welche die Erschließung des ebenfalls reichen Amazonenstromgebietes erstreben. Es
ist ganz ohne Zweifel, daß derartige Riesen - Unternehmungen, die auch mit aller-
hand industriellen, kommerziellen und landwirtschaftlichen Unternehmungen mehr oder
weniger direkt verquickt ‚sind, von weittragendster Wirtschafts- und weltpolitischer
Bedeutung sind und Südamerika allmählich unter den Einfluß der ganz Amerika absorbieren-
den Vereinigten Staaten zu beugen berufen sind, wenn die führenden südamerikanischen
Staaten sich nicht. bald aufraffen und geschickt und energisch mit, Hilfe ‚euro-.
päischen Überflusses an Kapitalien, Intelligenzen, Arbeitskräften, technischen und wirt-
schaftlichen Hilfsmitteln aller Art an eine rationelle weltwirtschaitliche Ausnutzung
ihrer Reichtümer schreiten.
__ Wie sehr bereits Brasilien von Nordamerika in Beschlag genommen wird,
1äßt sich daraus ermessen, daß im Jahre 1911 für 212 Millionen Milreis nordamerikanische
wirtschaftliche und industrielle Anlagen aller,Art gemacht wurden. Diese absorbierende
Tendenz Nordamerikas ist auch von dem brasilianischen Deputierten Nicanor Nascimento
in der Kammer energisch gegeißelt worden unter Warnung vor ‚dem Farquhar’schen
Syndikat und dem englisch ‚sprechenden Elemente überhaupt.
Der Farguhar’sche Unternehmungsgeist ist nun auch den Engländern und den
Argentinern unheimlich geworden. Die argentinische Regierung hat ‘nach längeren
Unterhandlungen plötzlich‘ das Farquhar’sche Angebot für die nördlichen Staatslinien
von 25.000.000. Sterling abgelehnt. Man scheint aber vorläufig auch das Angebot
der in den Händen der Engländer befindlichen centralargentinischen Eisenbahn-
gesellschaft 'nicht mehr. in Erwägung zu ziehen, vielleicht nur, weil, diese bloß auf
solche Strecken ‚reflektierte, die ihr besonders convenieren, Die Regierung hat jeden-
falls die Pläne der Bieter hinsichtlich des weiteren Ausbaues der Linien und ‚der
Kolonisierung der in ihrem Bereich gelegenen Ländereien mit in Betracht gezogen.
Nicht ausgeschlossen ist, daß auf die Ablehnung des Farquhar'schen Angebots auch
englischer Einfluß eingewirkt hat, nachdem Farquhar selbst von englischer. Seite
sondiert. worden war, wie er sich für den Weiterbau resp. Umbau ‚der Gleisweite
hinsichtlich des Bedarfs ‚an Schienen und sonstigem Eisenbahnmaterial englischen.
Fabrikanten. gegenüber zu verhalten beabsichtige, und ‚seine Antwort ausweichend
Jautete, indem er dort kaufen zu wollen vorgab, wo er das Material am besten und
billigsten erwerben könne. Die Engländer berufen sich, wie immer bei solchen Gelegen-
heiten auf ihre großen Pionierdienste, die sie Argentinien im allgemeinen und in der
Herstellung von Kommunikationsmitteln mit Risiken aller Art im besonderen seit Jahr-
zehnten geleistet hätten und daraufhin besondere Berücksichtigung ihrer Industrie-
produkte für Verwendung auf argentinischem Boden zu fordern, moralisch ‚berechtigt
wären.
Ja, sie versteigen sich sogar so weit, daß Lord Avebury im „Nineteenth Century
and After“ sagt: „Wir haben in der argentinischen Republik so viel britisches
Kapital — über 150000 000 £ Sterling — angelegt, daß sie gewissermaßen fast eine
britische Kolonie ist“, The South American Journal vom 11. Januar 1913 setzt
ironisch hinzu: „Es ist unzweifelhaft schmeichelhaft für Argentinien, in die britische
Gemeinschaft zugelassen zu werden, doch es wäre mindestens ebenso berechtigt,
annähernd korrekte Ziffern über unsere Kapitalanlagen in der argentinischen Republik
zu geben, denn es ist Tatsache, daß‘ anstatt 150 000 000 £ Sterling 320 890 000 £ Sterling
britisches Geld in argentinische Unternehmungen, darunter 201734 494 £ Sterling
allein in Eisenbahnen, investiert worden sind, welche Zahlen natürlicherweise Lord
Aveburys Argumente dem Werte nach noch weiter bekräitigen‘,
Da, wo England nunmehr, unauffällig zwar, anfängt Argentinien als seine Domäne
und quasi Kolonie zu betrachten oder als bald reif, in ihre großbritische Gemeinschaft
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