184 ZWEITER TEIL: DER VERKEHR
ein wichtiger Einfuhrplatz für die von der Ruhr-Industrie benötigten schwedischen
Eisenerze geworden ist. Es ist deshalb beabsichtigt, den Weg Rhein—Emden
für Schiffe von 1800 t Tragfähigkeit auszubauen.
Die weitaus wichtigste Wasserstraße Deutschlands und Europas, vielleicht
der verkehrsreichste Strom der Welt, ist der Rhein. Er hat
neben geringer Vereisung und verhältnismäßig gleichmäßigem Wasserstand
— Vorzügen, die mit seiner ozeanischen Lage und seiner Speisung
durch Hochgebirgs- und Mittelgebirgsflüsse zusammenhängen — den
weiteren Vorteil, von der Quelle bis zur Mündung durch dichtbesiedelte,
wirtschaftlich hochentwickelte Länder (Schweizer Mittelland, Oberrheinebene,
Rheinisch-Westfälisches Industriegebiet, Niederlande) zu fließen.
Ein großer Nachteil für Deutschland liegt allerdings darin, daß sein
Oberlauf und vor allem seine Mündung in fremden Staatsgebieten liegen.
Von vier europäischen Uferstaaten beschattet, mit etwa 50 Flußhäfen
an seinem Lauf und bedeutenden Seehäfen in seinem Delta, trägt
er jährlich allein auf deutschen Schiffen mehr als 80 Mill. t Güter auf
seinem Rücken. Seine Wassertiefe hat unter der beständigen Strompflege
der Uferstaaten, besonders des Deutschen Reiches, ständig zugenommen
und beträgt gegenwärtig bei mittlerem Niedrigwasserstand:
von der holländischen Grenze bis Köln 3,00 m
von Köln bist St. Goar. ... . . . 2,50 »
von St. Goar bis Straßburg. ... . .200,
so daß bis Köln sogar kleine Seeschiffe, bis Mannheim — 600 km von
der Mündung — Schiffe von 3000 t Tragfähigkeit verkehren können.
Bis Straßburg und Aschaffenburg am Main können während des größten
Teiles des Jahres die in der Rheingroßschiffahrt am meisten verwendeten
Fahrzeuge von 1000—1500 t Trägfähigkeit gelangen. Basel ist
gegenwärtig nur bei Hochwasser von der Rheinschiffahrt erreichbar. Es
ist aber Aussicht vorhanden, daß unter Zurückstellung der französischen
Sonderpläne, die einen Seitenkanal durch das Elsaß von Straßburg bis
Kembs wünschen, die von der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt
vorgeschlagene Schaffung eines Großschiffahrtsweges (mit mindestens
2 m Tiefe während 10% Monaten im Jahr) von Straßburg bis
Istein bei Basel zur Ausführung gelangt.
Bereits im Gange sind Bauarbeiten seitens der Schweiz und Badens,
die auch den Hochrhein, die Strecke von Basel bis Konstanz (168 km)
für Kähne von mehr als 1000 t Tragfähigkeit schiffbar machen, somit
diese Strecke der Rheingroßschiffahrt eröffnen werden. Dabei wird
die Stufe des Rheinfalls (26,7 m) durch zwei Gruppen von je zwei und
drei Schleusen überwunden werden. Durch die Neuregulierung werden
gleichzeitig jährlich rund 500000 PS oder 3 Milliarden KW- Stunden
elektrische Kraft in 14 Kraftwerken gewonnen, und außerdem werden
die Hochwasserschäden, die die sommerlichen Ausuferungen des Bodensees
verursachen, künftig wesentlich geringeren Umfang haben.
Die überragende Bedeutung des Rheins als deutsche Schiffahrtsstraße
erhellt aus der Tatsache, daß von dem gesamten deutschen
Binnenwasserverkehr im Jahre 1927 auf den Rhein mehr als die Hälfte,
nämlich rund 52%, von der tonnenkilometrischen Leistung im Jahre
1926 sogar rund 55% entfielen.