Full text : Bevölkerungslehre

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Zweiter systematisch-theoretischer Teil

nun durch einen solchen Arbeitermangel die Landwirtschaft allein
zu leiden hat, was bei den höheren Löhnen, die in der Industrie
gezahlt werden können, wahrscheinlich ist, so mag es sein, daß in
der Landwirtschaft durch Maschinen ein Ausgleich geschaffen
werden kann, vor allem wenn hier der Preis der Arbeit in die Höhe
geht. Soweit das ökonomisch nicht in vollem Umfang möglich ist,
wird man mit einer Tendenz zur Extensivierung rechnen dürfen.
Damit können die Roherträge der Landwirtschaft eine Verminderung
erfahren, der dann freilich auch bei einem Rückgang der Volkszahl
ein geringerer Bedarf an Nahrungsmitteln gegenübersteht. Je nachdem
 das eine oder das andere überwiegt, kann es unter Umständen
zu einer größeren Unabhängigkeit des betreffenden Landes von fremdländischer
 Versorgung mit Nahrungsmitteln, aber auch mit Rohstoffen,
führen. In welchem Maße das der Fall sein kann, hängt wesentlich
von dem Umfang des Bevölkerungsrückganges, aber auch von der
Lage der Landwirtschaft selbst ab. Es ist für die wirtschaftlichen
 Auswirkungen einer solchen Entwicklung von Wichtigkeit,
ob bis dahin die Produktion auf Land nach dem Gesetz vom sinkenden
Bodenertrag vonstatten gegangen ist. In diesem Falle können bei
einer jetzt vielleicht einsetzenden Extensivierung der ländlichen Betriebe
 die Roherträge zwar absolut sinken, im Verhältnis zu dem
Kostenaufwand aber steigen, so daß sich die Lage der Landwirtschaft
damit keineswegs zu verschlechtern braucht.
Fragen wir nun, wie ein Rückgang der Volkszahl auf die
Industrie des Landes wirken kann. Daß der Absatz auf dem inneren
Markt zurückgehen wird, wenn die Volkszahl sinkt und wenn die
Landwirtschaft extensiver wirtschaften wird, ist wohl sicher. Damit
kann sich die Lage des betreffenden Landes bei der Ausfuhr auf
dem Weltmarkt schwieriger gestalten, weil die Konkurrenzfähigkeit
auf diesem in hohem Maße von der Absatzgröße auf dem inneren
Markte abhängt. Inwieweit eine Abnahme an Zahl der Arbeitskräfte
in der Industrie den Preis der Arbeit erhöhen wird, läßt sich nicht
sagen, da man nicht voraussehen kann, ob nicht ein mehr oder
weniger vollkommener Ausgleich dafür durch die Mehrverwendung
von maschineller Kraft erfolgen kann. Es läßt sich auch gar nicht
übersehen, ob nicht eventuelle Tendenzen zu einer Lohnsteigerung
dadurch ausgeglichen werden, daß mit dem Rückgang des Absatzes auf
dem inneren Markt, auch mit Änderungen in der Ausfuhr, der Arbeiterbedarf
 in der Industrie selbst geringer wird. Man muß eben stets
beachten, daß auch die Größe des Nahrungsspielraumes selbst in
mancher Hinsicht von der Größe der Volkszahl und ihrem
            
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