Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 517
ist dieser im eigensten und ausschließlichen Interesse des
Herrscherhauses wichtigste Punkt schon sehr früh und energisch
von Kaiser Maximilian J. ins Auge gefaßt worden. Aber ihm
stellte sich seit dem Jahre 1564, seit dem Tode Kaiser
Ferdinands J. ein Hindernis entgegen, das noch bis in die
Zeiten Josefs J. hin hemmend gewirkt hat. Man weiß nicht,
aus welchen Gründen derselbe Ferdinand J., der immer so
eifrig bemüht gewesen war, zu zentralisieren, schließlich selbst
gegen den Willen einzelner Landschaften seines Reiches eine
Teilung der deutschen Erblande unter seine Erben angeordnet
hat. Genug, nach seinem Tode erhielt sein ältester Sohn, der
spätere Kaiser Maximilian II., neben Böhmen und Ungarn
nur die beiden sterreich als Erbe, während von den jüngeren
Söhnen Ferdinand das mittlere Tirol nebst den Vorlanden
am Rhein und Karl die sogenannten innerösterreichischen Länder,
Steiermark, Kärnten und Krain nebst Görz zugeteilt wurden.
So entstanden denn drei Linien in den Erblanden, wenn auch
Maximilian II. die Gesamtvertretung des Reiches nach außen
erhielt, und erst im Jahre 1619 vereinigte die jüngste dieser
Linien unter Ferdinand II., dem Sohne Karls, nach dem
Wegfall der beiden älteren wieder den Gesamtbesitz des Hauses.
Natürlich war die Folge dieser Erbteilung wie eine Unter⸗
brechung der Zentralisationsbestrebungen überhaupt, so vor
allem der Verfall der bisher mühsam entwickelten Zentral—
instanzen des Gesamtstaates: von nun ab gab es nicht bloß
bis zum Jahre 1619, sondern noch auf viel längere Zeit im
Grunde neben der niemals beseitigten ungarischen Zentrale und
der noch sehr selbständigen böhmischen Zentrale in Prag drei
erbländische Zentralen in Wien, Junsbruck und Graz, und die
beiden letzteren wurden erst später, im Verlauf des 17. und
18. Jahrhunderts wieder zugunsten Wiens eingezogen.
Rechnet man nun zu diesem Hindernis noch das weitere,
das sich freilich in fast allen absoluten Monarchien wiederfand,
daß die Ausbildung der Zentralstellen im hohen Grade von
dem Charakter, der Willenskraft und der Arbeitsfreudigkeit des
seweils regierenden Monarchen abhängig war, so begreift man,