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und Umgebung, dann Paris und Vendome in Frankreich x ); im 18. Jahr
hundert wird uns noch genannt Rom für Italien, dann Spanien 2 ),
Wien und Prag für Österreich, endlich Berlin, Magdeburg, Halle,
Dresden, Erlangen und andere für Deutschland. Das Mutterland
einer durchgebildeten Glaceindustrie aber ist Frankreich. Wir haben
ja gesehen, wie dort die Glacegerberei erst im Anschluß an den ge
steigerten Verbrauch von feinen Handschuhen sich mächtiger entfaltet
hat; Frankreich zur Zeit Ludwigs XIV. bildete, was Feinheit und
Raffiniertheit der Kultur anlangt, das Vorbild Europas, und darum
ist Frankreich im 16. und 17. Jahrhundert auch der Hauptsitz der
Glacelederindustrie. Damit haben wir die bedingenden Momente für
den Standort der Glacclederindustrie überhaupt gefunden. Wir werden
sehen, daß die Glacelederindustrie eine Industrie der Kulturzentren ist,
und daß sie stets in enger Verbindung mit der Handschuhindustrie auf
tritt. Es ist also der Absatz, welcher hier vornehmlich für den Standort
bedingend ist. Bevor wir aber diese Verhältnisse für Deutschland be
trachten, wollen wir uns noch kurz über die wichtigsten Weiß
gerbereigebiete des Auslandes orientieren.
Das bedeutendste Handschuhproduktionszentrum des europäischen
Kontinents, und darum auch das bedeutendste Zentrum der Glacegerberei ist
der Distrikt von Grenoble in Frankreich. In Österreich ist auch heute noch mit
an erster Stelle unter den europäischen Hauptsitzen zu nennen Prag und
Wien, in Spanien Cadix, dann Belgien und Holland; das Brüsseler Leder,
ein gefärbtes, alaungares Handschuhleder, war schon um die Wende
des 18. Jahrhunderts berühmt; endlich sei noch auf die russischen
glacegaren Fohlenfelle zur Handschuhfabrikation hingewiesen ^). Wir
sehen, die Standorte der Glacclederindustrie sind in allen diesen Fällen
Hauptstädte, welche wegen ihrer feinen kulturellen Durchbildung auch
sonst einen europäischen Ruf genießen; diese Städte sind außerdem
Hauptsitze der Handschuhfabrikation. Dazu kommt aber noch ein drittes
Moment, nämlich die Art der Entstehung dieser Hauptsitze: nach fast
allen diesen Plätzen haben die vertriebenen Hugenotten den hier in
Frage stehenden Industriezweig gebracht, und es ist beachtenswert, daß
diese gleichen Plätze nicht nur bis heute die Hauptplätze geblieben sind,
sondern daß sich seitdem neue bedeutende Produktionszentren fast nicht
mehr eröffnet haben; auch dieser Punkt, das räumliche Beharren der
Industrie durch Jahrhunderte schwerwiegendster Umwälzungen auf
politischem und technischem Gebiete, zeigt den streng konservativen Geist,
welcher, unbeirrt von Neuerungen, bis heute diese Industrie beherrscht.
Was sich verschoben hat, was veränderlich ist, das ist nur die Be-
') Krünip 1780, Bd. XXI, S. 464; Maier 1901, S. 1 f.: Dumas 1846, S. 705.
ä ) Keetz 1820, S. 19, 37. *] Ledermarkt 1893, S. 1235 ff., 1300 ff.