Vereinzelt ist es vorgekommen, dafs einer auch einmal zwei
Jahre und mehr nicht nach Hause kam, für gewöhnlich sprachen
sie bei jeder Tour, die sie in die Heimat führte, also ziemlich häufig
vor. Das achtzehnte Jahrhundert arbeitete noch mehr, namentlich
wegen der Norddeutschen, mit Saisonfuhrwerk, soweit es sich um
bäuerliche Hofbesitzer handelte, und mit kurzen Touren.
Im Bremischen safsen vor allem um Leeste zahlreiche Fracht
bauern, die Leister, wie sie zusammenfassend hiefsen. Ihnen gegen
über standen die Fremden, namentlich die Oberländer. Die Leister
hatten nach 1818, nach einer kurzen Unterbrechung, das Vorrecht,
nachdem sie sich beim Güterbesteder hatten anschreiben lassen, zu
Hause in ihren Dörfern stapeln, d. h. auf Fracht warten zu dürfen, die
Fremden mufsten so lange in den Wirtshäusern liegen bleiben. Die
Leister waren, weil sie jederzeit zur Verfügung waren, und bei den
mangelnden Frachten aus dem Inlande nach Bremen, sehr wichtig.
Das Frachtfuhrwerk in der Stadt selbst ging schliefslich bis auf
vier gröfsere Frachtfuhrleute, die Neukirchs, zurück; eine Zeitlang
existierten daneben noch einige kleinere Fuhrleute, die Fracht
fuhren. Neuere Fuhrwerksanstalten, Eilfuhrwerke mit regelmäfsigen
Abgangszeiten, Pferde- und Fuhrmannswechsel, Tag und Nacht durch
gehend, wie sie in Deutschland auf einigen Routen namentlich mit
den Eisenbahnen l ) nach Abänderung der entgegenstehenden deutschen
Postrechte aufkamen 8 ), in den westlichen Gebieten z. B. in
Baden 3 ) nach dem Muster der französischen entrepreneurs des roulages
publics 4 ), eine sehr beherrschende Ausdehnung gewannen, kamen in
Bremen, wo man eine strenge Güterbestederverfassung aufrecht
erhielt, nicht zustande. In den vierziger Jahren hat der Harburger
*) Zur Verbindung der Einzellinien und in Konkurrenz.
J ) Vergl. zu der Institution am besten Friedrich Noback, Lehrbuch
der Handels-Wissenschaft, Leipzig 1851, S. 387, 392, 481 etc.
a ) Fr. J. Bär, Chronik über Strafsenbau und Strafsenverkehr in dem
Grofsherzogtum Baden, 1878, S. 27. In Baden betrieb das Eilfuhrwerk Jacob
Hummel aus Diersheim, später in Kehl, auf den gesamten Hauptrouten des
badischen Landes, in Köln bestand die Firma J. A. Böcker, mit regelmäfsigem
Verkehr im Bergischen, Westfälischen etc. (Bremer Staats - Archiv.) Sonst
werden genannt: Leupold aus Schlüchtern, zwischen Offenbach und Naumburg,
Böhler in Naumburg, von Naumburg nach Berlin; Trebitz aus Eisenberg, zwischen
Berlin und Königsberg; Brabant aus Kroppenstedt, zwischen Berlin und Leipzig
noch zur Zeit der Eisenbahnen; Bauer, zwischen Nürnberg und Leipzig; Lorci,
Enters und Hohmann aus Fulda, zwischen Offenbach und Leipzig; Mühlhäuser,
zwischen Stuttgart und Leipzig (A. Topf, Bilder von der deutschen Landstrafse,
Gartenlaube 1864, S. 281) u. a.
*) Code civil, art, 1785, 1786; code de commerce, art, 104.