{1020) 1867 April 24 _383
über „Hiesiges‘“ spreche, nicht zu vergessen dieses: Meißner
wünscht und fordert Dich durch mich auf, daß Du eine War-
aung gegen Rußland, zugleich zu deutschem und franzö-
sischem Besten schreibst. Er wünscht, wenn Du’s übernimmst, die
Sache rasch. Es ist ihm aber lieber, wenn Du mehr als weniger
Bogen schreibst, da ganz kleine Pamphlete buchhändlerisch nicht
ziehn. Über die Bedingungen könntest Du ihm bei Übersendung
des Manuskripts schreiben, da, wie er sagt, Ihr Euch über den
Punkt nicht veruneinigen würdet. Du könntest Dich „ganz gehn
„ lassen“, da Meißner durchaus keine Rücksichten zu nehmen für
nötig hält.
Also von Hannover,
Kugelmann ist ein sehr bedeutender Arzt in seinem Spezial-
fach, nämlich als Gynäkolog. Virchow und die sonstigen Autori-
is täten (worunter ein gewisser Meyer in Berlin, früher v. Syboldt
in Göttingen und vor seinem Verrücktwerden Semmelweis in
Wien) in Korrespondenz mit ihm. Wenn hier ein schwieriger Fall
in diesem Fach, wird er stets als Konsultierender zugezogen, Zur
Beschreibung des Fachneids und der Lokaldummheit erzählt er
» mir, daß er hier erst ausgekugelt, d. h. nicht in die Gesellschaft
der Ärzte zugelassen, weil „Gynäkologie“ eine „unmoralische
Schweinerei““ sel. K[ugelmann] hat auch viel technisches Talent.
Er hat eine Masse neuer Instrumente in diesem Fach erfunden.
Klugelmann] ist zweitens ein fanatischer (und mir zu west-
„ fälisch bewundernder) Anhänger unsrer Doktrin und unsrer bei-
den Personen. Er ennuyiert mich manchmal mit seinem Enthusias-
mus, der seinem in der Medizin kalten Wesen widerspricht. Aber
er versteht und er ist grundbrav, rücksichtslos und auf-
opferungsfähig, was die Hauptsache ist, ü berzeugt. Er hat eine
„ nette kleine Frau und eine Tochter von 8 Jahren, die allerliebst
ist. Er besitzt eine viel bessre Sammlung unsrer Arbeiten, als wir
beide zusammengenommen. Hier fand ich auch die „Heilige Fa-
milie‘“ wieder, die er mir geschenkt hat und wovon er Dir ein
Exemplar schicken wird. Ich war angenehm überrascht, zu finden,
„daß wir uns der Arbeit nicht zu schämen haben, obgleich der
Feuerbachkultus jetzt sehr humoristisch auf einen wirkt. Das Volk
ınd in der Hauptstadt Hannover selbst die Bourgeoisie sind ex-
trem preußenfeindlich (ditto in Kurhessen) und
äußern ihre Gesinnung bei jeder Gelegenheit. Sie sprechen offen
„ ihren Wunsch—nach den Franzosen aus. Sie sagen, Wenn
man ihnen bemerkt, daß sei unpatriotisch: „Die Preußen taten ganz
dasselbe. Als sie hier durchrückten, renommierten sie mit der
französischen Hilfe, die Offiziere an der Spitze, — im Notfall.“
Wehners Vater ist hier sehr geachtet, gilt auch als Welfe. Bis-
„. marck schickte mir gestern einen seiner Satrapen, den Advokaten