Full text: Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

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oder näher zu bestimmen. Die Auflösung der Fronhofsverwaltung 
griff, sagt Lamprecht”), in die eigentlichen Salländereien der 
Fronhöfe ein. Als Beleg dafür soll eine Urkunde von 1092 dienen. 
Sie beweist keineswegs eine solche Auflösung, sondern handelt nur 
von Eigenbauland, das bis dahin nicht viel trug, und daher behufs 
Verbesserung der Erträgnisse zum Teil zur Vergrößerung dort 
schon bestehender Weinpflanzungen verwendet und in Teilbau 
ausgetan, zum andern Teile gegen Geldzins verpachtet wurde. 
Das sind Ameliorationen, wie sie auch früher schon, z. B. in der 
Karolingerzeit, vorgekommen sind’?). 
Ferner hören wir da, es sei verfrontes Land (terra absa) zu 
freierer Nutzung ausgetan worden. Terra absa ist aber gar nicht 
verfrontes, sondern unbehaustes Land. Hier wurde übrigens, 
wenn auch an anderer Stelle, doch Lamprecht selbst darauf auf- 
merksam”®), daß solches schon in älterer Zeit ebenso geschehen 
sei! Das ist also nichts Neues, dieser Periode Eigentümliches ge- 
wesen. 
Die Zerstörung der Fronhöfe soll ferner der Umstand be- 
weisen, daß auch das alte und eigentliche Hufensalland zu Zins 
ausgetan wurde. Die angeführte Urkunde von 1189 bezeugt aber 
tatsächlich ein Nebeneinander von Eigenbau und Zinsland”*). 
Letzteres ist nicht neu verliehen, sondern es wird hier ganz all- 
gemein von der .Zehentpflicht beider Gattungen Landes ge- 
sprochen! ! 
Ein grundlegender Irrtum ist ferner bei Lamprecht’®), aber 
auch anderen älteren Wirtschaftshistorikern gewesen, daß sie die 
wirtschaftstechnische Bedeutung des Ausdruckes curtis und ‘curia 
nicht voll erkannt haben. Diese werden nicht eindeutig im Sinne 
von Fronhof gebraucht, sondern können auch eine größere Zins- 
oder Wirtschaftseinheit sonst, einen Einzelhof oder Meierhof, be- 
deuten, ohne daß er der Mittelpunkt für einen größeren Wirt- 
7) DWL. ı, 2, 867 n. 8. 
72 i irtschaft: ick] der Karoli it 1? 
) Vgl. meine Wirtschaftsentwicklung der Karolingerzeit ı , 271. 
8) DWL. 1, 2, 750. 
"“\ MRUB. 2, 132: de omni terra nostra sive salica sive non salica, que 
continetur infra territorium parrochie eiusdem ville, tam proprio sumptu et 
proprio nostro labore culta sive in posterum colenda, quam de ea quam aliis 
colendam distribuimus vel adhuc distribuemus. 
7%) DWL. ı, 2, 8367.
	        
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