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Futtermittel.
E. Kayser 1 ) konnte jedoch diese Ergebnisse nicht bestätigen; er erhielt z. B.
für gut backfähiges Mehl nach vorstehendem Verfahren mehr Maltose, als für schlecht
backfähiges Mehl.
Fr. Günther 2 ) berücksichtigte außer der Maltose nach dem Verfahren von
Halenke und Mößlinger auch noch die ursprünglich vorhandene Menge Maltose
(bezw. Zucker) und die freie Milchsäure. Für die Bestimmung der letzteren wurden
10 g Mehl mit einer gleichen Menge gereinigten Sandes in einer Eeibschale innig
gemischt, in eine Papierhttlse gebracht und in einem So xhl et sehen Fettextraktions
apparat 12 Stunden mit absolutem Alkohol ausgezogen; man bringt die Lösung auf
100 ccm und bestimmt in der einen Hälfte nach Verjagen des Alkohols die Menge
Zucker (auf Maltose berechnet) nach Allihn-Soxhlet, in der anderen Hälfte die
freie Säure (als Milchsäure berechnet), indem man sie mit Lackmustinktur ver
setzt, so lange kocht, bis keine Farbenveränderung mehr statthat, und wie üblich
titriert. Günther fand auf diese Weise:
Roggen, ausge-
Roggenmehl
gut:
wachsen (Mehl nicht
Weizenmehl,
gut;
backfähig);
Bestandteile:
Nied-
Nied
rig st-
Nied-
Höchst-
Mittel
Höchst-
Mittel
Höchst-
Mittel
gehalt
geh alt
gehalt
geh alt
ge halt
geh alt
%
01
Io
°/o
•/0
°/o
°/o
°/o
°/o
01
10
Milchsäure
0,023
0,045
0,036
0,059
0,112
0,004
0,023
0,011
Maltose (ursprünglich) .
0,176
0,318
0,210
0.512
1,09
—
0,036
0,106
0,053
Maltose (gebildet) . .
32,6
47,7
—
48,2
51,3
—
11,9
34,0
—
Hiernach zeigt das nicht backfähige Mehl aus ausgewachsenem Roggen aller
dings mehr Milchsäure, 3 ) auch mehr Maltose, sowohl ursprünglich vorhandene, als
auch durch Säuerung bezw. Diastase gebildete; indes sind die Unterschiede so ge
ring, daß sich hierauf kein Unterscheidungsverfahren zwischen backfähigem und
nicht backfähigem Mehle gründen läßt.
M. Märckor hat daher an Stelle aller dieser Verfahren den „zunftgerechten“
Backversuch nach allen Regeln der Praxis in einem wirklichen Backofen gesetzt,
während U. Kreusler 4 ) einen der Praxis nachgeahmten Backversuch im kleinen,
wie folgt, ausführt:
25 g des zu prüfenden Mehles, 12,5 g Wasser, 0,6 g gute Preßhefe und
0,3 g Kochsalz werden in einem passenden Schälchen sorgsam und unter Ver
meidung eines jeglichen Verlustes gemischt, indem man erst Hefe und Kochsalz im
Wasser verrührt und dann das Mehl allmählich hinzufügt. Man bedient sich
anfangs eines Spatels, später, zum besseren Durchkneten, der Hände; um Verluste
durch Anhaften zu vermeiden, wird etwas Mehl aufgehoben, mit welchem man die
anhaftenden Teilchen losreibt.
') Korrespondenzbl. d. freien Vereinigung bayer. Vertreter d. angew. Chemie 1885, No. !!•
2 ) Mitteil, aus dem pharmaz. Institut in Erlangen von A. Hilger, 1889, 2.
8 ) Bailand (Recherohes sur les blbs, les farines et le pain, Paris & Limoges 1894»
150) findet in altem Mehl ebenfalls mehr Säure, weniger Fett und Kleber, welcher
dabei zum Teil in Wasser löslich wird, z. B.:
Säure Fett Kleber
Mehl, 1 Monat alt ... 0,025 °/ 0 . 1,02 °/ 0 3,5 °/ 0 .
„ 4 Jahre alt . . . . 0,054 „ 0,20 „ 2,6 „
Außerdem sollen sich in altem Mehl Alkaloide bilden.
4 ) Nach „Die Mühle“ 1887, No. 35 in Centralbl. f. Agrikultur-Chemie 1887, 16, 733.