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kosten im Durchschnitt 98 Prozent betrügen. Das wurde ange
sichts der Geschäftsergebnisse des letzten Jahres seitens der Ver
treter der Arbeiter angezweifelt, weil dann im letzten halben
Jahre ein derartig hoher Niedergang der Rentabilität zu ver
zeichnen gewesen sei, daß er durch nichts seine Erklärung finden
könne. Daraufhin erklärte der Vertreter des Oberbergamts:
Es wäre tatsächlich so, sie hätten sich überzeugt. Die Lebens
mittelpreise seien gegenüber dem Vorjahre ganz gewaltig ge
stiegen, und dasselbe sei bei den Rohmaterialien der Braun
kohlenwerke der Fall.
In der Zwischenzeit ist seitens des Ministers für Handel
und Gewerbe die Zustimmung zur Erhöhung der Preise um
2,40 Mark die Tonne, einschließlich Steuer, gegeben worden.
Im Anschluß daran ging folgender Bescheid des Ministers ein:
* * *
Berlin W. 9, den 29. August 1918.
An die Bezirksleitung des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands
in T h a m m bei Senftenberg N.-L.
In Verfolg der Eingabe der Arbeiterverbände vom 18. d. Mts.
haben, wie dort bekannt, behördliche Verhandlungen mit den Vertretern
des Niederlausitzer Braunkohlenbergbaues stattgefunden, um von ihnen
die Zusage der Bewilligung einer Lohnerhöhung an ihre Belegschaften,
die aus dem durch die Preiserhöhungen gewonnenen Mehrerlöse gedeckt
werden soll, herbeizuführen. Die Werksvertreter wollten sich angesichts
des Standes der Selbstkosten ihrer Werke und deren ganzer wirtschaft
lichen Lage zu einer ziffermäßig bestimmten Lohnzusage mir gegenüber
nur unter der Bedingung bereit erklären, daß ihnen eine vom 1. Sep
tember d. Js. wirksame Preiserhöhung von 3 Mark je Tonne Briketts
zugestanden würde. Eine Preissteigerung in diesem Ausmaß verbietet
die allgemeine Lage.
Mit Rücksicht aus das mir nachgewiesene, erneute, erhebliche An
wachsen der Selbstkosten der Werke und auf die von den Werksvertreteru
anerkannte Notwendigkeit der Heraufsetzung der Bergarbeiterlöhne habe
ich mich mit einer Preissteigerung um je 2 Mark je Tonne Briketts
für den 1. kommenden Monats einverstanden erklärt. Daraufhin haben
die Werksbesitzer neuerdings mir gegenüber die Erklärung abgegeben, daß
sie im Zusammenhange mit der Preiserhöhung im weiteren Verlauf des
zweiten Halbjahres 1918 eine wirksame, die erneute Verteuerung der
Lebenshaltung der Belegschaften berücksichtigende Lohnsteigerung ein
treten lassen wollen, und haben die Gewährung eines Teiles dieser Lohn
steigerung für den 1. September d. Js. in Aussicht gestellt, während der
Rest bis zum Schluß 1918 durchgeführt sein soll.
Sollten sich wider Erwarten Meinungsverschiedenheiten über die
weitere Entwicklung der Löhne ergeben, so muß ich den Arbeiteraus-
schüffen überlassen, eine Nachprüfung der Angemessenheit der Löhne bei
den durch das Gesetz hierfür berufenen Stellen (Schlichtungsstellen, Ge-
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