Begrüßungen durch Briefe und Telegramme. 265
wird diese Forderung nicht anerkannt, wie u. a. die Stellungnahme der
Frauenliga beweist.
Einmütig aber sind wir in der Überzeugung, daß das Verhältnis der
weißen zu den farbigen Rassen eines der wichtigsten Probleme der Friedens-
sicherung ist und nach Aufräumung unter vielen veralteten Vorurteilen
verlangt, ferner in der Forderung, daß für die Kolonialverwaltung und für
die Entwicklung der heute in Abhängigkeit lebenden Völker zur Selbständig-
keit nur die Interessen dieser Völker selbst und nicht die der Kolonialmächte
bestimmend sein dürfen. Auch hoffe ich, in Übereinstimmung mit allen
Kartellmitgliedern zu sein, wenn ich für uns Pazifisten als unerträglich be-
zeichne, daß, während blutige Kriege, wie z. B. in Syrien und Marokko,
geführt werden, der Völkerbund mit verschränkten Armen danebensteht,
unter Umständen durch seine Satzungen verhindert, irgendwie einzugreifen.
So ist trotz der angedeuteten Meinungsverschiedenheiten doch eine breite
Grundlage gemeinsamer Anschauungen vorhanden, und ich darf der Hoff-
nung Ausdruck geben, daß eben in dieser Richtung dessen, was uns gemein-
sam ist, der Kongreß nützliche Arbeit leisten wird.“
Das Zentralkomitee der 1.A.H. begrüßt den Brüsseler Kongreß wie folgt:
„Die Internationale Arbeiterhilfe, die 15 Millionen Frauen und Männer
in allen Ländern vereinigt, entbietet dem Kongreß in Brüssel herzliche Grüße.
Die Internationale Arbeiterhilfe ist stolz darauf, daß ihre einzelnen Sek-
tionen bei dem Zustandekommen des Kongresses tatkräftige Hilfe geleistet
haben. Unsere Organisation wird auch in Zukunft alles tun, um den schweren,
aber notwendigen Kampf gegen Imperialismus und nationale Unterdrückung
mit allen Kräften zu fördern und zu unterstützen.
Es lebe die Vereinigung aller unterdrückten Völker, Rassen und Menschen!
Es lebe der erste Kongreß gegen Imperialismus und nationale Unter-
drückung!“
Ernst Toller richtet an den Kongreß folgende Zeilen:
„Der Kongreß von Brüssel ist ein welthistorisches Ereignis. Zum ersten
Male in der Geschichte treffen sich die Delegierten der in mannigfachsten
Formen unterdrückten Völker mit den Delegierten des werktätigen Volkes
der imperialistischen Staaten, um gemeinsam Möglichkeiten und Wege ihrer
Befreiung zu beraten.
Brüssel hat eine gigantische Aufgabe: Hier muß das Fundament des
wahren Völkerbundes geschaffen werden. Der Völkerbund von Genf wird
sterben, denn er will 1919 verewigen, er will die Macht der Starken noch mehr
stärken, die Fesseln der Schwachen und Unterdrückten noch enger schnüren.
Der Völkerbund von Brüssel wird leben, in ihm schlägt der Puls der
Zukunft: Die freie brüderliche Menschheit.“
An