Object : Die deutsche Zigarettenindustrie

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widmen  kann,  zum  Drehen  von  tausend  Zigaretten  durchschnittlich
acht  Stunden  braucht.  Eine  Heimarbeiterin  dürfte  aber  in  gleicher
Zeit  nur  in  äußerst  seltenen  Fällen  das  gleiche  Quantum  fertigstellen, ­
  denn  einerseits  kann  sie  sich  nicht  so  ungestört  wie  ihre
Kollegin  in  der  Fabrik  ihrer  Arbeit  widmen,  da  ihr  noch  mancherlei ­
  Verrichtungen  im  Haushalt  obliegen,  anderseits  würde  sie  selbst
bei  ungestörter  Arbeit  nicht  soviel  leisten  wie  eine  Fabrikarbeiterin,
da  ihr  das  zu  schneller  Arbeit  anfeuernde  Beispiel  anderer,  mit
ihr  zusammen  in  einem  Raume  beschäftigter,  Arbeiterinnen  fehlt.
Daß  letzteres  Moment  einen  großen  Einfluß  auf  die  in  der  Zeiteinheit ­
  gefertigte  Produktenmenge  ausübt,  ist  mir  ausdrücklich  mehrfach ­
  von  Heimarbeiterinnen,  die  früher  in  der  Fabrik  tätig  waren,
versichert  worden.
Die  meisten  Heimarbeiterinnen  verstehen  es  zudem  auch  nicht,
ihre  Zeit  richtig  einzuteilen.  Gewöhnlich  vertrödeln  sie  die  erste
Zeit  nach  Empfang  des  Materials  und  sitzen  dann  vor  dem  Lieferungstage ­
  die  ganze  Nacht  hindurch  bei  der  Arbeit.
In  einer  größeren  von  mir  besuchten  Dresdener  Fabrik  betrug
der  Durchschnitts-Wochenverdienst  der  Heimarbeiterinnen  6—8  Mk.,
in  anderen  Betrieben  habe  ich  keine  positiven  Ziffern  erhalten
können.  Käthe  Kalisky  gibt  in  ihrem  oben  zitierten  Buche  für
Königsberg  den  durchschnittlichen  Wochen  verdienst  der  Zigaretten-Heimarbeiterinnen
  auf  4—5  Mk.  an;  nur  bei  angestrengtester  Tätigkeit ­
  erreiche  derselbe  die  Höhe  von  8—9  Mk.  Es  gibt  wohl  auch
Heimarbeiterinnen,  die  einen  Wochenverdienst  von  10—15  Mk.  und
noch  mehr  ausgezahlt  erhalten,  doch  stellt  dieser  Betrag  dann  nicht
die  Entschädigung  für  den  Müheaufwand  einer  Person  dar.  Hier
hat  vielmehr  die  ganze  Familie  der  betreffenden  Heimarbeiterin
mitgearbeitet:  die  Fabrik  bucht  den  verdienten  Betrag  aber  nur
auf  den  Namen  derjenigen  Person,  die  das  Material  holt  und  die
gefertigten  Fabrikate  abliefert.
Ihren  Lohn  erhalten  die  Heimarbeiterinnen  in  der  Regel  s  o  -
fort  nach  Ablieferung  fertiger  Arbeit.  Die  für  Aus-  und  Rückgabe ­
  von  Heimarbeit  festgesetzten  Zeitabschnitte  sind  dabei  in  den
verschiedenen  Fabriken  verschieden  lang  bemessen.  So  erstrecken
sich  die  Lieferungen  in  kleineren  Betrieben  meistens  über  die  ganze
Woche.  In  größeren  Fabriken  hingegen,  in  denen  wegen  der
größeren  Zahl  der  hier  beschäftigten  Arbeiter  nicht  jeder  einzelne
zu  einem  ihm  genehmen  Zeitpunkt  abgefertigt  werden  kann,  finden
Ausgabe,  Lieferung  und  somit  auch  Bezahlung  nur  drei-,  zweioder
  gar  nur  einmal  wöchentlich  statt.
            
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