Object : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Fünftes  Buch.  Die  Lehren  der  neuesten  Zeit.

verbessert.  Er  wußte  aber  nicht,  daß  schon  vor  ihm  und  besser  als  er
Coürnot  die  Formel,  die  wir  soeben  wieder  angeführt  haben,  zerstört
hatte,  indem  er  ihr  die  gegenüberstellte,  die  in  Wirklichkeit  die  hedonistische ­
  Methode  einführt:  „Die  Nachfrage  ist  eine  Funktion  des  Preises 1 ), 1 '
womit  gesagt  werden  sbll,  daß  sie  sich  zu  dem  Preis  verhält  wie  eine  Schale
der  Wage  zur  anderen,  d.  h.  bei  steigendem  Preise  fällt  und  bei  fallendem
steigt.  Aber  auch  das  Angebot  ist  eine  Funktion  des  Preises,  nur  in  einer
ganz  verschiedenen  Beziehung,  da  es  ihm  in  seinen  Bewegungen  parallel
folgt,  und  mit  ihm  steigt  und  fällt.  So  verhalten  sich  Preis,  Angebot  und
Nachfrage  wie  die  drei  fest  verbundenen  Teile  eines  Mechanismus,  die
sich  nicht  ein  Jeder  für  sich  bewegen  können.  Es  handelt  sich  nun  darum,
die  Gesetze  ihrer  gegenseitigen  Abhängigkeit  zu  bestimmen.
Dies  will  nicht  besagen,  daß  das  Gesetz  des  Angebotes  und  der  Nachfrage ­
  von  nun  an  aus  dem  wirtschaftlichen  Wörterbuche  gestrichen  ist,
sondern  nur,  daß  es  eine  andere  Bedeutung  erhalten  hat.  Heute  drückt
man,  wie  wir  sehen  werden,  das  Gesetz  des  Angebots  und  der  Nachfrage
durch  das  aus,  was  man  „die  Kurve  der  Nachfrage“  oder  des  Angebotes
nennt,  Kurven,  die  einfach  das  Theorem  Cournot’s,  daß  die  Nachfrage
eine  Funktion  des  Preises  ist,  graphisch  darstellen.
Ebenso  geht  es  mit  dem  Gesetz,  nach  dem  „die  Produktionskosten
den  Wert  bestimmen“.  Die  gleiche  petitio  principii!  Wer  kann  nicht
sehen,  daß  gerade  im  Gegenteil  der  Unternehmer  seine  Produktionskosten
nach  dem  Preise  einstellt  und  regelt?  Die  klassische  Schule  hatte  dies
wohl  für  eines  der  Elemente  dieser  Kosten  erkannt;  sie  hatte  erkannt,
daß  der  Preis  die  Bodenrente  bestimmt,  und  nicht  die  Bodenrente  den
Preis.  Dies  ist  aber  nun  ebenso  für  alle  anderen  Preisbestandteile  richtig,
’  oder  vielmehr,  auch  diese  neue  Formel  ist  ebensowenig  korrekt.  Man  muß
diesen  eitlen  Versuch,  die  Ursachen  und  Wirkungen  zu  finden,  auf  geben
und  sich  mit  der  Feststellung  begnügen,  daß  zwischen  den  Produktionskosten ­
  und  dem  Preise  eine  Beziehung  besteht,  die  das  Streben  hat,  die
Gleichheit  herzustellen,  nicht  auf  Grund  irgendeiner  geheimnisvollen
Solidarität,  sondern  weil  dort,  wo  diese  Koinzidenz  nicht  besteht,  die  Verminderung ­
  oder  Vermehrung  der  erzeugten  Mengen  das  Gleichgewicht
sogleich  wiederherzustellen  bestrebt  ist.  Diese  Abhängigkeitsbeziehung
zwischen  zwei  Werten,  obgleich  sie  sicherlich  höchst  bedeutsam  ist,  ist
weit  davon  entfernt,  die  einzige  zu  sein:  sie  ist  nur  ein  Einzelfall  in  einer
Menge  von  Fällen,  wo  ein  Wert  als  Funktion  eines  anderen  Wertes  sich
verändert,  Fälle,  die  die  hedonistische  Schule  mit  der  größten  Aufmerksamkeit ­
  sammelt.
Das  gleiche  gilt  auch  für  das  Gesetz  der  Verteilung,  d.  h.  für  Lohn,
Zins  und  Bodenrente.  Wie  bestimmte  man  in  der  klassischen  Lehre  jeden
Becherehes  sur  les  Principes  mathfimatiques  de  la  th§orie  des
richesses.
            
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