Contents: Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

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patriarchalische Fürsorge für die Bauern als Pflicht des Gutsherrn be 
ibrachtet. 
II. Alte und neue Wege der Fürsorge. 
Staatlicher Getreidehandel — Notstandsarbeiten. 
Die Hilssbedürstigleit der unteren Klassen wurde zu Ansang der 20er 
Jahre noch wesentlich verstärkt. Denn die Agrarkrisis hat auch die ärmere 
Bevölkerung in große Not gebracht, da sie für die Abgaben und die drin 
gendsten Lebensbedürfnisse nicht mehr das nötige Geld in die Hand bekam. 
Der Fehler jener Theorie, die das Übel aus das Mißverhältnis der Zunahme 
von Produktion und Population und aus den allgemeinen Überfluß an 
Getreide zurückführte, lag gerade in Ost- und Westpreußen offen zutage. 
Denn in manchen Jahren konnte die Ernte dort so gering sein, daß wegen der 
mangelnden Verkehrswege in unfruchtbaren Kreisen Hungersnot entstand. 
Hier hätte ein großzügiger, staatlicher Getreide-An- und -Verkauf 
nach friderizianischem Muster den Ausgleich herstellen können. Gerade für 
Lithauen hatte ja schon Friedrich Wilhelm I. das staatliche Magazinsystem, 
das jenem Wechsel von Überfluß und Mangel entgegenwirken sollte, aus, 
gebildet, und Friedrich der Große hat die Regulierung der Preise durch die 
staatliche Getreidehandelspolitik zur Meisterschaft entwickelt. 
Man erinnerte sich wohl dieses Vorbilds in der preußischen Beamten 
schaft, und Einzelne, die sich ans die Tradition beriefen, wußten Maßregeln 
im alten Stile durchzusetzen. Aber die neueren freihändlerischen Theorien 
waren schon zu mächtig, als daß man diesen Weg hätte zu Ende gehen wollen. 
Die Scanner der alten und die der neuen Schule wirkten gegeneinander. 
So bekommen die staatlichen Maßregeln in dieser Frage etwas Schwankendes 
und Unsicheres und lassen den einheitlichen königlichen Willen vermissen, 
der die preußische Wirtschaftspolitik im 18. Jahrhundert gestaltet hat. 
Als im Jahre 1821 trotz einer mittelmäßigen Ernte die Getreidepreise 
wegen Mangels an Nachfrage und wegen der bedeutenden Einfuhr aus 
Polen und Rußland erheblich sanken, wurde dem Grafen Lottum ein Fonds 
von einer Million Taler zum Ankauf von Roggen für Rechnung des Staats 
in den Provinzen Ost- und Westpreußen und Posen angewiesen^. Darauf 
hin sind im Regierungsbezirk Königsberg vom Juli 1821 bis Dezember 1823 
146728 Scheffel angekauft und in Königsberg, Pillau, Wehlau, Tapiau, 
') CO. v. 7. Juni 1821. — Zum folgenden: Zusammenfassender Bericht des 
Regierungspräfideuten Baumann in Königsberg v. 3. Jan. 1824. Geh. St. A. 77, 
215, 31 vol. I. — Korrespondenz Lottums, Schöns und Hippels: Danzig St. A. 
161, 573.
	        
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