5. Kap. Wirtschaftliche und soziale Zustände am Ausgang des 18. Jahrh. 165
zachen der Volksvermehrung und Entvölkerung vermutlich ebenso
peständig gewesen, wie diejenigen der Naturgesetze, mit denen wir
bekannt sind.“ Zu Beginn des 4. Buches heißt es bei ihm: „Da es
scheint, daß in dem dermaligen Zustande aller Völker, die wir
unserer Betrachtung unterzogen haben, der natürliche Fortschritt
der Bevölkerung beständig und mächtig gehemmt wird, und daß
keine verbesserte Regierungsform, keine Auswanderung, keine Anstalten
der Wohltätigkeit und kein Grad nationalen Fleißes die fortdauernde
Tätigkeit eines großen Hindernisses der Volksvermehrung
in der oder jener Gestalt verhüten kann, so folgt, daß wir dieser
Erscheinung als einem unvermeidlichen Naturgesetz unterworfen
sind“ !). Gerade auch unter den Anhängern von Malthus hat man
diese naturgesetzliche Formulierung bekämpft und hat darauf hinyewiesen,
daß durch die von Malthus selbst betonte Wirkung der
präventiven Hemmnisse auf das Volkswachstum seine Theorie den
naturgesetzlichen Charakter verliere und sich in ein soziales Gesetz
verwandle. Denn diese präventiven Hemmnisse beruhen ja auf
moralischen und geistigen Faktoren und diese sind imstande, den
Wirkungen des Bevölkerungsgesetzes erfolgreich entgegen zu arbeiten.
Dies alles zugegeben, so muß man doch Nebelung beistimmen,
Jie mit Recht betont hat, daß sich die Wirksamkeit dieser Faktoren
nicht auf die konstante Ursache der Vermehrungstendenz, sondern
nur auf die Hemmnisse dagegen erstrecke. Es ist auch etwas ganz
anderes, ob wir heute noch geneigt sind, solchen Zusammenhängen
gegenüber von einem Naturgesetz zu sprechen; Malthus hat jedenfalls
seine Lehre in diesem Sinne aufgefaßt. Diejenigen haben also
in gewissem Sinne recht, die auf den gesellschaftlich-historischen
Charakter der Malt hus’schen Lehre hingewiesen haben. Nur trifft
diese Charakterisierung nicht zu für die Vermehrungstendenz als
solche, die bei Malthus ein durchaus naturalistisches Gepräge trägt.
Dieser gesellschaftlich-historische Charakter seiner Darlegungen
Ändet sich vor allem auch bei seinen Ausführungen über die Größe
des Nahrungsspielraumes. Malthus hat durchaus gesehen,
daß hierfür auch die gesellschaftliche Organisation eine wesentliche
Rolle spielt. Er hat häufig genug betont, daß dafür auch die in
einem Lande herrschende Art der Güterverteilung in Frage kommt.
„Es ist nicht genug“, sagt er einmal, „daß ein Land Nahrung in
Hülle und Fülle hervorbringen kann, sondern der Zustand des Volkes
muß auch ein solcher sein, daß er die Mittel der geeigneten Ver-Ya,
a. O., Übers, von Stöpel, S. 619.