Nachdem ich also drei Tage dem Prozeß beiwohnen konnte,
wurde ich am vierten Tage verhaftet und ich sollte ein Protokoll
unterschreiben, daß ich von der Sowjetunion nach Rumänien geschickt
worden bin, wobei mir der Chef offen erklärte, wenn ich das unter-
schreibe, bin ich sofort frei, Außerdem sagte er wörtlich: „Sonst
werde ich Ihnen jede Art von Unbill antun.‘ Ich habe mich nicht ein-
schüchtern lassen und bin am selben Tage nach Hause geschickt
worden.
Ich bin damals zuerst allein als österreichischer Advokat auf-
getreten. Die Rumänen pfeifen auf Oesterreich und haben überhaupt
noch nicht richtig gewußt, was das vorstellt. Sie glaubten, mein Paß
sei gefälscht und daß ich kein Advokat bin.
Enthaftet wurde ich, nachdem tags vorher ein französischer Ge-
nosse und ein tschechischer Genosse, Dr, Stein aus Prag, angekommen
waren. Mir wurde auf der Siguranza gesagt, daß sie angekommen
sind und daß sie schon alles zugegeben hätten, - Der alte Trick,
Wie ich nachträglich erfahren habe, war es richtig, daß diese
beiden Kollegen angekommen waren, aber nicht wahr war, daß sie
verhaftet wurden, sondern sie wurden nur ausgewiesen.
Nun, die Kollegen waren eben nicht aus Oesterreich, sondern der
eine war sogar aus Frankreich, also aus einem Staat, der in Rumänien
einen ausschlaggebenden Einfluß besitzt und vor dessen öffentlicher
Meinung selbst Rumänien immerhin einigen Respekt hat.
Wenngleich die rumänische Regierung jede Auskunft über mich
verweigerte, so war den beiden Anwälten meine Verhaftung durch
einen Arbeiter, der in der Nähe des Hotels gearbeitet und meine Ab-
Führung durch einen Siguranzabeamten beobachtet hatte, doch be-
kannt geworden. Und die rumänische Regierung schlußfolgerte ganz
richtig: die beiden werden jetzt einen großen Skandal machen und die
Oeffentlichkeit für das Schicksal des verhafteten Kollegen inter-
essieren, .
Und an dem Tage, an dem tatsächlich die Wiener Advokaten
kamen und beim Minister des Aeußern intervenierten, bin ich ent-
lassen worden. Aber nicht infolge dieser Intervention bin ich aus
Rumänien weggeschickt worden, sondern weil die rumänischen Be-
hörden gewußt haben, daß eine Intervention kommen wird und um
nachher sagen zu können: was wollt ihr denn, er ist ja gar nicht
mehr hier.
Daraus ist die Lehre zu ziehen, wie man es machen muß, Wenn
man eine ausländische Intervention will, so muß sie sofort ankommen.
Dann weiter möglichst mehrere Advokaten, angesehene Persönlich-
keiten, aus möglichst mehreren Ländern unbedingt zugleich schicken,
damit die Regierung sieht, das ist eine internationale Aktion, es sind
Angehörige verschiedener Länder, da müssen wir vorsichtig sein.
Katayama-Japan:
Die Gesetze der juristischen Praxis in Japan sind meistens aus
Frankreich übernommen, doch in letzter Zeit sind sie auch den
Deutschen nachgeahmt worden, Erst unlängst wurde in Japan eine
Art Geschworenengericht eingeführt, doch bis jetzt wird es noch nicht
praktisch angewandt. Die Richter besitzen eine große Macht. Sie
önnen den Antrag eines Rechtsanwalts um Zeugenbeschaffung ab-
>