wirtschaft eine Errungenschaft der Neuzeit. |
darüber, wenn wir bedenken, daß in der Neuzeit Länder mit viel
dichterer Bevölkerung nicht bloß den ganzen inneren Bedarf an
Getreide decken, sondern noch viel Getreide exportieren.
Die Erklärung für diese Erscheinung liegt in der unendlich
viel stärkeren Getreidevroduktion der Neuzeit. Jm Mittelalter
bestand ~ günstigstenfalls ~ die Dreifelderwirtschaft (gelegent-
lich auch die Zweifelderwirtschaft), bei der jedes dritte Jahr
das ganze Ackerland brach lag. Im Rahmen dieses extensiven
Betriebssystems wurde überdies das Land nicht einmal ganz
nach dem vorhandenen Wirtschaftsplan ausgenutzt, indem etwa
das zur Düngung bestimmte Land tatsächlich nur teilweise ge-
düngt wurde. Heute herrscht dagegen die Neunfelderwirtschaft
oder ein noch gesteigerteres Betriebssystem, und das intensive
Betriebssystem wird auch wenigstens annähernd in die Wirk-
lichkeit umgesetzt. Wenn nun bei den neueren Betriebssystemen
so sehr viel weniger Land brach bleibt, so ist es verständlich, daß
auf demselben Raum so sehr viel mehr Getreide produziert wird.
Es kommt hinzu, daß die Beackerung in der Neuzeit sorgfältiger
ist: mehr Pflugarbeiten innerhalb des Betriebssystems; stärkere
Anwendung der Düngung.
Die geringe Getreideproduktion des Mittelalters ist wohl mit
ein Grund, weshalb die Landtage sich damals über die Ausfuhr-.
verbote nicht aufregten.
Dieselben Erscheinungen, die wir in Deutschland im Mittel-
alter finden, begegnen uns im wesentlichen auch in den andern
Staaten des mittelalterlichen Abendlandes. Überall wird die Für-
sorge für die städtischen Interessen geübt; eine Politik des Schutes
der Landwirte läßt sich dagegen nicht beobachten. Hier und da
nehmen wir wohl einige Abweichungen wahr. In Italien wird
im Gebiet der kräftig aufstrebenden Kommunen von diesen zu-
nächst eine Art von Bauernbefreiung gegenüber den alten
Feudalherren durchgeführt. Sobald aber die Städte den ent-
scheidenden Sieg erlangt haben, richten sie ein neues Regiment
auf dem Lande auf. Die Agrarpolitik der italienischen Städte-
schaften ist bauernfeindlich. Der Landmann hat die Aufgabe,
für die Stadt zu arbeiten. Die Kommune als Ganzes und der
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