Full text : Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

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Trünke  ergeben,  Mutter  übel  beleumdet.  Massenhaft  wuchsen  die
vaterlosen  Zöglinge  dieser  Anstalt  an  der  Seite  sich  heimlich  oder
öffentlich  prostituierender  Mütter  auf.  Nicht  selten  scheinen  ferner
unter  diesen  verwahrlosten  Mädchen  die  moralisch  kranken,  in  ihrem
ganzen  Triebleben  falsch  gerichteten  Geschöpfe  zu  sein.  Diese  Tatsachen ­
  bestätigen  in  so  erschreckender  Fülle  die  Berichte  der
Magdalenenstifte.
Von  einigen  der  Fürsorgepfleglinge,  die  dem  evangelischen  Asyl
für  weibliche  Entlassene  und  dem  Magdalenenstift  zur  Kaisetswerth ­
  a.  Rh.  übergeben  wurden,  entwirft  der  68.  Jahresbericht  dieser
Anstalten  folgende  Charakterbilder:
1.  '  A.  B.  20  Jahre  alt.  Früherer  Zwangszögling.  Ein  in
Lüge  tief  verstricktes  Wesen.  Starrer  Trotz,  in  dem  sie  einmal  tagelang ­
  die  Nahrungsaufnahme  verweigerte.  Nicht  gefallen.
2.  B.  C.  17  Jahre  alt.  Total  verkommene  Familie.  Der
Pflegling  mißhandelte  schon  als  Schulkind  ein  4jähriges  Mädchen
durch  absichtliche  ernste  Verletzung.  Ist  in  vielen  Diensten  gewesen.
Faulheit,  Diebesgelüste,  Sinnlichkeit  sind  die  drei  Hauptfehler.  Der
Verkehr  mit  der  Familie  kann  nur  mit  großer  Wachsamkeit  verhindert ­
  werden.
3.  C.  D.  14  Jahre  alt.  Große,  verkommene  Familie,  in  der
die  Unzucht  erblich,  die  Blutschande  nicht  unerhört  ist.  Der  Pflegling
hat  als  12jähriges  Mädchen  mit  den  eigenen  Brüdern  Unzucht  getrieben ­
  und  sich  in  derselben  Zeit  für  Geld  anderen  Männern
wiederholt  preisgegeben.  Sitzt  so  tief  in  den  Fesseln  der  Sinnlichkeit, ­
  daß  ihr  der  Konfirmandenunterricht  nicht  ohne  Zeugen  erteilt
werden  konnte,  da  nach  den  Beobachtungen  des  Geistlichen  wie  nach
ihrem  eigenen  Geständnis  der  Asyls-Vorsteherin  gegenüber  sie  das
Alleinsein  mit  einer  männlichen  Person  absolut  aus  der  Fassung
brachte.  Pflegling  leidet  außerdem  an  rasendem  Trotz.  Muß  scharf
bewacht  und  häufig  isoliert  werden.
4.  D.  E.  16  Jahre  alt.  Zuhälter-Dirne.  In  Düsseldorf  und
Berlin  schöffengerichtlich  bestraft.  Die  Eltern  versuchen  alles,  um
die  Tochter  aus  dem  Asyl  zu  „befreien".  Entführen  das  Mädchen
am  Pfingstsonntag  unter  Eindringen  auf  Anstaltsgebiet  und  unter
tätlicher  Bedrohung  der  Schwestern  beim  Heimwege  aus  der  Kirche
in  einem  Wagen.  Das  Mädchen  wird  am  Dienstag  polizeilich  zurückgeführt. ­
  Am  Samstag  vor  Trinitatis  macht  die  Mutter  einen  ganz
sinnlosen  Wiederholungsversuch,  der  indessen  doch  das  ganze  Asyl
in  Aufregung  versetzt  und  muß  halb  mit  Gewalt  vom  Anstaltsgebiet
entfernt  werden.
6.  C.  T.  18  Jahre  alt.  Vater  säuft,  Mutter  liederlich.  Das
Mädchen  hat  schon  viel  durchlebt.  Der  Vater  teilt  in  einem  wütenden
Briefe  mit,  daß  er  insgesamt  98  Mark  Schulversäumnisse  für  E.  habe
„absitzen"  müssen.  Die  Mutter  wird  von  ihr  mit  einem  Stocke  geschlagen ­
  und  an  den  Haaren  durchs  Zimmer  gezogen.  Trieb  sich
nächtelang  als  Dirne  auf  Hafenschiffen  und  in  Neubauten  umher.
            
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