ein kontradiktorischer Gegensatz angenommen, daß selbst so
geschulte Forscher, wie P. Sander und W. Lotz, meinen Kampf
wider jene exklusive Lehre nicht anders als ein Plaidoyer für eine
entwickelte Geldwirtschaft deuten zu können meinten. Einen Mittel-
weg für die durch mich belegten wirtschaftsgeschichtlichen Tat-
bestände zu suchen oder gar zu finden, ist diesen Forschern gar
nicht eingefallen. Es ist natürlich sehr billig, solche neue Versuche,
der historischen Wirklichkeit gerecht zu werden, einfach abzulehnen
und sich über die den Nationalökonomen meist wenig vertraute
Quellenforschung hinwegzusetzen.
Und doch hatte schon Th. Sommerlad an einer Stelle, auf die
ich selbst nachdrücklich hingewiesen hatte, den einzig möglichen
Weg wissenschaftlicher Behandlung vorgezeichnet: daß unsere her-
gebrachten Vorstellungen von der Naturalwirtschaft der fränkischen
Zeit sehr der Korrektur bedürftig sind®).
Die Wirtschaftsgeschichte des frühen Mittelalters hat, wie die
Geschichte jener Zeit überhaupt, mit einem empfindlichen Mangel
an Quellen zu ringen. Die herkömmliche Methode bestand nun
darin, ohne jede kritische Untersuchung über die Provenienz und
den spezifischen Charakter der Überlieferung rein statistisch die
Zahl der vorhandenen positiven Belege zur Grundlage der Gesamt-
beurteilung zu machen. Dabei spielte in der Regel das testimonium
ex silentio eine große Rolle. Was nicht unmittelbar durch zahl-
reichere Quellen zu belegen war, existierte entweder gar nicht oder
schien zum mindesten bedeutungslos. Ich habe dieser alten Praxis
gegenüber versucht, durch Anwendung der von der modernen
Urkundenforschung entwickelten Grundsätze einerseits die natür-
liche Begrenzung des Aussagebereiches der einzelnen Quellen-
gattungen (Traditionen, Urbare) zu erfassen) und anderseits zu
zeigen, daß sehr viele wirtschaftliche Vorgänge doch bereits vor-
handen waren, wenn auch in der Mehrzahl der Quellen darüber
nichts, oder nur sehr wenig verlautet. Das Quellenmaterial ist
nur ganz einseitig auf uns gekommen, hauptsächlich aus den
kirchlichen Archiven. Es sind Schenkungen und Traditionen an
kirchliche Institute. bei denen ihrer inneren Natur und Zweck nach,
3°) Die wirtschaftliche Tätigkeit der Kirche im Mittelalter 2, 120. Vgl.
meine Karolinger 2, 269, Anm. 7. .
3%) Wirtschaftsentwicklung der Karolingerzeit 2, 260 (1913).