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unseren modernen, besonders christlichen Anschauungen von Menschen-
würde und individueller Freiheit zuwider ist, bedarf keiner weiteren
Ausführung,
Ein zweiter Versuch, ein Staatsideal aufzustellen, welcher hier in Utopia des
Betracht kommt, taucht erst im 16. Jahrhundert in der berühmten Th. Morus
„Utopia“ von Thomas Morus, dem Lordkanzler Heinrichs VIII,
auf. Der Verfasser war geboren 1478 als Sohn eines der höchsten
Richter des Landes, er starb auf dem Schafott 1536 als Opfer seines
unbeugsamen Rechtlichkeitssinnes, mit dem er dem König entgegentrat.
Sein erwähntes Werk erschien 1516 in Löwen unter dem Titel: Li-
bellus vere aureus nec minus salutaris quam festivus de optimo rei-
publicae statu deque nova insula Utopia.
Thomas Morus lebte in einer Zeit, wo sich ebenso wie zur
platonischen der Gegensatz zwischen arm und reich besonders scharf
erweitert hatte, Der Grund und Boden war zum großen Teil in der
Hand einer kleinen Zahl von Männern konzentriert, die in der rück-
sichtslosesten Weise die Verwertung ihres Besitzes nur im eigenen
Interesse und vielfach zum Schaden der Gesamtheit durchführten. Be-
sonders wurde beobachtet, daß die Bauern verdrängt und die Aecker
in große Schaftriften und Jagdgründe verwandelt wurden, so daß sich
Heinrich VIIL genötigt sah, mit strengen Maßregeln dagegen Yorzu-
gehen. Außerdem waren durch die Konfiskation der Klöster und
Kirchengüter, aus denen bis dahin Massen von Armen unterhalten
waren, viele Tausende um den bisherigen Unterhalt gebracht, die nun
als Bettler im Lande umher vagierten. Auch hier suchte Heinrich VIII.
durch Gesetzgebung, und zwar durch übermäßig strenge Bestrafung
des Bettelns und Stehlens, vergeblich zu steuern. Der dritte Uebel-
stand, der zwar nicht neu war, aber schärfer als bisher erkannt wurde,
war die große Zahl der Müßiggänger in dem Hofstaate der Fürsten
und Großen, die auf Kosten der Gesamtheit erhalten werden mußten.
Aehnlich wie Plato und unzweifelhaft durch ihn angeregt, suchte
Morus in seinem Idealstaate zu zeigen, wie die Bevölkerung durch
Erziehung und durch eine ganz neue Organisation von den Schäden
befreit werden könne, gegen welche die Gesetzgebung sich unwirksam
erwies. Er stellt sich dabei auf den christlichen Standpunkt und geht
umgekehrt wie Plato von der Familie als Grundlage auch des
Staatswesens aus. Bedeutsam ist dabei, daß auch er nicht ohne
Sklaven auszukommen vermag und nur kleine Staatsgebilde zur Grund-
lage nimmt.
Auf einer Insel der südlichen Halbkugel „Utopia“ sind 54 etwa
eine Tagereise von einander entfernte kleine Städte von 6000 Familien
gedacht, die in jeder Hinsicht gleiche Sitten und Einrichtungen haben,
An der Spitze jeder Familie steht der Aelteste als Leiter. Je 30
Familien wählen jährlich einen Syphogranten als Oberhaupt. 10 der-
selben wählen wiederum einen Vorsteher, den Traniboren, und diese
den Fürsten, der lebenslänglich das Amt erhält. Die Traniboren sind
wieder wählbar nach Ablauf ihres Amtsjahres, die Syphogranten nicht
unmittelbar. Die der Landwirtschaft obliegende Bevölkerung wird in
Familien zu 20 männlichen und 20 weiblichen Personen und zwei
Sklaven geteilt, die unter einem Hausvater und einer Hausmutter
stehen. Die gemeinsamen Angelegenheiten der ganzen Insel werden
von einem Senate geleitet, zu dem jede Stadt drei Abgeordnete aus
den weisesten Männern schickt. Privateigentum existiert nicht. Pro-
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