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die Preise für die Winterkartoffeln wären nach allgemeiner An
sicht mit 4 Mark, höchstens mit 4,50 Mark pro Zentner von
Konsumenten sehr reichlich bezahlt. Wir bitten, die Preise dem
entsprechend zu ändern, mindestens aber dafür zu sorgen, daß
der Höchstpreis 4,75 Mark frei Keller nicht übersteigen
darf. Wir bitten ferner, den Februarpreis ebenfalls
namhaft herabzusehen, nicht nur, weil er viel zu hoch ist, sondern
auch deshalb, weil er die Gefahr in sich birgt, daß im Herbst
die Kartoffeln wieder recht knapp geliefert oder gar zurück
gehalten werden. Schließlich kann auch starker Frost im Februar
das Oeffnen der Mieten verbieten und wie im vergangenen
Frühjahr aus diesem Grunde ein starker Kartoffelmangel ein
treten. Darum ist den Arbeitern im Herbst das Einkellern der
Kartoffeln in der vor dem Kriege üblichen Weise stärker zu er
möglichen.
Schließlich wollen wir nochmals, wie wir das anfangs Juni
schon in der Sitzung im Reichstag persönlich taten, dringend
bitten, den Verkauf der sogenannten Auslandsware zu höheren
Preisen für Händler, Private und Werke ganz zu verbieten. Ist
wirklich vom Ausland bezogene Ware nur zu höheren Preisen
erhältlich gewesen, so soll das Geschäft nur von der Zentral
einkaufsgesellschaft vollzogen und der Verkauf in gleichmäßigen
Quanten seitens der Gemeindeverwaltungen an die Konsumen
ten zuni Selbstkostenpreise vollzogen werden. Die Erfahrung
zeigt ja, welcher Unfug mit solcher oft nur angeblich vom Aus
land bezogener Ware von den Händlern und Privatleuten ge
trieben wird. Es erregt auch das die ärinere Bevölkerung noch
besonders, wenn der besser bemittelte Bürger sich solch teure
Auslandswaren, seien es Fleischwaren, Butter, Mehl, Eier usw.
kaufen kann und der arme Mann bekommt nur seine ungenügende
Nation. Oft kann er diese nicht einmal erhalten, während der
besser Bemittelte sich genügend solche oft nur angebliche Aus
landsware beschafft. Wir bitten dringend, diesen Unfug end
gültig zu beseitigen.
Mit hochachtungsvollcm Glück auf!
(Folgen Unterschriften.)
Das Kriegsernährungsamt
Bezug auf diese Eingabe:
nahm in folgenden Schreiben
Berlin, den 21. August 1916.
An den Verband der Bergarbeiter Deutschlands, z. H. des Herrn
Vorsitzenden Sachse, M. d. R., in Bochum.
Auf die voni Verband der Bergarbeiter Deutschlands gemeinsam
mit dem Gewerkverein christlicher Bergarbeiter Deutschlands, der Pol
nischen Berufsvereinigung der Bergarbeiter und dem Gewerkverein
der Bergarbeiter (Hirsch-Duncker) an das Kriegsernährungsamt ge-