Full text: Die Heimarbeit im Kriege

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Angesichts des urgewaltigen Wandertriebes, der unsere ost 
deutsche Landarbeiterschaft erfaßt hat, erscheint es ein aussichtsloses 
Beginnen, ihm mit winterlicher Heimarbeit entgegenwirken zu 
wollen. Trotzdem erheben sich gerade in letzter Zeit gewichtige 
Stimmen für Maßnahmen in dieser Richtung. So schreibt 
Oekonomierat Dr. Stieger?) „Unserer Landwirtschaft werden 
nach dem Kriege die über 400 000 Auslandsschnitter und 
vielleicht ebensoviel Kriegsopfer fehlen. Die notwendig fest 
zuhaltende, wenn nicht zu steigernde Hochspannung (Inten 
sität) der Betriebe verlangt eine wenigstens nicht verrin 
gerte Zahl von Händen. So ergibt sich die zwingende Notwendig 
keit, mehr Standarbeiter anzusetzen oder sonst zu gewinnen. Das 
kann nur gelingen, wenn man ihnen lohnende Beschäftigung fürs 
ganze Jahr sichert. Die Landarbeit aber nimmt ihrerseits unabän 
derlich in wachsendem Grade (ihrer zeitlichen Verteilung nach) Sai 
songepräge an; also muß unweigerlich ihrer für Sommer und 
.Herbst nötigen Arbeiterschaft die winterliche Arbeitsleere mit loh 
nender, nichtlandwirtschaftlicher Freizeiten- oder Füllarbeit gefüllt 
werden, die man aber lieber nicht mit dem — einen Hauptberuf 
bezeichnenden und abfällige Nebengedanken weckenden — Wort 
„Heimarbeit" benennen sollte." Der sich durch mehrere Nummern 
hinziehende Meinungsaustausch in einem der angesehensten land 
wirtschaftlichen Blätter zeugt fiir das lebhafte Interesse, das in 
diesen Kreisen der Frage entgegengebracht wird, allerdings auch 
für den ganz einseitigen Gesichtswinkel, unter dem sie vielfach be 
trachtet wird. 
Zur Förderung der Heimarbeit auf dem Lande ist die Zentral 
stelle für ländlichen Hausfleiß gegründet (Berlin SW. 11, Dessauer 
Straße 14), ebenso der Verein zur Förderung volkstümlicher Heim 
arbeit in der Provinz Ostpreußen u. a. m. Alle diese Stellen 
denken nur an nebenerwerbliche, die Zeit der winterlichen Arbeits 
losigkeit ausfüllende Heimarbeit. Man kann sich aber nicht ganz 
des Eindrucks erwehren, als ob sie die Gefahren, daß der „Winter 
) Landwirtschaftliche Presse vom 26. März 1916.
	        
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