Mitteln nicht allzu wählerisch zu sein, die Wonne des Leerens zu ge
nießen. Während wir also unter dem gegenwärtigen System das kleinere
Übel gelegentlicher Mißgriffe bei Wahlen erdulden müssen, schirmt es
uns gleichzeitig gegen entwürdigendes Feilschen und Markten, gegen
Bestechung und andere Arten des Bettels um Majoritäten, was alles der
Bekanntmachung der Resultate der Hauptwahl folgen und bis zum
Schluß der Stichwahl anhalten würde. Die Macht des politischen
Mechanismus, der im Dunklen arbeitet, wird zu einer Gefahr; könnte
er das bekannte Zahlenmaterial der Hauptwahl verwenden, so müßten
sich seine dunklen Seiten noch um viele Grade tiefer nuancieren. Wir
wehren die widerlichen Ergebnisse des Parteihasses ab, wie sie in
Belgien, durch das Stichwahlsystem begünstigt, zutage treten, wo
Liberale für die Katholiken stimmten, um die Sozialisten zu ärgern,
und die Sozialisten Katholiken wählten, um die Liberalen zu krän
ken (1894 und 1896). Wir schützen uns gegen das bedenklichere
Übel, daß die Gewalt kleiner Koterien geistig beschränkter Wähler,
die irgendein eigenes Elixir über die allgemeine Wohlfahrt stellen —
oder vielleicht auch nicht intelligent genug sein mögen, zu erkennen,
daß sie dies wirklich tun —, bei der Stichwahl darüber entscheiden
soll, wer von zwei Konkurrenten in das Parlament zu senden sei, um
un der Regierung des Reiches teilzunehmen. Alle diese Übelstände
sind heute schon vorhanden, nur daß ihnen die Einführung der Stich
wahl neue Wirkungsmöglichkeiten eröffnen und eine erweiterte Macht
sphäre verleihen würde.
Wenn auch unser heutiges System hinfällig und veraltet ist, so wird
doch ein System von Stichwahlen, möge es nach außen immerhin den
Eindruck einer mechanischen Verbesserung machen, weder den wirk
lichen Fortschritt erleichtern, noch den demokratischen Willen in
seiner politischen Ausprägung befestigen, noch die politische Urteils
kraft erhöhen: ja wahrscheinlich wird es durch die konzentriertere
Reizbarkeit und durch das intensivere Schachern und Handeln, die
bei Wahlen erzeugt werden, die parlamentarische Vertretung noch un
genauer als heute gestalten.
Nun sind dem Stichwahlsystem, das lange Zeit als der einzigste
praktische Ausweg gegenüber unserem bestehenden Wahlsystem be
trachtet wurde, auch in den Verteidigern der Verhältniswahl Kritiker
erstanden. Einst war das Proportionalwahlsystem, das zuerst von Herrn