Object: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Vollmilch. Bestimmung des Milchzuckers und der Mineralstoffe. 471 
Man kann das Kupferoxydul auch ebenso zweckmäßig durch einen Goochschen 
Porzellantiegel abfiltrieren und das Kupferoxydul durch Multiplikation mit 0,888 auf 
Kupfer umrechnen und dann der Soxhletschen Tabelle sich bedienen. 
Die Bestimmung des Milchzuckers kann natürlich auch volumetrisch nach 
Soxhlet 1 ) mit Fehlingscher oder Sachssescher Lösung erfolgen. 
b) Polarimetrisch nach A. Scheibe. 2 ) „75 ccm Milch werden mit 7,5 ccm 
einer 20 Gew.-°/ 0 -igen Schwefelsäure und 7,5 ccm einer Quecksilberlösung versetzt, die 
wie folgt bereitet wird: 40 g Jodkalium werden in 200 ccm Wasser gelöst, mit 
55 g Quecksilberjodid geschüttelt, zu 500 ccm aufgeffillt und von ungelöst ge 
bliebenem Quecksilberjodid abfiltriert. Nach dem Auffüllen der mit den Klär- 
flüssigkeiten versetzten Milch zu 100 ccm wird das Filtrat im 400 mm-Eohre hei 
17,5° polarisiert. Bei Benutzung des Halbschatten-Apparates mit doppelter Quarzkeil- 
Kompensation von Schmidt und Hänsch ist 1 Saccharimeter-Grad auf 0,16428 g 8 ) 
Milchzucker in 100 com Lösung urazurechnon. Bei Polarisationsapparaten mit 
Kreisteilung und Natriumlicht ist bei 20° zu polarisieren und 1° im 400 mm-Kohr 
= 0,4759 g 8 ) Milchzucker in 100 ccm zu setzen.“ 
Zur Beseitigung des durch das Volumen des Niederschlages hervorgerufenen 
Fehlers ist nach A. Scheibe bei Vollmilch (mit 2,8—4,7 °/ 0 Fettgehalt) der ge 
fundene Milchzuokergehalt mit 0,94 und bei Magermilch mit 0,97 zu multiplizieren. 
Bei Kahm und Kolostrnmmiloh ist das Volumen des Niederschlages jedesmal zu 
ermitteln. Hierfür hat A. Scheibe ein besonderes Verfahren angegeben, auf das hier 
verwiesen sei. 
Wenn in der vorstehenden Weise verfahren wird, gehen nach A. Scheibe 
die gewichtsanalytische und die polarimetrische Bestimmung vollkommen überein 
stimmende Werte. Die entgegengesetzten Angaben von Schmoeger, 4 ) Bechamp, 6 ) 
v. Raumer und Spaeth 0 ) sind nach Scheibe irrig. 
Bei der polarimetrischen Milchzucker-Bestimmung ist, wie A. Scheibe und 
Svoboda 7 ) gefunden haben, die Anwendung von Bleiessig zur Ausfüllung und 
Klärung unzulässig und die fehlerhaften Befunde früherer Untersuchungen sind 
teils auf die Anwendung von Bleiessig und die Vernachlässigung des Volumens des 
Niederschlages bei der polarimetrischen Bestimmung, teils auf die unrichtige Aus 
führung des gewichtsanalytischen Verfahrens zurückzuftthren. Für das Vorhanden 
sein des die Unterschiede angeblich herbeiführenden dextrinartigen Kohlenhydrates 
liegen keine Beweise vor. 
6. Bestimmung der Mineralstoffe. 
20—30 g Milch werden nach Fleischmann unter Zusatz von einigen Tropfen 
Essigsäure in einer Platinschale auf dem Wasserbade völlig eingetrocknet und dann 
über freier Flamme langsam verkohlt. Nachdem man den verkohlten Eückstand 
mit Wasser ausgezogen hat, brennt man den Eückstand vollständig weiß, bringt 
die Schale auf das Wasserbad, setzt den wässerigen Auszug nach und nach zu, ver 
dampft, glüht gelinde und wägt nach dem Erkalten. 
Q Journ. f. prakt. Cbem. [2], 21, 227 u. 300. 
2 ) Zeitschr. f. analyt. Chem. 1901, 40, 1. 
3 ) Nach Landolt, Das optische Drehungsvormögen usw. 1898, 445. 
4 ) Bericht über die Tätigkeit des Milohw. Instit. Proskau 1883/4, 22. 
6 ) Chem.-Ztg. 1891, 15, 1126, 1319. 
°) Zeitschr. f. angew. Chem. 1896, 70. 
') Zeitschr. d. Vereins f. Rübenzucker-Industrie 1896, 46, Heft 481.
	        
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