und mäßig teuren Villen.
Vor allem kommt da Charlottenburg in Bettacht. In dem Jahrzehnt
von 1895 bis 1905 hat sich die Zahl seiner Zensiten mit über 100 000 Mk.
Vermögen von 1983 auf 4641 vermehrt, nahezu auf das zweiundeinhalb-
fache oder um 134 Prozent. Der Steuerertrag der nach den Vermögen
berechneten Ergänzungssteuer stieg von 381 765 Mk. auf 1 036 092 Mk.
oder um 171,1 Prozent, was erkennen läßt, daß die höheren Vermögen in
stärkerem Verhältnis gestiegen sind, als die mäßigen Vermögen. In
Schöneberg, für das gesonderte Zahlen seit 1899 vorliegen, wo es Stadt
gemeinde wurde, ist von jenem Jahre bis 1905, also in sechs Jahren, die
Zahl der Zensiten mit über 100 000 Mk. Vermögen von 710 auf 1902,
bezw. um 167,8, der Ertrag der Vermögenssteuer von 110 842 auf
281 395 Mk. oder um 153,9 Prozent gestiegen. Dagegen hat Rixdorf, das
gleichzeiüg mit Schöneberg Stadt wurde, nur einen Aufstieg dieser Zensiten
von 133 auf 203 (52,6 Prozent) und des Vermögenssteuerertrages von
17 983 auf 30 770 Mk. (71,1 Prozent).
Auch diese kleine Zusammenstellung läßt aufs deutlichste erkennen, wie
sehr Berlin und die Orte in seinem Amkreis organisch zusammengehören.
Da wohnt, so erzählen diese trockenen Zahlen, der Besitzer irgendeines
großen gewerblichen Anternehmens der Lauptstadt in einer Villa im
Gmnewald, sein erster Geschäftsführer in einer Etagenwohnung am
Kurfürstendamm in Charlottenburg, andere gut bezahlte Angestellte in
Schöneberg, Wilmersdorf oder in einer der besseren Wohnsttaßen Berlins.
Das mittlere Beamtenpersonal verteilt sich in bescheideneren Wohnungen
ähnlich, ist aber je nachdem auch in den nördlich, östlich oder südöstlich
gelegenen Vororten zu finden, und dort haben wir je nach der örtlichen
Lage der Geschäftsräume des Anternehmens dessen Arbeiterpersonal samt
den schlechter bezahlten Angestellten zu suchen. Am Tage sind mit wenigen
Ausnahmen alle die Bezeichneten in verschiedener Intensität und Dauer
in Berlin im Unternehmen selbst beschäftigt. Nachts aber steht dieses leer,
und wie die Bevölkerungsstatistik, für die nicht das Arbeiten, sondern das
Wohnen und Übernachten den Maßstab bilden, nichts von den Menschen
weiß, die dort am Tage schaffen, so sagt uns auch die Statistik der
Einkommensteuer nichts davon, welches im einzelnen die Einkommen sind,
die dort ihren Arsprung haben. Die Einkommen verteilen sich auf das
breite Gebiet des großen Berlin und noch darüber hinaus. Denn mehr
als je hat, wie die Liebe, von der Carmen singt, das Geld „leichte Flügel".
Lediglich hinsichtlich der Anternehmungen, die Kollektivkörperschaften
privatrechtlichen Charakters, d. h. Aktiengesellschaften verschiedener Art, gehören,
gibt uns seit der Miquelschen Steuerreform die Steuerstatistik Auskunft über