Full text: Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

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sich beträchtlich entwickelt hat. Auf die Fürsorge des Königtums 
für die Instandhaltung der Straßen und Brücken, die Absichten 
Karls d. Gr. eine Verbindung zwischen Rhein und Donau (Main- 
Rednitz-Kanal) herzustellen, ist schon von der älteren Literatur!®‘) 
zur Genüge hingewiesen worden. Sicherlich kommt es darauf an, 
welche Rolle der Handel im Gesamtwirtschaftsleben einer Zeit ge- 
spielt hat**°). Aber gerade dafür liegt uns eben für den Ausgang 
der Karolingerherrschaft ein überaus bezeichnendes Zeugnis vor. 
Ein arabischer Reisender, der im 10. Jahrhunderte das Land der 
Franken bereiste, schildert den Gesamteindruck davon wie folgt: 
„Es ist unfruchtbar, weil es schlechtes Ackerland ist, wenig Wein- 
berge hat und an Baumarmut leidet. In demselben sind 150 Städte, 
seine Hauptstadt ist Paris. Ihren Lebensunterhalt gewinnen die Be- 
wohner durch Handel und Handwerk**).“ Ein solcher Bericht 
verdient um so mehr Beachtung, als er von einer Seite kommt, die 
eben für den Handel als besonders urteilsfähig angesehen werden 
darf... 
Jeder Handel größeren Umfanges tendiert an sich zur kapitali- 
stischen Wirtschaftsordnung!??) und damit auch zur Geldwir-t- 
schaft. Für den Handel der Karolingerzeit läßt sich dies an den 
zeitgenössischen Quellen unmittelbar nachweisen. Die Handels- 
geschäfte wurden vielfach bereits durch Barzahlung mit Geld, 
u. zw. Münzgeld, ausgeführt. Ganz allgemein wurde 794 zu Frank- 
furt a. M. angeordnet, daß die neuen Denare überall angenommen 
werden sollten. Wenn sie das Zeichen des Königs tragen und voll- 
wichtig sind, soll niemand sie bei einem Kauf- oder Verkaufs- 
geschäft zurückweisen!®). Auch 861 wurde ein gleiches Verbot 
wieder erlassen, das zugleich über den Grund der offenbar nicht 
seltenen Zurückweisung von Münzgeld aufklärt. Es war nicht die 
Ungewohntheit oder Scheu gegenüber dem Geld an sich, sondern 
gegenüber dem schlechten und minderwertigen Geld. Die hier auf- 
184) So v. Inama-Sternegg, Deutsche Wirt. Gesch. ı?, 594, sowie Thompson 
a.a.0. 5.867 2. 4. 
#5) Das betont Pirenne a.a.O. S.231 mit Recht! 
1%) Vgl. G. Jakob, Arabische Berichte v. Gesandten an german. Fürsten- 
höfen aus dem 9. u. 10. Jahrhundert (Quellen z. Deutsch. Volkskde., herausgeg. 
v. Geramb und Mackensen ı) 1927, S. 25. 
17) Vgl. Lujo Brentano, Die Anfänge d. modern. Kapitalismus (1916), 
S. 14 ff. 
138) MG. Capit. 1, 74 C. $.
	        
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