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gleiche Aufwand auf dem neuen Boden dagegen 90 einbringt, so
wird der Landwirt seinen Acker ausdehnen und eher den ärmeren
Boden bestellen, als zum intensiven Betrieb übergehen. Gewöhnlich
zieht die Bevölkerung es vor, den Boden zweiter, dritter, vierter
usw. Klasse zuerst zu bearbeiten, d. h. den Acker möglichst aus
zudehnen; nur wenn die Ausdehnung des Betriebes zu einer Ver
minderung des Ertrages führt, geht die Bevölkerung zu neuen
Kapitalaufwänden auf demselben Boden, d. h. zu intensiverem
Betrieb über. Es ist einleuchtend, daß man nicht zur Bebauung
des ärmeren Bodens übergegangen wäre, wenn die sukzessiven
Kapitalaufwände den gleichen Ertrag brächten. Mit anderen
Worten: wären die weiteren Kapitalaufwände nicht minder er
giebig, so hätte eine extensive Wirtschaftskultur nicht existieren
können. Welchen Sinn hätte es denn, den ärmeren Boden zu be
stellen, wenn man durch neue Kapitalaufwände auf dem reicheren
Boden einen höheren Ertrag erhalten könnte? Wenn nun eine
extensive Wirtschaft besteht, wenn nicht bloß der fruchtbarste,
sondern auch der minder fruchtbare Boden bebaut wird, so folgt
daraus, daß die neuen Kapitalaufwände auf den reicheren Böden
geringere Erträge abwerfen, als die ersten Kapitalaufwände auf
dem ärmeren Boden. Allerdings gibt es Grundstücke (besonders
in Mittelasien und teilweise auch in Europa), auf denen man von
vornherein bedeutende Kapitalien aufwenden muß, um sie kultur
fähig zu machen. Diese Grundstücke können jedoch nicht als
Grundstücke der ersten Klasse betrachtet werden, obgleich sie bei
großen Arbeits- und Kapitalaufwänden reiche Ernten liefern. Zu
diesen gehören u. a. die, die künstliche Ent- und Bewässerung
fordern. Diese können nur intensiv bewirtschaftet werden. Aber
erstens sind diese im Vergleich zu den Ländereien, die keine Be-
oder Entwässerung erfordern, als Böden zweiter, dritter, und vierter
Klasse zu betrachten; zweitens bilden sie eine Ausnahme, da sie
Weder die Getreidepreise bestimmen, noch auf die Höhe der Grund
rente ein wirken.
Es sei noch folgendes bemerkt: Für verschiedene Gewächse ist
eine verschiedene Kultur notwendig, d. h. verschiedene ursprüng
liche Kapital- und Arbeitsaufwände. So ist zur Gewinnung von
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