Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

— 51 — 
seiner Arbeit meistens sehr hohe Ausfuhrzölle zu entrichten hatten, 
z. B. Butter, Käse, Fleisch, Hanf, Flachs, was natürlich den Ab- 
satz beschwerte und verteuerte, es gab noch eine ganze Reihe 
weiterer direkter Belastungen, die auf der Landwirtschaft ruhten?). 
Die Städte, voran Amsterdam; haben nament- 
lich iniden ersten Zeiten der Republik gern 
Lasten; die ihnen unbequem waren, auf das 
platte Land abgewälzt und’ damit. zum Teil 
die Verarmung des letzteren befördert: das 
nötigte 1612 die Staaten von Holland zu einer Befreiung des Landes 
vom 50. Pfennig?). An erster Stelle unter den direkten Lasten 
stand die Grundsteuer, die von unbeweglichen Gütern im 
weitesten Umfange, von dem Haus und Hof bis auf den Backofen, 
den Fischereien, Windmühlen, Fähren, Herdgeldern, überhaupt allen 
Herren- und Nutzrechten jeder Art erhoben wurde. Doch war 
die Grundsteuer in allen Provinzen verschieden?). In Holland 
wurde sie 1632 auf den 5. Pfennig des Pachtwertes der Ländereien 
und den 8. Pfennig des Mietwertes der Häuser und Mühlen, 1732 
auf den 12. Pfennig festgesetzt). In Seeland waren die Lände- 
reien nach der Fruchtbarkeit in 7 Klassen geteilt, die 34—52 Stüver 
per Morgen zahlten; dazu kamen die ‚‚Statenpenninge‘, meist 
der 200. Pfennig nach demselben Anschlag, sodann noch recht 
hohe Abgaben für Wasser und Deiche; außerdem eine Steuer auf 
Häuser, Mühlen und Zehnten. In Overyssel bestand eine 
Grundsteuer von 15 Stüvern für jedes ausgesäte Malter und für 
Ländereien auf Geldpacht der 7. Pfennig. Ferner bestanden Ab- 
gaben, die beim Eigentumsübergang von unbeweglichen Gütern 
und den ihnen gleichgestellten Rechten zu entrichten waren. In 
Groningen wurde 1632 eine allgemeine Grundsteuer einge- 
führt, die 1650 auf den 5. Pfennig der Jahresmiete für Häuser und 
Ländereien festgesetzt wurde. Ein sog. Pferdegeld, dessen Höhe 
!) Blink, Geschiedenis, II, 229 f.; die zahllosen kleinen und großen Ab- 
gaben verschiedenster Art, die den Landmann trafen, zählt auf Sickenga, 
Bijdrage, S. 336 ff. Über die hohen Belastungen der Landwirtschaft Hogen- 
dorp, I, 27ff. 
?) Elias, Regentenpatriciaat, S. 74. 
3) Vgl. Sickenga,S. 331 ff.; schon 1610 bei Blok, Rel. Venet., S. 51. 
*‘) Blink, a. a. O., S. 233. In schlechten Zeiten ging die Grundsteuer 
mangelhaft ein; so klagte 1667 van der Goes (Briefwisseling, S. 268). 
Ä N
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.