Full text: Die deutsche Wirtschaft

332 Dr, Harald Feddersen: 
machenden Bestrebungen zur Wiederherstellung weltwirtschaftlicher 
Arbeitsmöglichkeit in Deutschland. Auch innerhalb der deutschen 
Seeschiffahrt zwang die Not der Zeit die Reedereien zur schärfsten 
Konzentration der Betriebe. Auf den verschiedensten Linien des 
wiedererwachenden Weltverkehrs vereinigten die deutschen Reede- 
reien ihre Organisationen, um der übermächtigen Konkurrenz stand- 
halten zu können, Klassische Beispiele hierfür sind die Gemein- 
schaftsdienste im Orientverkehr, im Ostasienverkehr, nach 
Cuba-Mexiko, Afrika, Australien und Santos, die alle der Stärkung 
der Betriebsmittel und damit der Konkurrenzfähigkeit dienten. Die 
Bedeutung der Wiederaufbauarbeit in der Seeschiffahrt für den Ge- 
samtwiederaufbau der deutschen Volkswirtschaft liegt auf der Hand. 
Alles, was über die Vorkriegszeit der Seeschiffahrt gesagt werden 
konnte, findet naturgemäß erhöhte Anwendung auf die Nachkriegszeit, 
insofern als in ihr in wenigen Jahren das geleistet werden mußte, was 
sonst jahrzehntelanger Pionierarbeit bedurft hatte! Nie hätte Deutsch- 
land so verhältnismäßig schnell sich wieder erholen können, nie hätten 
die deutschen Wirtschaftsbeziehungen zu allen Teilen der Erde so 
schnell wiederangeknüpft und der Handel mit allen Nationen sich derart 
kraftvoll wieder entwickeln können, hätte nicht die W iederin- 
gangsetzung des Überseeverkehrs möglichst auf eigenen 
deutschen Schiffen nach Aufbietung aller Kräfte bald nach dem Zu- 
sammenbruch so energisch und zielbewußt eingesetzt. Das Ziel des 
Wiederaufbaus, die Mehrzahl der überseeischen Gütertransporte von 
und nach deutschen Seehäfen auf deutschen Schiffen vornehmen zu 
können, konnte bisher allerdings nicht erreicht werden, denn nur 38 
bis 40% des gesamten Überseegüterverkehrs werden zur Zeit auf deut- 
schen Schiffen bewältigt, Auch hat der gegen 1913 der Schiffszahl 
nach sogar gestiegene Hafenverkehr von Hamburg und 
Bremen in bezug auf die beförderte Gütermenge — und das 
ist das Wesentliche — noch immer gegen früher nachgelassen, was in 
der Verminderung des deutschen Außenhandels seine Ursache hat”). 
Aber diese Mängel liegen nicht in der Seeschiffahrt, sondern in der 
*) Die Steigerung des Schiffsverkehrs im Hamburger Hafen während des 
1. Vierteljahres 1925 gegen 1924 zeigt sich an folgenden amtlichen Zahlen: 
Angekommen: Abgefahren: 
Schiffe Br.-Reg,-Tons Schiffe Br.-Reg.-Tons 
I. Vierteljahr 1924. . .. 2386 3.384 786 2490 3160 582 
IL " 1925... 32958 4 108 413 3746 4 099 192 
Aus diesen an sich gewiß erfreulichen Feststellungen darf man jedoch keineswegs auf 
eine entsprechende Vermehrung des Güterverkehrs Rückschlüsse ziehen, sondern 
man muß dabei beachten, daß der Anteil der deutschen Flagge an diesem gewachsenen 
Verkehr, verglichen mit dem I, Vierteljahr 1924, nur um 2% v. H, gestiegen ist, und daß 
vor allem auch viele Schiffe noch immer leer ausfahren.
	        
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