2. Wesen, Geschäfte und Arten der modernen Banken. 273
und auf bestimmte Zeit gewährt. Die von den Kunden jeweils erhobenen Summen,
die sein Kreditkonto belasteten, kehrten im Konto ad numeratum zunächst als Gut
haben wieder.
Allein solche 8vripta wurden in der Regel nicht ohne weiteres gewährt, die
Regel bildete das Lombardgeschäft. Waren, Wertsachen, Anteile an der Staatsschuld
wurden zu einem bestimmten Preise als Pfand genommen und, wenn der Schuldner
bei Ablauf des Termines nicht für anderweitige Deckung sorgte, behalten.
Auch Wechselgeschäfte betrieben die Banken. Allerdings unterschieden
sich diese von den heutigen wesentlich. Die Banken diskontierten keine Wechsel, da
die Form des Jndofsierens erst im 17. Jahrhundert mit dem Verfall der Wechsel
messen üblich wurde. Dagegen wurden die Wechsel zur Remittierung von Geldern
benutzt. Man zog ferner Wechsel, um sich Kredit zu verschaffen, und man gewährte
sog. Akzeptkredit, indem man sich beziehen ließ, wobei der Aussteller des Wechsels
vom Remittenten sofortige Zahlung empfing.
Der Wechsel spielte für den mittelalterlichen Handel bei der Schwierigkeit des
Geldtransportes, der zudem meist durch Ausfuhrverbote für Edelmetall erschwert
war, die größte Rolle. Paccioli nennt ihn das Meer des Handels, ohne den das
Schiff der Handlung nicht fahren könne.
2. Wesen» Geschäfte und Arten der modernen Banken.
Von Eugen v. Philippovich.
v. Philippovich, Grundriß der politischen Ökonomie. 1. Bd. 9. Ausl. Tübingen,
I. C. B. Mohr (Paul Siebeck), 1911. S. 327—332.
Wesen der Banken. An die Stelle einzelner Privater, welche sich mit
dem Geldwechselgeschäft und der Kreditgewährung abgaben, sind im Laufe der Zeit
Organisationen getreten, deren Grundlagen durch besondere landesfürstliche Privi
legien oder durch besondere Rechtsvorschriften geschaffen wurden. Die äußeren
Formen, in denen diese Organisationen entstehen, und die besonderen Zwecke, welche
sie verfolgen, sind außerordentlich mannigfaltig, so daß sich als gleichartiges Merk
mal nur hervorheben läßt, daß sie die Aufgabe haben, Kapital dritter Personen in
bestimmten Formen heranzuziehen und es dann durch Kreditgewährung zu verwerten,
also selbst Kredit zu nehmen, um Kredit geben zu können. Dabei ist natürlich das
Bestreben stets das, durch die Kreditgewährung mehr zu verdienen, als die Aufnahme
des Kredites, in dem die Anstalt Schuldnerin wurde, gekostet hat. Man hat sich
gewöhnt, solche Anstalten als Kreditanstalten, allgemeiner als Banken zu be
zeichnen. Sie werden von öffentlichen Körperschaften eingerichtet oder von Privaten
in Form von Aktiengesellschaften, Genossenschaften, Gesellschaften mit beschränkter
Haftung usw. betrieben und haben den Bankier fast ganz verdrängt. Nur einige
wenige „Bankhäuser", d. h. Private, welche Bankgeschäfte im großen betreiben, gibt
es in den kontinentalen Volkswirtschaften. In England und namentlich in den Ver
einigten Staaten spielen sie eine größere Rolle, doch haben sie hier in der Regel
für ihren Geschäftsbetrieb Aktiengesellschaften gegründet, in welchen sie die Mehr
heit des Kapitals in Händen haben.
Die Banken find ursprünglich Händler, Händler mit Geld, Kredit und Wert
papieren, die Forderungsrechte repäsentieren, wie Aktien, staatliche Schuldver
schreibungen, Wechsel u. dgl. Sie sind Sammelpunkte der von den Besitzern nicht
selbst zu verwertenden Kapitalien und der zu Zahlungszwecken zu verwendenden
Barbeträge und vereinigen dadurch große Kapitalien in ihrer Verwaltung, so daß
Mollat, Volkswirtschaftliches Quellenbuch. 4. Ausl, 18