Object: Kapitalismus und Sozialismus

Arbeitslosigkeit und Krbeitrfreiheit 
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ihr ganzes Leben sicher, und auch im Alter und bei Arbeitsunfähig 
keit haben sie Anspruch auf Versorgung. Dem Lohnarbeiter fehlt 
diese Sicherung seiner ökonomischen Existenz. Er muß mit der Ge 
fahr rechnen, arbeitslos zu werden. $ik jeden, von dem wir hören, 
daß er stellenlos ist, beschleicht uns unwillkürlich Mitleid. Und dieses 
Mitleid hat seine tiefe Berechtigung. Die Arbeitslosigkeit ist eine 
schwere Gefahr für die Arbeiterbevölkerung. „Die große Mehrzahl 
der Menschen wird", wie G. von Schanz einmal treffend bemerkt, 
»durch den regulären Gang der Beschäftigung und des Einkommens 
auf dem Wege des Guten erhalten, und sie strauchelt, sobald dieser 
Gang unterbrochen wird und die Not an die Tür klopft." 
Es ist daher sehr verständlich, wenn das Mitleid, das wir mit 
jedem Arbeitslosen empfinden, leicht in Entrüstung über den bru 
talen Unternehmer, der angeblich nach seinem Belieben den Ar 
beiter aufs Pflaster wirft, oder auch in leidenschaftlichen Anklagen 
gegen die ganze heutige Wirtschaftsordnung, die den Arbeiter von 
Seit zu Zeit arbeitslos werden läßt, sich Luft macht. Vas aber ist 
gerade die Hrage, die hier aufgeworfen werden muß: Ist die Er 
scheinung der Arbeitslosigkeit wirklich ein genügender Grund, um 
über die ganze heutige Wirtschaftsordnung den Stab zu brechen? 
Mer sich hierüber ein Urteil bilden will, der muß vor allem von 
dem Umfang, in dem in der modernen Volkswirtschaft Arbeits 
losigkeit herrscht, sowie von den gesellschaftlichen Zusammenhängen, 
die sie Hervorrufen, eine richtige Vorstellung haben. Und weiter 
Muß er vor allem auch darüber sich klar sein, unter welchen Vor 
aussetzungen einzig und allein denkbarerweise eine Beseitigung der 
Arbeitslosigkeit erreicht werden kann. Die Kritik an einem sozialen 
System hat ja überhaupt nur dann Sinn und Berechtigung, wenn 
Man das andere soziale System, das notwendig an die Stelle des 
abgelehnten treten müßte, nach seinen Eigenschaften mit zum ver 
gleich heranzieht. Jede Kritik, die eine soziale Einrichtung verurteilt, 
ahne aber sich darum zu kümmern, wie das soziale System beschaffen 
sein würde, das allein an die Stelle des bekämpften treten kann, ist
	        
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