Full text : Bevölkerungslehre

1. Kap. Das gegenseit, Größenverhältnis v. Bevölkerung u. Nahrungsspielraum * 265
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halb hier zu zu anderen Merkmalen kommen müssen. Wir müssen
uns dabei daran erinnern, daß es sich um Veränderungen in dem
gegenseitigen Größenverhältnis von Nahrungsspielraum und Volkszahl
 handelt. Da die Entwicklung der letzteren leicht erkennbar
ist, so würde es sich nur noch darum handeln, auch die Veränderungen
 im Nahrungsspielraum zahlenmäßig zu erfassen und so zu
erkennen, in welchen Umfang sich beide Größen geändert haben.
Bei der statistischen Erfassung des Nahrungspielraumes handelt es
sich um eine Aufgabe, zu deren Lösung schon manche beachtenswerten
 Ansätze vorliegen !). Freilich ist das eine Aufgabe, die in
vollkommener Weise nur recht schwer durchzuführen ist, auch eine
solche, die bisher noch für kein Land befriedigend gelöst ist.
In Ermanglung solch unmittelbarer. Unterlagen für die Wandlungen
 in der Größe des Nahrungsspielraumes hat man bisher in
der Regel als Merkmale einer Übervölkerung die Folgen einer
relativen Einengung des Nahrungsspielraumes auf die Lebenshaltung
betrachtet und die Symptome einer Übervölkerung darin erblicken
wollen, daß für längere Zeit Durchschnittseinkommen und Lebenshaltung
 der Bevölkerung einen Rückgang erfahren. Diese
Auffassung haben in Deutschland vor allem A. Wagner und
G. Rümelin vertreten ®). „Ein Land“ so hat der letztere ausgeführt,
„tritt in den Zustand der Übervölkerung‘ ein, went nachhaltig, d. h.
eine Reihe von Jahren hindurch die Einwohnerzahl in rascherer
Progression gestiegen ist als das Volkseinkommen und Volksvermögen,
 wenn infolgedessen für den einzelnen das Durchschnittseinkommen
 sinkt, wenn die volkswirtschaftlich wichtigsten Berufszweige
 so übersetzt und durch die Konkurrenz beengt sind, daß
sie sehr vielen keinen lohnenden Erwerb mehr bieten und jeder
neue Zuwachs das Übel steigert, wenn das Areal des Landes nicht
mehr ausreicht, den Bewohnern die gemeinen und unentbehrlichsten
Unterhaltsmittel zu bieten, der Bezug von außen dabei aber die
Gegenleistung von Tauschmitteln erfordert, deren Beschaffung und
Absatz mit stets wachsenden Schwierigkeiten verknüpft ist, was
dann die Vermehrung des Volksvermögens und Volkseinkommens
allmählich unmöglich macht,“
Freilich sind auch diese Merkmale im einzelnen recht problematischer
 Natur, Bortkiewicz hat darauf hingewiesen daß in

1) K, Keller, a. a. O0. — M. Elsas, Wohlstandsindex u. sozialer Wohlstand,
Arch. f. Sozialw., Bd. 60. — Rogowski, Das deutsche Volkseinkommen, 1926,
?) G. Rümelin, Zur Übervölkerungsfrage. In: Reden u. Aufsätze, N. F., 1881,
S. 569. — A. Wagner, a. a. O., Bd. ı, S. 659,
            
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