Full text: Bevölkerungslehre

300 Zweiter systematisch-theoretischer Teil 
Zeit: mit Recht annahm. Das trifft noch für Länder mit primitiven 
wirtschaftlichen und hygienischen Zuständen, wie z. B. in Indien, 
China und ähnlichen Ländern zu. Bezeichnend für diesen Gegensatz 
ist z. B. die Entwicklung der Sterblichkeit im Deutschen Reich und 
in Indien. Auf 1000 Einwohner kamen Sterbefälle im Durchschnitt 
der Jahre) 
1885—90 
1891—00 
1901— 10 
1911—13 
Deutsches Reich 
24,9 
22,2 
18,7 
16.0 
Indien 
27,44 
31,31 
33:94 
20,15 
Während in Ländern wie Indien, China und anderen, die Be- 
völkerung in der Höhe der Sterblichkeit auf jede Verschlechterung 
der Lebensverhältnisse reagiert, läßt sich in den europäischen Staaten 
ein solcher Zusammenhang nicht mehr feststellen. Hier kann zwar 
durch eine ungünstigere Gestaltung der Lebensverhältnisse der Rück- 
gang der Sterblichkeit vorübergehend zum Stillstand kommen, aber 
eine solche Zunahme derselben, wie wir sie eben für Indien kennen 
gelernt haben, ist dabei nirgends anzutreffen. Das ergibt sich, wenn 
man z. B. für Deutschland die EntwicklInng der Sterblichkeit in den 
Jahren der Inflation betrachtet, einer Zeit, die doch im allgemeinen 
Durchschnitt für die Bevölkerung eine so schwierige Lebenslage, 
vor allem auch hinsichtlich der Ernährung, bedeutete. Freilich muß 
man hierbei die Wirkung des Geburtenrückganges und der durch 
den Krieg bewirkten Änderungen im Altersaufbau ausscheiden, um 
zu vergleichbaren Zahlen zu kommen. Es betrug dementsprechend 
die Standardsterbeziffer der über einjährigen Bevölkerung auf die Be- 
völkerung im Jahre 1913 bezogen (1913 ist gleich 100) in den 
Jahren ?) 
1913 100 
1920 107 
10271 95 
1922 100 
1923 95 
b) Die Beziehungen zwischen der Höhe der Sterbe- 
und Geburtenhäufigkeit. Zwischen der Höhe der „Sterblich- 
keit und derjenigen der Geburtenhäufigkeit bestehen enge Beziehungen. 
Wir haben bereits oben gesehen, daß im Mittelalter und noch tief 
hinein bis in die Neuzeit nach Seuchen, Kriegen u. dgl., wenn viele 
Menschen hinweggerafft worden waren, die Tendenz auftrat. den 
') Die Zahlen für Indien sind entnommen Narain, The population, a. a. O., 
5. 22. — Vgl. ferner P. R. Wattal, The problem of population of India, Bombay 1916. 
2) Stat. d. Deutschen Reiches, Bd. 216. S. 29.
	        
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