Object: Die Entwicklung der Weißgerberei

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ohne Mantel, Hut oder Kragen für des äußersten Meisters Hauß 
gehen; es sei denn, daß einer Walckgeschäft zu verrichten hätte, soll 
selbiger des Mantels überhoben sein" 1 ). Ähnlich lautet die Bestimmung 
für den Werktag; ähnlich, nur noch eingehender, sind die Bestimmungen 
1671: Es soll keiner ohne Mantel oder Degen oder mit bedecktem Haupt 
im Handwerk erscheinen. Der „Umbschaugesell" soll nicht ohne Mantel und 
ohne Degen einem fremden Gesellen umschauen oder das „Glaidt" geben. 
Es soll keiner an Sonn- oder Feiertag ohne Mantel oder Degen vor des 
äußersten Meisters Haus gehen. Es soll keiner am Werktag „ohn Schurtz, 
Huet oder Kragen", oder mit „kallichtem Gesicht, Händt oder Schuehen" 
vor des äußersten Meisters Haus gehen. Abbildungen von Rotgerbern 
finden sich im Kupferstichkabinett des Germanischen Museums 2 ); die Zunft 
mitglieder hatten stets die wichtigsten Abzeichen ihres Handwerks mit 
sich zu führen, so auch beim Heiratsantrag. Der Anzug des Gerbers 
besteht aus Halbschuhen, langen Strümpfen, kurzen Hosen, kurze Schürze, 
Weste, Rock und Zipfelmütze. In der Hand hält er das Schabeeisen. 
An Handwerksladen, welche den vornehmsten Besitz des Handwerks 
bildeten, findet sich eine von Rotgerbern bei Herrn Gerbereibesitzer 
Walther in Langenzenn, eine andere im Rothenburger Ortsmuseum, eine 
Weißgerberlade beim Obermeister der Gerberinnung Kirchenhain 2 ). 
Ein prachtvoller silberner Pokal des Nürnberger Rotgerber-Hand- 
werks befindet sich im Besitze von Herrn Antiquar Christian Wohlbolt 
zu Nürnberg, Augustinerstraße. 
Ein steinerner bauchiger Krug des Weißgerberhandwerks zu Kirch- 
hain steht beim Obermeister dieser Innung; der Krug ist aus grauem 
Steingut gefertigt, er faßt etwa 15 Liter und trägt die Aufschrift: „Das 
Weiß- und Sämisch Gerber Gewerck in Kirchhain 1856." Diese Auf 
schrift ist in der für Steinkrüge üblichen blauen Farbe angebracht. 
Beim Obermeister in Kirchhain befindet sich aus dem Jahre 18t 1 
auch noch ein eiserner Stempel zum Zeichnen der Felle; der Stempel 
zeigt weiter nichts als die nebeneinander stehenden Buchstaben DWHIK 
(Das Weißgerber Handwerk in Kirchhain). 
Hingewiesen sei bei dieser Gelegenheit noch auf mehrere gestochene 
Holzmodeln im Rothenburger Ortsmuseum, welche dazu dienten, dem 
Leder Zeichnungen aufzupressen. 
Unter den Bronzeepitaphien aus Nürnberger Friedhöfen findet sich 
das eines Lederers aus dem 16. Jahrhundert im Germanischen Museum 
mit der Aufschrift „Augustin Kolb Lederer". 
Endlich sei noch erwähnt, daß die Nürnberger Weißgerber einen 
9 Augspurg ca. 1800; Augsburg 1671, 7, 19, 25, 26. 
*) Siehe auch Jörissen 1909, S. 18, Bild 54. 
3 ) Siehe Einfalt 1910, S. 81; Königsberg 1737, XI, XII; Frisius 1708, S. 430.
	        
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