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Schutz gegen die englischen Garne. Der geringe Zollschutz von
2 Talern für den Zentner würde reichlich ausgewogen durch die
günstigere Lage der englischen Fabriken für den Bezug der Rohstoffe,
durch billigeres Brennmaterial und vor allem durch billigere und
bessere Maschinen und größere Kapitalkraft. Unsere Maschinen-
industrie lag ja damals noch in den Windeln. Bis zum Jahre 1842
hatte die Garneinfuhr in das Vereinsgebiet die innere Garn
produktion um mehr als das Doppelte überstiegen. Dagegen hatten
es die Baumwollenweber unter den: Schutze eines Zolles von
30—50 Talern für den Zentner zu einem Export von 14—15 Will.
Taler gebracht. Diese Leute remonstrierten nun gegen Zölle auf
Baumwollengarne, weil sie diese als notwendiges Rohmaterial für
ihre Manufaktur ansahen. Sie hatten in Preußen den Geh. Rat
Kühn mit seiner gewandten und kundigen Feder auf ihrer Leite,
der herausrechnete, daß die Baumwollwebereien mehr Arbeiter be
schäftigten, als die Spinnereien. Das Exempel hatte nur das eine
große Loch, daß auch der geringere Betrieb Anrecht und zwar erst
recht auf Unterstützung hatte und bei einem entschiedenen Auf
blühen der Spinnereien doch auch die Webereien schließlich ihren
Vorteil erlangt hätten; denn dann wären die inländischen Garne
auch preiswürdiger geworden.
Das waren die Auspizien, unter denen am 1. Juli 1845 die
siebente Zollkonferenz zu Karlsruhe eröffnet wurde; sie währte bis
zum 23. Oktober, und obwohl sie refultatlos verlief, trug sie doch
dazu bei, die erhitzten Meinungen pro und contra Zollschutz ab
zukühlen und zu klären und vor allem die Überzeugung zu festigen,
daß auch solche wichtige Prinzipienfragen den Bestand des Zoll
vereins nicht erschüttern könnten und dürften. Bezeichnend war die
Anwesenheit vieler Fremder namentlich englischer Agenten, die sich
ungeheuer gefreut hätten, wenn bei dieser Gelegenheit der Verein
aufgeflogen wäre. Erfrechte sich doch der englische Gesandte Sir
Augustus Malet nach dem resultatlosen aber um so kampferfüllteren
Verlaufe der Konferenz die freihändlerifchen Mitglieder zu einem
„Siegesmahle" einzuladen. Bedenklich während dieser ganzen