Full text: Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

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wenig oder gar kein Anlaß war, über Handel und Verkehr, sowie 
Kauf und Verkauf Nachricht zu geben“). Auch in den Heiligen- 
leben kann man solche Aufschlüsse nicht erwarten. Dagegen muß 
dem Zeugnis der Kapitularien und Konzilienbeschlüsse ein doppelt 
großes Gewicht zugemessen werden. Denn hier haben wir eine 
Reichsgesetzgebung vor uns, die nicht nur lokale oder regionale 
Bedeutung hat. Positiv und negativ, im Gebot wie Verbot, können 
wir daraus Rückschlüsse auf die Wirtschaft jener Frühzeit gewinnen. 
Vor allem schwindet, an diesen Quellen gemessen, die bedeutende 
Präponderanz, welche der Agrarwirtschaft zugemessen wurde, 
solange man sie hauptsächlich nach den ländlichen Schaustücken, 
will sagen dem Nachrichtenmaterial aus dem Kreise der Grund- 
herrschaften (Traditionsbüchern, Urbaren und Kopialbüchern), be- 
arteilt hatte. Handel und Verkehr, Geld und Münzwesen, Zins und 
Wucher, treten in der Gesetzgebung eindrucksvoll und‘ immer 
wieder hervor. Die Mißbräuche, welche auf diesem Gebiete wirt- 
schaftlicher Tätigkeit vorkamen, die Notwendigkeit, daß die welt- 
liche wie geistliche Reichsgewalt, daß König und Kirche sich veranlaßt 
sahen, zum Schutze der Bevölkerung ganz allgemein gehaltene Ver- 
bote und Gebote darüber zu erlassen, weisen, glaube ich“), darauf 
hin, wie groß die Bedeutung dieser Wirtschaftszweige doch gewesen 
sein muß. Sie können nicht völlig gefehlt haben (Geldwirtschaft), 
oder bedeutungslos gewesen sein (Handel), da auch indirekte Schluß- 
folgerungen dagegen sprechen, welche sich aus der richtigeren Er- 
kenntnis der Agrarverfassung jener Zeit ergeben. Um nur einen 
Hauptpunkt hier herauszustellen: Die ältere Agrargeschichtsfor- 
schung hat die Geschlossenheit der großen Grundherrschaften 
ebenso überschätzt, wie die sozialen Folgewirkungen derselben auf 
die Masse der Gemeinfreien (Depression!). War nun die Besitz- 
konfiguration ersterer eine viel losere, indem die Streulage vor- 
herrschte, anderseits aber die Zahl der unabhängigen freibäuerlichen 
Wirte beträchtlich größer, dann ergeben sich daraus naturgemäß 
auch weiters ökonomische Folgen von weittragender Wichtigkeit, 
Je weniger eine geschlossene Hauswirtschaft tatsächlich herrschte, je 
weniger selbst die größten Grundherrschaften in Wirklichkeit 
4) Ebda. 2, 236 ff. | 
*) Vgl. meine „Wirtschaftsentwicklung der Karolingerzeit“ 2, 204 ff. 
‘10913.
	        
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